
Vor dem NATO-Gipfel in Ankara: Risse im Bündnis und die Suche nach neuer Finanzierung
Die USA fordern höhere Militärausgaben und eine Marinemission am Persischen Golf, während Kanada einen globalen Verteidigungsfonds vorantreibt und Europa um strategische Autonomie ringt.
Vier Tage vor dem NATO-Gipfel in Ankara droht dem Bündnis nach Darstellung europäischer Diplomaten eine seiner schwersten Zerreißproben. Im Zentrum steht die Forderung Washingtons, alle 31 Partner müssten ihre Verteidigungsausgaben auf mindestens fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts anheben – eine Vorgabe, die Präsident Trump zuletzt mit öffentlichen Angriffen auf Italien und dessen Regierungschefin Meloni verband. Gleichzeitig drängt die US-Regierung auf eine maritime NATO-Mission in der Straße von Hormuz zur Sicherung der Schifffahrtsfreiheit, während mehrere Verbündete ein solches Engagement erst nach einem formellen Ende des bewaffneten Konflikts zwischen den USA und dem Iran mittragen wollen. Generalsekretär Rutte versucht nach Angaben aus Bündniskreisen, die Wogen zu glätten, indem er gegenüber dem amerikanischen Publikum auf die Bereitstellung von Stützpunkten durch die Alliierten sowie auf amerikanische Arbeitsplätze durch Rüstungsinvestitionen der Partner verweist.
Vor diesem Hintergrund gewinnt eine kanadische Initiative an Kontur, die auf dem Gipfel die Gründung einer „Defence, Security and Resilience Bank“ mit rund zehn Gründungsmitgliedern vorsieht. Laut der kanadischen Chefunterhändlerin Isabelle Hudon soll die Bank mit einem Volumen von bis zu 100 Milliarden Pfund Sterling kostengünstige Finanzierungen für Verteidigungsprojekte bereitstellen. Ottawa sieht darin ein Instrument für ein Bündnis der „Mittelmächte“, das auf die abnehmende finanzielle Verlässlichkeit Washingtons reagiert. Aus europäischer Perspektive, so verlautet aus dem Umfeld der EU-Kommission, wird das Vorhaben als Baustein einer stärkeren Eigenverantwortung betrachtet. Die Präsidentin des Europäischen Parlaments, Roberta Metsola, betonte in einem Interview, Europa müsse „mehr Verantwortung für die eigene Sicherheit übernehmen“, und verwies auf Italien als „Pfeiler der industriellen Verteidigungsbasis“.
Die Spannungen zwischen Washington und den europäischen Partnern haben sich in den vergangenen Wochen deutlich verschärft. Aus amerikanischer Sicht wird die mangelnde Unterstützung im Iran-Konflikt als Illoyalität gewertet; Trump warf Italien öffentlich vor, nicht genug Mut gezeigt zu haben. In Rom wiederum wird die Darstellung, Ministerpräsidentin Meloni habe um ein gemeinsames Foto „gebettelt“, als erfunden zurückgewiesen. Der italienische Verteidigungsminister Crosetto signalisierte zwar die Bereitschaft zu einer neuen Peace-Enforcement-Mission im Libanon, knüpfte eine Hormuz-Mission jedoch an Bedingungen. Parallel dazu kündigte der US-Kommandeur für Europa, General Grynkewich, an, die europäischen Alliierten hätten die meisten durch den Teilabzug amerikanischer Fähigkeiten entstandenen Lücken bereits geschlossen – ein Prozess, der nach seinen Worten die „ungesunde“ Abhängigkeit reduzieren solle.
Für die europäischen NATO-Staaten, insbesondere Deutschland, Österreich und die Schweiz als Nichtmitglied, zeichnet sich eine sicherheitspolitische Zeitenwende ab. In Berlin wird die Debatte um eine Erhöhung des Wehretats mit Blick auf die Fünf-Prozent-Forderung neu entfacht, während Wien und Bern die Auswirkungen einer möglichen Schwächung der transatlantischen Bindung auf ihre Neutralitätspolitik prüfen. Der Gipfel in Ankara, zu dem alle 32 Staats- und Regierungschefs erwartet werden, gilt als richtungsweisend: Die formellen Beschlüsse zu den Ausgabenzielen und zur künftigen Lastenteilung sollen den Kurs des Bündnisses für die kommenden Jahre festlegen.
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.30 | critical |
|---|---|---|
| Russische & GUS-Presse | −0.70 | critical |
| Atlantische / angloamerikanische Presse | +0.20 | neutral |
Europe speaks as a unified actor: the summit is a test for strategic autonomy, threatened by Washington's unilateral demands.
The account turns internal divisions into a narrative of collective resistance, presenting the European stance as natural and inevitable.
No space is given to Russian security arguments, nor to internal European criticism of higher military spending.
Russia denounces the summit as aggression disguised as defense, and warns that every NATO move will have a proportionate response.
It equates NATO expansion to an attack, thereby legitimizing a symmetrical military response and presenting Russia as a victim forced to defend itself.
The context of Ukraine's security demands and the role of the Russian invasion as the cause of tension are omitted.
The alliance presents itself as a necessary bulwark: differences are normal, but the common threat requires cohesion and pragmatism.
Threats (Russia, terrorism) are hierarchized to downplay internal divisions and justify continued NATO commitment.
European criticism of US hegemony and the consequences of a potential American disengagement are not explored.
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