
Neue US-Zölle nach Supreme-Court-Urteil: 10 oder 12,5 Prozent für 60 Handelspartner
Washington stützt seine am Freitag in Kraft getretenen Zölle auf das Arbeitszwang-Argument und die Section 301 – die Reaktionen aus Europa, Asien und Lateinamerika fallen unterschiedlich aus.
Die Vereinigten Staaten haben in der Nacht zum Freitag eine neue Runde permanenter Einfuhrzölle auf Waren aus rund 60 Volkswirtschaften in Kraft gesetzt. Wie das Büro des US-Handelsbeauftragten (USTR) mitteilte, werden Importe aus 16 Ländern und Staatenverbünden – darunter die Europäische Union, Argentinien, Indonesien, Kanada und das Vereinigte Königreich – mit einem Zollsatz von 10 Prozent belegt. Für die übrigen betroffenen Ökonomien, zu denen China, Japan, Südkorea, Brasilien und die Schweiz zählen, gilt ein Satz von 12,5 Prozent. Die Maßnahme stützt sich auf Section 301 des Handelsgesetzes von 1974 und wird mit der Bekämpfung von Waren aus Zwangsarbeit begründet. Sie ersetzt einen temporären Zoll von 10 Prozent, der nach einem Urteil des Obersten Gerichtshofs vom Februar auslief, weil die ursprüngliche Rechtsgrundlage für verfassungswidrig erklärt worden war.
Aus Brüsseler Sicht fiel die erste Reaktion verhalten positiv aus. Die EU-Kommission erklärte über ihren Handelssprecher Olof Gill, das Ergebnis stehe im Einklang mit den in der gemeinsamen Erklärung von Turnberry vereinbarten Zollverpflichtungen, die eine Obergrenze von 15 Prozent vorsehen. Der Vorsitzende des Handelsausschusses im Europaparlament, Bernd Lange, sprach von einer „leichten Erleichterung“, da die konkrete Ausgestaltung besser als erwartet ausgefallen sei. Die EU habe ihren Teil der Abmachung bereits zum 1. Juli 2026 umgesetzt und erwarte nun, dass Washington die Zusagen auch bei künftigen Section-301-Untersuchungen einhalte. Die Schweiz, die mit 12,5 Prozent belegt wird, wies die Vorwürfe im Zusammenhang mit Zwangsarbeit zurück, betonte aber laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), dass die USA die gemeinsame Absichtserklärung vom November 2025 weiterhin respektierten.
In Argentinien, das dem 10-Prozent-Satz unterliegt, wertete die Regierung die Einordnung als günstig und führte dies auf das enge Verhältnis zwischen Präsident Javier Milei und Donald Trump zurück. Allerdings bleibt ungewiss, ob das im Februar unterzeichnete bilaterale Handelsabkommen, das für 1.675 argentinische Produkte Zollfreiheit vorsieht, vollständig umgesetzt wird. Der Ökonom Federico Vaccarezza von der Universität La Plata sagte der Zeitung Ámbito Financiero, die Nullzollliste befinde sich „in der Schwebe“, da es keinen Streitbeilegungsmechanismus gebe. Die indonesische Regierung kündigte unterdessen an, sie werde auf eine Diversifizierung der Exportmärkte setzen und gleichzeitig die Einfuhrregulierung für Rohstoffe vereinfachen, um die Produktionskosten zu senken. Ökonomen des Center of Reform on Economics (CORE) warnten, dass die arbeitsintensiven Sektoren Textil, Bekleidung und Schuhe unter Druck geraten dürften, zumal Konkurrenten wie Bangladesch und Indien demselben Zollsatz unterlägen und sich somit kein Wettbewerbsvorteil ergebe.
Aus Washingtoner Sicht ist der neue Zollwall rechtlich schwerer anzufechten als die vorherigen Notfallzölle. Die Asia Society Policy Institute erklärte, der Handelsbeauftragte Jamieson Greer habe die Verfahrensanforderungen sorgfältig eingehalten, sodass eine gerichtliche Aufhebung weniger wahrscheinlich sei. Gleichzeitig laufen bereits weitere Section-301-Untersuchungen zu industriellen Überkapazitäten, die zusätzliche Abgaben nach sich ziehen könnten. Bislang haben die betroffenen Staaten auf Vergeltungsmaßnahmen verzichtet, wohl wissend, dass dies eine weitere Eskalation auslösen könnte. Die neuen Zölle gelten als dauerhaft; für Waren, die sich bereits auf dem Transport befinden und bis zum 28. Juli eintreffen, greift eine Übergangsfrist.
| Lateinamerikanische Presse | −0.70 | critical |
|---|---|---|
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.20 | neutral |
The new US tariffs are a unilateral move that punishes trading partners and reflects Washington's imperialist arrogance. Latin America once again suffers the consequences of decisions made without consultation. The region's response must be united and firm.
The announced US tariffs represent a complication for global trade, but Europe intends to respond with caution and negotiations. The effect on European economies will be limited thanks to diversification. The sustainability of transatlantic relations is being monitored.
Erweitere deinen Horizont
Washington erwartet baldige Hormus-Einigung, Teheran dementiert direkte Verhandlungen
6 Sprachen · 52 Quellen
Aus Economy & MarketsÖlkonzerne melden sprudelnde Gewinne im zweiten Quartal – Trump rügt „zu viel Geld“
2 Sprachen · 21 Quellen
Aus TechnologyWeißes Haus schließt offene KI-Modelle von Sicherheitstests aus
3 Sprachen · 11 Quellen