
Gasexplosion in Kohlebergwerk in Kolumbien: Neun Tote, sechs Verletzte
Bei einer Gasexplosion in einer Kohlemine im Zentrum Kolumbiens sind neun Bergleute ums Leben gekommen. Sechs Arbeiter konnten gerettet werden. Die Behörden hatten zuvor vor einer gefährlichen Gasansammlung gewarnt.
Neun Bergleute sind bei einer Gasexplosion in einer Kohlemine im kolumbianischen Departamento Cundinamarca ums Leben gekommen. Die Behörden bestätigten am Dienstagabend, dass sechs weitere Arbeiter aus dem Schacht gerettet und in ein Krankenhaus nach Ubaté gebracht wurden. Die Explosion ereignete sich am Montagnachmittag in der Mine „La Ciscuda“, die von der Gesellschaft Carbonera Los Pinos S.A.S. betrieben wird, in der Gemeinde Sutatausa, rund achtzig Kilometer nördlich von Bogotá. Die fünfzehn Männer arbeiteten in etwa sechshundert Metern Tiefe, als sich nach ersten Ermittlungen der Nationalen Bergbauagentur (ANM) angesammeltes Methangas entzündete.
Bereits am 9. April hatte eine technische Inspektion der ANM in dem Betrieb stattgefunden. Die Agentur teilte mit, sie habe damals „Empfehlungen zur Verbesserung der Sicherheit“ ausgesprochen und darauf hingewiesen, dass eine „potenziell gefährliche Gasansammlung“ bestehe. Konkret wurde geraten, bestimmte Bereiche der Mine zu verschließen. Ob die Betreiber diese Auflagen umsetzten, ist unklar. Der Gouverneur von Cundinamarca, Jorge Emilio Rey, bestätigte, dass drei der Überlebenden sich selbst ins Freie retten konnten, die anderen drei von Rettungskräften geborgen wurden. Die Rettungsmannschaften arbeiten weiter daran, die Leichen der Toten zu bergen.
Der Unfall reiht sich ein in eine Serie tödlicher Vorfälle in Kolumbiens Bergbausektor. Viele Minen werden informell betrieben, Sicherheitsstandards sind oft unzureichend. Besonders in den Kohlerevieren der Andenregion kommt es immer wieder zu schweren Unglücken. Aus Washingtoner Sicht gewinnt der Unfall vor dem Hintergrund der amerikanischen Energiepartnerschaft mit Kolumbien an Bedeutung: Die USA beziehen einen Teil ihrer Kohleimporte aus dem südamerikanischen Land und drängen auf verbesserte Arbeitsbedingungen. Beobachter in Berlin und Wien verweisen darauf, dass auch Europa – allen voran Deutschland und die Schweiz – kolumbianische Kohle nutzt, vor allem für die Stromerzeugung und die Zementindustrie. Die Frage nach der Einhaltung von Sozial- und Sicherheitsstandards entlang der Lieferkette rückt damit erneut in den Fokus.
Die kolumbianische Regierung steht nun unter Druck, die Aufsicht über den Bergbau zu verschärfen. Die ANM kündigte eine gründliche Untersuchung an. Doch strukturelle Probleme – wie die hohe Zahl illegaler oder semi-formaler Minen, mangelnde Kontrollen und Korruption – lassen sich nicht durch einzelne Inspektionen beheben. Für die Zukunft wird entscheidend sein, ob die Behörden konsequent gegen Betreiber vorgehen, die Auflagen missachten, und ob die internationale Nachfrage nach kolumbianischer Kohle zu einem Umdenken in der Branche führt. Noch herrscht in den Schächten von Sutatausa eine Mischung aus Trauer und Wut – und die Gewissheit, dass der nächste Unfall nur eine Frage der Zeit sein könnte.
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