
Ölpreis über 107 Dollar: Trumps Blockade der Straße von Hormus treibt die Märkte an
Der Preis für Rohöl der Sorte Brent ist am Mittwoch erstmals seit Anfang April wieder über die Marke von 107 Dollar je Barrel gestiegen, nachdem er tags zuvor noch auf knapp unter 98 Dollar gefallen war. Auslöser der jüngsten Rally ist eine Zuspitzung der amerikanisch-iranischen Konfrontation im Persischen Golf. Präsident Donald Trump hatte am 21. April das Waffenstillstandsabkommen mit Teheran zwar verlängert, zugleich aber die Seeblockade der Straße von Hormus aufrechterhalten. Am folgenden Tag ließ das US-Zentralkommando 31 Schiffe – überwiegend Öltanker – in der Meerenge stationieren, was am Markt als unmissverständliches Signal einer verschärften Durchsetzung des Embargos gelesen wurde.
Aus Washingtoner Sicht verfolgt die Administration eine Doppelstrategie: Einerseits bietet man dem Iran Gespräche an, andererseits wird die wirtschaftliche Schraube durch die Blockade weiter angezogen. Die Straße von Hormus gilt als Nadelöhr für rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports. Jede Unterbrechung oder auch nur die Androhung einer Behinderung treibt die Preise unmittelbar in die Höhe. Analysten sehen darin ein bewusst kalkuliertes Druckmittel, um Teheran zu einem schnellen Friedensschluss zu bewegen. Die Zeit dafür laufe ab, so Trump am 23. April.
In Teheran hingegen werden die jüngsten Schritte als Provokation empfunden, die das ohnehin fragile Verhältnis weiter belastet. Zwar signalisierte die Führung Bereitschaft zu einer neuen Verhandlungsrunde, doch die Blockade schränkt die iranischen Exportmöglichkeiten massiv ein. Aus Moskauer Perspektive ist die Lage ambivalent: Einerseits profitiert Russland als großer Ölproduzent von den hohen Preisen, andererseits gefährdet die Instabilität am Golf langfristig eigene strategische Interessen. Kremlnahe Beobachter spekulieren über eine mögliche Vermittlerrolle Moskaus, um eine militärische Eskalation zu verhindern.
Für Deutschland, Österreich und die Schweiz, die einen erheblichen Teil ihrer Rohölimporte über die Straße von Hormus beziehen, sind die Entwicklungen unmittelbar besorgniserregend. Steigende Energiepreise belasten die ohnehin angeschlagene Industrie und treiben die Inflation weiter an. Die Europäische Zentralbank und die Schweizerische Nationalbank dürften die Preisentwicklung genau beobachten, denn ein länger anhaltender Ölpreisschock könnte die fragile Konjunkturerholung gefährden. Zugleich wird in Berlin, Wien und Bern erneut die Debatte über eine beschleunigte Diversifizierung der Energiebezüge und einen schnelleren Ausbau erneuerbarer Quellen lauter.
Blickt man nach vorn, hängt die weitere Preisentwicklung maßgeblich vom Ausgang der amerikanisch-iranischen Gespräche ab. Scheitern die Verhandlungen, droht eine dauerhafte Blockade mit Preisen deutlich über 110 Dollar. Kommt es hingegen zu einer Einigung, könnte der Ölpreis rasch wieder unter die 100-Dollar-Marke fallen. Die Märkte werden in den kommenden Tagen auf jedes Signal aus Washington und Teheran reagieren – die Volatilität bleibt hoch.
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