
OnlyFans im Wandel: Hollywoods vergessene Stars und ein milliardenschwerer Eigentümerwechsel
Jaime Pressly startet einen OnlyFans-Account – ein Symptom für den Abstieg der einstigen Fernseh-Mittelklasse. Zugleich übernimmt die Witwe des Gründers die Kontrolle.
Jaime Pressly, einst gefeiert als Emmy-prämierte Serienmutter in „My Name Is Earl“, ist die jüngste Schauspielerin, die sich OnlyFans zuwendet. Im Gespräch mit Variety erklärte die 48-Jährige, sie wolle „mit der Zeit gehen“ und auf eigenen Bedingungen mit ihrem Publikum verbinden. Ihr Schritt ist jedoch mehr als eine persönliche Entscheidung. Aus Hollywood verlautet, dass eine ganze Generation ehemaliger Stars der Kabel-Ära – von Shannon Elizabeth bis Drea de Matteo – auf die Plattform umsattelt, weil traditionelle Rollenangebote versiegen und die Residualeinnahmen der Streaming-Ära nicht mehr zum Leben reichen. Was als Nischenphänomen begann, wird zum stillen Ruhestandsplan des Showgeschäfts.
Die wirtschaftliche Verschiebung geht einher mit einer machtpolitischen. Nur Wochen nach dem Tod des ukrainisch-amerikanischen Gründers und Mehrheitseigners Leonid Radvinsky an Krebs übernimmt dessen Witwe Yekaterina Chudnovsky die Kontrolle über die Muttergesellschaft Fenix International. Forbes zufolge hält sie nun 75 Prozent der Anteile und kann den Vorstand bestimmen. Gleichzeitig verkaufte das Unternehmen erstmals eine Minderheitsbeteiligung: Der Investor Architect Capital aus San Francisco erwarb für 535 Millionen US-Dollar rund 16 Prozent und bewertet die gesamte Firma damit auf 3,15 Milliarden. Beobachter in London deuten diesen Schritt als Hinweis auf eine Professionalisierung des Geschäftsmodells, während aus Washingtoner Sicht die regulatorischen Risiken eines unkontrollierten Erwachseneninhalte-Marktes wachsen.
Für den deutschsprachigen Raum stellt sich die Frage nach der kulturellen und rechtlichen Tragfähigkeit eines solchen Modells. Während in der Schweiz und Österreich die Debatte um Leistungsschutzrechte und Plattformverantwortung an Fahrt gewinnt, beobachtet man in Berlin genau, wie sich die einstige Nischenplattform zu einem systemrelevanten Wirtschaftsfaktor entwickelt. Die neue Führung um Chudnovsky kündigt an, Finanzdienstleistungen für Kreative ausbauen zu wollen – ein Geschäftsfeld, das auch europäische Aufsichtsbehörden auf den Plan rufen dürfte. Der Trend zeigt: OnlyFans ist nicht mehr nur ein digitales Schlafzimmer, sondern eine börsenreife Holding mit Machtkämpfen, die an das alte Hollywood erinnern.
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