
Oscars schließen KI-generierte Schauspieler und Drehbücher von der Preisvergabe aus
Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences hat die Regeln für die 99. Oscar-Verleihung grundlegend überarbeitet und dabei erstmals explizit den Einsatz künstlicher Intelligenz in den zentralen Kategorien eingeschränkt. Wie die Akademie am Freitag mitteilte, sind künftig nur noch Rollen für den Schauspielpreis zugelassen, die „nachweislich von Menschen mit deren Einwilligung“ dargestellt wurden. Drehbücher müssen zwingend von Menschen verfasst sein. Der Schritt erfolgt nur Tage, nachdem eine per KI erzeugte Version des verstorbenen Schauspielers Val Kilmer einem Fachpublikum präsentiert worden war – ein Fall, der nun explizit nicht mehr preiswürdig wäre.
Aus Hollywooder Sicht reagiert die Akademie auf den rasanten technologischen Wandel, der die Branche in ihren Grundfesten erschüttert. Die neuen Regeln kodifizieren, was in den großen Studios bereits kontrovers diskutiert wird: die Grenze zwischen menschlicher Kunst und maschineller Nachahmung. Während Filmemacher in Frankreich und Italien die Maßnahmen als längst überfälligen Schutz der Kreativarbeit begrüßen, weisen Beobachter in Moskau darauf hin, dass die Vorschriften vor allem die Dominanz der US-Studios zementieren könnten, da kleinere Produktionen aus Schwellenländern oft stärker auf kostensparende KI-Tools angewiesen seien. In der arabischen Welt, wo die Filmindustrie noch um internationale Anerkennung ringt, wird die Entscheidung als Signal gedeutet, dass die höchste Auszeichnung des Kinos an Authentizität und menschliche Leistung gebunden bleiben solle.
Für den deutschsprachigen Raum, insbesondere die Filmförderung in Deutschland, Österreich und der Schweiz, dürften die neuen Regeln als Richtschnur dienen. Hiesige Produktionsfirmen, die in den vergangenen Jahren vermehrt KI-gestützte Nachbearbeitung oder digitale Stimmenklone einsetzten, sehen sich nun mit der Frage konfrontiert, ob solche Techniken künftig die Oscar-Chancen eines Films schmälern. Die Akademie betonte jedoch, dass sie bereits früher technische Neuerungen wie Ton, Farbe oder CGI in ihre Standards integriert habe. Die jetzigen Regeln seien kein Dogma, sondern eine flexible Anpassung an eine sich wandelnde Landschaft.
Die Entscheidung fällt in eine Phase, in der die Academy auch die Regeln für den besten internationalen Film lockert – künftig können mehrere Filme eines Landes eingereicht werden, wie etwa das italienische Drama „Anatomia di una caduta“ exemplarisch zeigte. Dies deutet auf ein Bemühen um mehr Inklusion bei gleichzeitiger Verteidigung des Handwerks hin. Langfristig wird sich weisen müssen, ob die humanzentrierte Definition von Autorschaft und Performance Bestand hat oder ob die Definition des Menschen im digitalen Zeitalter selbst neu verhandelt werden muss. Die diesjährigen Neuerungen sind jedenfalls erst der Auftakt einer Debatte, die Hollywood und die Weltkinematografie noch lange begleiten wird.
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