
Papst Leone XIV. verurteilt Kriege mit erschütternden Bildern – und trotzt Trump
Auf dem Rückflug von seiner elftägigen Afrikareise hat Papst Leone XIV. die Welt mit einer persönlichen, fast herzzerreißenden Botschaft überrascht. Er trage das Foto eines libanesischen Jungen bei sich, der ihm im Dezember noch ein Willkommensschild entgegengehalten habe und nun unter den Bomben umgekommen sei, vertraute der Pontifex den Journalisten an. Zuvor hatte er bereits die getöteten iranischen Schulkinder am ersten Tag des israelisch-amerikanischen Krieges beklagt. „Ich kann die Kriege nicht akzeptieren“, sagte er mit einer Entschiedenheit, die seinen bisher als zurückhaltend geltenden Stil Lügen straft.
Aus afrikanischer Perspektive war die Reise ohnehin von ungewöhnlicher Schärfe geprägt: In Algerien, Kamerun, Angola und Äquatorialguinea geißelte der Papst die „Tyrannen“ und die „Korruption“ der Staatsführer ins Gesicht – allesamt Männer mit einem Durchschnittsalter von 82 Jahren, die sich oft auf Lebenszeit im Amt halten. Was in Rom als pastorale Reise angelegt war, wurde so zu einem politischen Manifest gegen Autokratie. Für Beobachter in Washington war dies eine klare Botschaft auch an US-Präsident Donald Trump, der Leone XIV. wegen dessen Friedensappellen zuvor heftig attackiert hatte. Der Papst ließ sich nicht beirren: „Ich habe keine Angst vor der Trump-Administration“, sagte er, vermied aber eine direkte Eskalation.
In Deutschland und Österreich stieß ein anderer Aspekt der päpstlichen Wortmeldung auf besonderes Interesse. Kardinal Reinhard Marx hatte in München angekündigt, in seiner Diözese künftig Segnungen für homosexuelle Paare zuzulassen – ein Schritt, der in Rom zwiespältig aufgenommen wird. Leone XIV. knüpfte hier nicht nach, sondern betonte die pastoralen Dimensionen seines Amtes, was aus Berliner Sicht als vorsichtige Öffnung interpretiert wird. Zugleich wies er jede Forderung zurück, die Migranten „wie Tiere“ zu behandeln – ein Satz, der in der Schweiz und in Österreich, wo die Asyldebatte neu entbrannt ist, genau gehört wurde.
Der große Bogen dieser Reise spannte sich von der Kritik an unfreien Regimen über die humanitäre Katastrophe im Nahen Osten bis zu innerkirchlichen Spannungen. Für kommende Monate zeichnet sich ab, dass Leone XIV. sein Pontifikat nicht als bloße Fortsetzung des Franziskus-Kurses versteht, sondern als eigenständiges Programm: diplomatisch in der Form, kämpferisch in der Sache. Die gleichzeitige Konfrontation mit Trump und den afrikanischen Langzeitherrschern, verbunden mit einer persönlichen Anteilnahme für die Opfer von Hormuz, könnte das Profil eines Papstes schärfen, der den Frieden nicht nur predigt, sondern mit eigenen Bildern unterlegt.
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