
Pjöngjang weiht Gefallenendenkmal ein und beschwört Moskaus „heiligen Krieg“
In Pjöngjang haben Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un und Russlands Verteidigungsminister Andrej Beloussow ein Ehrenmal für nordkoreanische Soldaten enthüllt, die im Kampf gegen ukrainische Truppen gefallen sind. Kim bekräftigte dabei die unverbrüchliche Unterstützung für Russlands „heiligen Krieg“ und sicherte Moskau den Sieg zu. Nie zuvor wurde die militärische Schicksalsgemeinschaft beider Staaten derart demonstrativ inszeniert – mit Düsenjets am Himmel, weißen Ballons und dem Schwur, die Souveränität und territoriale Integrität des Partners zu verteidigen. Es ist eine Inszenierung, die weit über das Protokollarische hinausgeht und die strategischen Koordinaten des Krieges verschiebt.
Nach Erkenntnissen südkoreanischer Geheimdienste hat Pjöngjang mindestens fünfzehntausend Soldaten in das russische Grenzgebiet Kursk entsandt, wo Kiew seit dem vergangenen Sommer eine Gegenoffensive führt. Schätzungen aus Seoul zufolge sind dabei rund zweitausend Nordkoreaner ums Leben gekommen – eine Zahl, die weder von Russland noch von Nordkorea offiziell bestätigt wird. Die nun geweihte Gedenkstätte ist der sichtbare Versuch, diese Verluste als heldenhaften Beitrag zu einem größeren, antiwestlichen Freiheitskampf umzudeuten. Aus Moskauer Sicht ist das mehr als nur Symbolik: Der Sprecher der Staatsduma, Wjatscheslaw Wolodin, dankte Kim ausdrücklich für die „Befreiung von Kursk“ und adelte den Einsatz der fremden Truppen als Akt der brüderlichen Solidarität.
Hinter den offiziellen Floskeln verbirgt sich ein handfestes Tauschgeschäft. Analysten in Washington und europäischen Hauptstädten sehen darin eine doppelte Umgehung internationaler Sanktionen: Während Nordkorea dringend benötigte Finanzmittel, Nahrungsmittel, Energie und vor allem militärische Schlüsseltechnologie aus Russland erhält, bezieht Moskau Artilleriemunition, Raketen und nun auch menschliche Verstärkung aus dem isolierten Atomwaffenstaat. Für die koreanische Halbinsel bedeutet dieser Schulterschluss eine gefährliche Aufrüstungsdynamik; für Europa erhöht er den Druck auf die ohnehin strapazierten Unterstützungslinien der Ukraine.
Aus Kiewer Sicht fällt das sichtbare Zusammenrücken von Pjöngjang und Moskau in eine symbolpolitisch aufgeladene Zeit. Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Russland anlässlich des vierzigsten Jahrestags der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl „nuklearen Terrorismus“ vor und warnte, die andauernde Invasion könne leicht in ein neues Desaster münden. Die Verknüpfung des Gefallenengedenkens mit Kims aggressiver Rhetorik zeigt, wie sehr sich die Achse der Sanktionierten auch nuklearstrategisch versteht – mit allen Risiken für das globale Nichtverbreitungsregime, das in Berlin, Wien und Bern mit zunehmender Sorge beobachtet wird.
Währenddessen lassen Äußerungen aus Washington auf neue Bewegung in der Diplomatie hoffen. Donald Trump sprach von „guten Gesprächen“ mit Wladimir Putin und Wolodymyr Selenskyj. Sollte sich eine Verhandlungslösung abzeichnen, dann dürfte die militärische Verflechtung Nordkoreas mit Russland ein zentrales Thema werden. Denn Pjöngjang säße dann als blutig engagierter Akteur mit am Tisch – ein Umstand, der die künftige Friedensordnung von der ukrainischen Steppe bis zum Japanischen Meer beeinflussen würde.
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