
Prinz Harrys überraschender Kiew-Besuch: Appelle an Putin und Trump
Prinz Harry ist am Donnerstag überraschend in Kiew eingetroffen und hat mit einer seltenen politischen Intervention den russischen Präsidenten Wladimir Putin direkt zum Stopp des Krieges aufgefordert. Bei einem Auftritt auf dem Kiewer Sicherheitsforum, das der Krisendiplomatie neuen Auftrieb geben soll, appellierte Harry nicht nur an Moskau, sondern auch an die amerikanische Führung, ihre internationalen Bündnisverpflichtungen zu erfüllen. Der Herzog von Sussex, der sich selbst als Soldaten bezeichnete, der Dienst verstehe, vermied eine namentliche Nennung Donald Trumps, doch seine Mahnung an Washington, seine Rolle in der globalen Sicherheit nicht aufzugeben, war unüberhörbar.
Aus Kiewer Sicht kommt der Besuch in einer Phase militärischer und finanzieller Weichenstellungen. Die Ukraine habe nach wochenlangem Ringen um europäische Hilfen eine Zusage über 147 Milliarden Dollar erhalten, um den Vormarsch russischer Truppen zu stoppen, wie ranghohe Berater bestätigten. Präsidentenberater Kyrylo Budanow bekräftigte, dass die Ukraine keinen „einzigen Millimeter“ ihres Territoriums preisgeben werde. Die russische Militärführung unter Generalstabschef Waleri Gerassimow behauptete zwar, in diesem Jahr bereits 1700 Quadratkilometer erobert zu haben, doch unabhängige Beobachter wiesen diese Zahl als übertrieben zurück und verwiesen auf schwere russische Verluste durch ukrainische Gegenangriffe.
Aus Washingtoner Perspektive hingegen reagierte Donald Trump ungewohnt scharf auf Harrys Vorstoß. Der ehemalige Präsident, der erneut für das Amt kandidiert, ließ erklären, der Prinz spreche nicht für das Vereinigte Königreich. Die Zurückweisung fällt in eine Zeit, in der die amerikanische Vermittlerrolle im Ukraine-Konflikt durch andere regionale Krisen in den Hintergrund geraten ist – eine Lücke, die Harry in seiner Rede ausdrücklich benannte.
Unterdessen demonstriert die Ukraine weiter militärische Schlagkraft. Die Drohnenstreitkräfte des Landes meldeten einen gezielten Angriff auf einen Kommandoposten des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB im besetzten Donezk. Dabei seien zwölf FSB-Offiziere getötet und fünfzehn weitere verletzt worden. Der getroffene Stützpunkt sei für Sabotageakte und die Koordinierung von Angriffen verantwortlich gewesen, hieß es aus Kiew. Der Einsatz von FP-2-Drohnen ukrainischer Produktion unterstreicht, wie sehr die Verteidiger auf heimische Technologie setzen, während die internationale Unterstützung immer wieder neu ausgehandelt werden muss.
Für Beobachter in Berlin, Wien und Bern ist der Auftritt Harrys ein weiteres Indiz dafür, dass die europäische Sicherheitsarchitektur unter Druck gerät. Während die Ukraine den Osten des Kontinents mit „Mut und Erfolg“ verteidige – wie Harry es formulierte –, drohen die politischen Fronten in Washington, Moskau und Brüssel zu erstarren. Die Reise des Prinzen, der bereits mehrfach seit 2022 das Land besucht hat, mag symbolischer Natur sein, doch sie fällt in ein strategisches Vakuum. Ob Europa nach der US-Wahl und angesichts zunehmender eigener Rüstungsanstrengungen eine aktivere Rolle übernehmen kann, bleibt die entscheidende Frage für die kommenden Monate.
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