
Putin rehabilitiert Tscheka-Gründer: FSB-Akademie erhält Namen Dserschinskis zurück
In einer symbolträchtigen Geste hat der russische Präsident Wladimir Putin der Akademie des Inlandsgeheimdienstes FSB den Namen von Felix Dserschinski zurückgegeben. Der Gründer der berüchtigten Tscheka, der sowjetischen Vorläuferorganisation des KGB, gilt als Architekt des Roten Terrors. Mit dem Dekret, das am 22. April in Kraft trat, würdigt der Kreml ausdrücklich den „herausragenden Beitrag“ Dserschinskis zur Staatssicherheit. Aus Moskauer Sicht ist dies eine klare ideologische Rückbesinnung auf die sowjetischen Wurzeln der Sicherheitsorgane und eine Rehabilitation einer umstrittenen historischen Figur, deren Denkmal 1991 vom Lubjanka-Platz entfernt worden war.
Die Umbenennung markiert einen weiteren Schritt in der systematischen Revision der postsowjetischen Geschichtsdeutung unter Putin. Die Akademie hatte den Namen bereits von 1962 bis 1993 getragen, ehe er in der Phase der Entsowjetisierung gestrichen wurde. Beobachter in Washington und europäischen Hauptstädten werten den Schritt als bewusste Identifikation mit den repressiven Traditionen der Geheimdienste und als Signal nach innen, das auf eine weitere Verhärtung des Sicherheitsapparates hindeutet. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz, die die Opfer der sowjetischen Geheimpolizei auch unter ihren eigenen Bürgern betrauern, ist diese Glorifizierung ein Affront und unterstreicht die unüberbrückbaren weltanschaulichen Gräben zum heutigen Russland.
Parallel zu dieser historischen Aufwertung mehren sich die Warnungen vor einer weiteren Eskalation im Ukraine-Krieg. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte erneut davor, dass Belarus in den Konflikt hineingezogen werden könnte. Aus Kiewer Perspektive deuten Aktivitäten russischer Truppen nahe der belarussisch-ukrainischen Grenze auf mögliche Vorbereitungen für eine neue Offensive hin, auch wenn ein direkter Einmarsch belarussischer Verbände derzeit als unwahrscheinlich gilt. Diese militärische Drohkulisse im Norden Ukraines verknüpft sich mit der ideologischen Aufrüstung im Inneren Russlands zu einem bedrohlichen Gesamtbild.
Die Rückkehr zu „Eisernem Felix“ ist somit mehr als eine historische Fußnote. Sie festigt eine Staatsdoktrin, in der Sicherheit vor Freiheit geht und die unerbittliche Hand des Staates verherrlicht wird. Für Europa bedeutet dies, dass eine Rückkehr zu normalen Beziehungen mit einem Russland unter Putin auf absehbare Zeit illusorisch bleibt. Die strategische Analyse muss von einem dauerhaft konfrontativen Akteur ausgehen, der sein politisches Selbstverständnis zunehmend aus den dunkelsten Kapiteln seiner Geschichte bezieht und dessen Handeln auch die Sicherheitsarchitektur Deutschlands und seiner Nachbarn weiterhin fundamental herausfordern wird.
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