
Rubios Mission nach Rom: Diesseits des Atlantiks soll ein neuer Ton gefunden werden
Wenige Wochen, nachdem Donald Trump Papst Leo XIV. öffentlich als „schwach und ahnungslos“ beschimpfte und der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni mangelnde Unterstützung im Konflikt mit dem Iran vorwarf, entsendet Washington seinen obersten Diplomaten. Marco Rubio, der katholische Außenminister der Vereinigten Staaten, reist nach Rom – ein Versuch, das zerrüttete Verhältnis zur katholischen Kirche und zu einem der wichtigsten europäischen Partner notdürftig zu reparieren. Aus Washingtoner Sicht ist die Geste notwendig, um das Bündnis nicht weiter zu beschädigen, nachdem das Pentagon bereits den Abzug von fünftausend Soldaten aus Deutschland ankündigte und die Zollkonflikte mit der EU eskalieren.
Dass Rubio am Donnerstag, dem 7. Mai, von Papst Leo XIV. empfangen wird, ist ein deutliches Signal: Der Heilige Stuhl, der sich in den vergangenen Wochen zum schärfsten Kritiker der amerikanisch-israelischen Iran-Politik aufgeschwungen hatte, zeigt sich gesprächsbereit. Zuvor hatte Rubio bereits an der Amtseinführung des neuen Papstes teilgenommen; nun aber geht es um substanzielle Gespräche – laut vatikanischen Quellen vor allem mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, dem Chefdiplomaten der Kurie.
Beobachter in Rom werten die Reise als doppelte Schadensbegrenzung: Neben der Audienz beim Papst sind Treffen mit Außenminister Antonio Tajani und Verteidigungsminister Guido Crosetto fest eingeplant. Ein Gespräch mit Ministerpräsidentin Meloni gilt als wahrscheinlich, ist aber noch nicht offiziell bestätigt. Tajani und Crosetto gelten in der Regierung als transatlantisch orientierte Stimmen, die an einer raschen Entspannung interessiert sind.
Offiziell dementiert Rom jegliche Pläne eines Truppenabzugs aus italienischen Stützpunkten, wie ihn die USA aus Deutschland vollziehen. Doch die Spannungen sind unübersehbar: Trump hatte Meloni öffentlich attackiert, weil sie sich dem Militärschlag gegen den Iran nicht anschloss. Die italienische Regierung pocht auf eine diplomatische Lösung – eine Position, die auch die deutsche und österreichische Außenpolitik teilt.
Aus der Perspektive der Schweiz, die als neutrale Schutzmacht im Iran mitunter vermittelt, böte sich hier eine Gelegenheit für eine gemeinsame europäische Stimme. Der Besuch Rubios fällt in eine Woche, in der zugleich der erste Jahrestag der Papstwahl ansteht. Die symbolische Aufladung ist hoch.
Die eigentliche Probe aber steht noch bevor: Kann der Außenminister mehr als nur das Gesicht wahren? In Rom hofft man, dass Rubio in Washington für eine Kurskorrektur wirbt – zumindest im Ton. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Eiszeit zwischen Trump und Europa nur unterbrochen oder wirklich überwunden ist.
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