
Russischer Angriff auf Drohnenfabrik in Kiew: Erstmals US-Rüstungsunternehmen getroffen
Ein ballistischer Raketenangriff auf eine Produktionsstätte in Kiew hat nach Angaben des Guardian erstmals ein Werk eines amerikanischen Rüstungsunternehmens auf ukrainischem Boden zerstört.
Die russischen Streitkräfte haben in der vergangenen Woche eine Produktionsanlage für Drohnen im Südwesten Kiews mit einer ballistischen Rakete angegriffen. Wie die britische Zeitung The Guardian unter Berufung auf eine unternehmensnahe Quelle berichtete, handelte es sich bei dem Werk um eine Einrichtung der amerikanischen Firma Terminal Autonomy, die im Bundesstaat Delaware registriert ist. Das russische Verteidigungsministerium hatte zuvor am 26. Juli von einem Angriff auf einen Betrieb berichtet, in dem „Spezialisten einer ukrainisch-amerikanischen Firma“ tätig gewesen seien, ohne den Eigentümer namentlich zu nennen. Nach Darstellung des Guardian ist dies der erste bekannte Fall seit Beginn des Konflikts, bei dem Moskau gezielt ein Unternehmen der amerikanischen Rüstungsindustrie in der Ukraine attackiert hat.
Terminal Autonomy produziert nach Angaben einer mit den Aktivitäten vertrauten Person präzisionsgelenkte Drohnen für „tiefe Schläge“, deren Leitsysteme gegen russische elektronische Störsignale resistent sind. Auf der Unternehmenswebsite heißt es, man stelle KI-gesteuerte Loitering Munitions und Präzisionsmunition her, die bereits an der Front gegen feindliche Ziele im Einsatz seien. Der Firmenname selbst bezeichnet die Endphase eines Kamikaze-Drohnenangriffs, in der die Künstliche Intelligenz die Steuerung übernimmt, sobald Funkwellen und Mobilfunkverbindungen gestört werden. Laut dem russischen Verteidigungsministerium wurden in dem Werk monatlich bis zu 1000 Drohnen verschiedener Typen gefertigt, darunter die Kampfdrohnen AQ-400 Scythe und AQ-100 Bayonet sowie die Aufklärungsdrohne RQ-100 Scout. Bei dem Angriff wurde nach Auskunft einer Quelle niemand getötet.
Aus Washingtoner Sicht bewertete der ehemalige hochrangige US-Geheimdienstmitarbeiter Anthony Vinci den Vorfall gegenüber dem Guardian als folgerichtige militärische Handlung. Für die russische Seite sei die Eigentümerfrage unerheblich, so Vinci: „Diese Anlage bleibt ein Ziel. Es ist ihnen egal, ob sie Amerikanern gehört oder jemand anderem.“ Er verwies zudem auf die jüngste Ankündigung von Präsident Donald Trump, der Ukraine eine Lizenz zur Produktion von Patriot-Flugabwehrraketen zu erteilen. Sollten solche Systeme in der Ukraine hergestellt werden, würden die Russen auch diese Produktionsstätten angreifen, fügte Vinci hinzu. Eine ähnliche Einschätzung äußerte Jennifer Kavanagh vom Forschungszentrum Defense Priorities, wonach eine Lizenzfertigung von Patriot-Raketen ein langfristiges Projekt sei, das den Verlauf des aktuellen Konflikts nicht beeinflussen werde.
Der Angriff erfolgt vor dem Hintergrund einer deutlichen Intensivierung ukrainischer Drohnenangriffe auf Ziele tief im russischen Hinterland, die in den vergangenen Monaten mehrfach Moskau und andere Regionen erreichten. Der russische Sonderbotschafter Rodion Miroschnik hatte daraufhin eine „spezielle Antwort“ angekündigt. Die Zerstörung des Werks von Terminal Autonomy markiert eine neue Eskalationsstufe, indem sie die direkte Konfrontation mit amerikanischen Rüstungsinteressen auf ukrainischem Territorium sichtbar macht. Über weitere Schritte oder Reaktionen der US-Regierung lagen zunächst keine Informationen vor.
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Russland hat erstmals ein amerikanisches Unternehmen getroffen, eine Tatsache von strategischer Bedeutung.
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