
Russland startet Militärsatelliten und korrigiert ISS-Orbit: Raumfahrt zwischen Kooperation und strategischem Wettbewerb
In den frühen Morgenstunden des 17. April startete Russland vom Kosmodrom Plessezk aus eine mittelschwere Trägerrakete des Typs Sojus-2.1b mit einer Ladung militärischer Satelliten. Aus Moskauer Sicht ein routinemäßiger Erfolg: Das Verteidigungsministerium meldete, die Raumfahrzeuge seien planmäßig auf der Zielbahn ausgesetzt, die Telemetrieverbindung sei stabil und alle Bordsysteme funktionierten im Sollmodus. Dieser Start unterstreicht die ungebrochene operative Fähigkeit der russischen Raumfahrtstreitkräfte, ungeachtet der internationalen Spannungen und wirtschaftlichen Sanktionen.
Parallel dazu vollzog die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos eine präzise Korrektur der Umlaufbahn der Internationalen Raumstation (ISS). Die Triebwerke des angedockten Versorgers Progress MS-32 wurden für gut fünf Minuten gezündet und hoben die Bahnhöhe um 440 Meter an. Dieser Manöver, der 392. seiner Art in der Geschichte der ISS, dient der Vorbereitung für die Ankunft des bemannten Raumschiffs Sojus MS-29 und die spätere Rückkehr der Sojus MS-28. Die reibungslose Durchführung demonstriert Russlands weiterhin zentrale Rolle im Betrieb des orbitalen Außenpostens, ein Bereich, in dem die technische Kooperation mit den westlichen Partnern, darunter auch die Europäische Weltraumorganisation (ESA), bislang aufrechterhalten wird.
Für Beobachter in Deutschland, Österreich und der Schweiz werfen diese parallelen Aktivitäten ein Schlaglicht auf die ambivalente Rolle Moskaus: einerseits unverzichtbarer Partner in der zivilen, friedlichen Nutzung des Weltraums, andererseits Akteur, der seine militärischen Fähigkeiten im Orbit systematisch ausbaut. Die Natur der von Plessezk aus gestarteten Satelliten wurde nicht spezifiziert, was in europäischen Hauptstädten die Aufmerksamkeit der Sicherheitskreise erhöht. In einer Zeit, in der auch die Bundesrepublik ihre Weltraumkompetenzen im sicherheitspolitischen Kontext stärken will, werden derartige Starts als Teil einer breiteren strategischen Rivalie im All wahrgenommen.
Die vorausschauende Analyse muss diese Dualität anerkennen. Die zuverlässige ISS-Korrektur sichert auch die Investitionen und die Sicherheit europäischer Astronauten. Der militärische Satellitenstart hingegen unterstreicht die Notwendigkeit für Europa, seine eigene strategische und operative Autonomie im Weltraum zu vertiefen. Die deutsche Raumfahrtpolitik steht damit vor der komplexen Aufgabe, die notwendige Kooperation mit Roskosmos auf ziviler Ebene zu managen, während sie gleichzeitig die Fähigkeiten zur eigenen Lageerfassung und Absicherung im All ausbauen muss – eine Herausforderung, die in Bern, Wien und Berlin gleichermaßen auf der Agenda steht.
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