
Riad kündigt Marinekoalition an und bereitet laut Quellen Offensive gegen Huthi vor
Saudi-Arabien hat mit 13 weiteren Staaten ein Verteidigungsbündnis für das Rote Meer geschlossen, während jemenitische Quellen von Vorbereitungen für einen möglichen Land- und Seeangriff auf die Huthi berichten.
Das saudische Verteidigungsministerium gab am Donnerstag die Bildung einer multinationalen maritimen Verteidigungskoalition bekannt, der sich 14 Länder – darunter Ägypten, die Türkei, Pakistan und Dschibuti – angeschlossen haben. Ziel des Bündnisses sei es, die Freiheit der Schifffahrt sowie internationale Handels- und Energieversorgungsrouten im Bab al-Mandab, im Roten Meer und im Golf von Aden zu schützen. Saudi-Arabien fungiere als Gründungs- und Führungsstaat und werde das ständige Hauptquartier beherbergen. An der vorausgegangenen Konferenz in Riad nahmen nach saudischen Angaben Vertreter von 43 Staaten sowie eine Delegation der Europäischen Union teil; die Vereinigten Arabischen Emirate und der Oman zählten nicht zu den Unterzeichnern.
Parallel dazu verdichten sich Hinweise auf eine Ausweitung der militärischen Reaktion Riads. Jemenitische Quellen berichteten dem Guardian, saudische Truppen zögen sich aus dem Osten Jemens zurück und konzentrierten sich für eine mögliche Offensive auf die zentraljemenitische Provinz al-Bayda, die die Huthi in den Jahren 2020 und 2021 unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Das Blatt wertet dies als Vorbereitung eines grossangelegten Angriffs, der sowohl von See als auch über Land geführt werden könnte. Das saudische Verteidigungsministerium hatte zuvor bereits Luftschläge gegen Huthi-Stellungen in Hodeidah geflogen und gemeinsam mit den USA Ziele im Irak attackiert, von denen aus mit dem Iran verbündete Milizen saudische Ölanlagen beschossen haben sollen.
Die vom Iran unterstützte Huthi-Bewegung, die weite Teile der jemenitischen Küste am Roten Meer kontrolliert, hatte am 20. Juli eine Seeblockade gegen saudische Schiffe verhängt und seither mehrere Tanker sowie Ölinfrastruktur in Dschisan und Yanbu angegriffen. Ihr Anführer Abdul-Malik al-Huthi drohte in einer Fernsehansprache mit „vollständiger Eskalation“. Die Gruppe erklärte, die Blockade werde aufgehoben, sobald Saudi-Arabien seine eigene Blockade gegen den Jemen beende; zugleich bestritt sie, von allen Schiffen Durchfahrtsgebühren erheben zu wollen. Das von den Huthi kontrollierte Aussenministerium in Sanaa warnte, jede ausländische Militärpräsenz im Roten Meer könne die Stabilität gefährden.
Für Saudi-Arabien hat die Sicherheit der südlichen Seewege strategisch erheblich an Bedeutung gewonnen. Da die Strasse von Hormus infolge des amerikanisch-iranischen Konflikts faktisch blockiert ist, wird nach Angaben aus Riad inzwischen mehr als die Hälfte des saudischen Rohöls über Pipelines zum Terminal Yanbu am Roten Meer geleitet und von dort exportiert. Die Nachrichtenagentur Bloomberg meldete, sechs saudische Tanker hätten angesichts der Bedrohung ihren Kurs geändert. Analysten des Economist sehen in der Huthi-Kampagne eine doppelte Wirkung: Sie drossele saudische Ölexporte und erhöhe zugleich den Druck auf die globalen Märkte, was dem Iran in seinem Krieg mit den USA nutze.
Saudische Regierungsvertreter betonten nach dem Treffen von Verteidigungsminister Prinz Khalid bin Salman mit US-Präsident Donald Trump, man wolle zwar die Verteidigungsfähigkeit demonstrieren, strebe aber keine Eskalation mit dem Iran an und halte eine diplomatische Lösung für möglich. Die neue Koalition, die laut Kommuniqué rein defensiv ausgerichtet ist und sich gegen keinen Staat richtet, lässt den operativen Beitrag der einzelnen Mitglieder noch offen. Die EU setzt ihre bereits bestehende Marinemission „Aspides“ fort. Über den Zeitpunkt einer möglichen Bodenoffensive oder weitere Schritte der Koalition wurde zunächst nichts bekannt.
| Russische & GUS-Presse | −0.40 | critical |
|---|---|---|
| Atlantische / angloamerikanische Presse | +0.10 | neutral |
| Lateinamerikanische Presse | 0.00 | neutral |
Russland projiziert die saudische Koalition als einen Akt der Aggression, warnt vor Eskalation und stellt sich implizit auf die Seite der Huthi.
Es nutzt die Technik der symmetrischen Eskalation, indem es die Huthi-Reaktion als unvermeidlich und legitim darstellt und den defensiven Charakter der Koalition herunterspielt.
Es erwähnt nicht die Unterstützung von über 40 Ländern und den erklärten defensiven Charakter der Koalition.
Der Westen legitimiert die saudische Koalition als defensiv und stellt sich mit Riad gegen die iranische Bedrohung.
Universalisierung: Es stellt saudische Interessen als globale Interessen dar (Navigationsfreiheit, Energiesicherheit), was die Koalition moralisch notwendig macht.
Es lässt Kritik am saudischen Krieg im Jemen und den Kontext der von der saudisch geführten Koalition verhängten Blockade aus.
Lateinamerika beobachtet aus der Ferne und beschreibt die Koalition als defensiven Schritt, ohne Partei zu ergreifen.
Analytische Distanz: beschränkt sich auf die Wiedergabe von Fakten und offiziellen Aussagen, vermeidet Werturteile.
Es erwähnt nicht die möglichen humanitären Folgen des Konflikts oder die Kritik an der saudischen Politik.
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