
Schülerproteste in Iran, Überbehütung in Marokko: Bildungssysteme im Belastungstest
Proteste gegen die definitive Notengewichtung bei der Uni-Zulassung in Iran und das Warten von Müttern vor Prüfungszentren in Marokko verdeutlichen den wachsenden Druck auf junge Menschen in der Region.
In mehreren iranischen Städten, darunter Teheran, Maschhad, Isfahan und Schiras, versammelten sich am vergangenen Samstag zahlreiche Schüler und Schülerinnen, um gegen die endgültige Gewichtung der Abiturnoten bei der Hochschulzulassung zu demonstrieren. Unter den Rufen „Gerechtigkeit haben wir nie gesehen, nur viele Versprechen gehört“ und „Fürchtet euch nicht, wir halten zusammen“ kritisierten sie, dass die definitive Berücksichtigung der Noten aus dem elften Schuljahr den Konkurrenzkampf um die begehrten Studienplätze ungleich mache und den psychologischen Druck massiv erhöhe. Augenzeugen berichteten von Sicherheitskräften, die in einigen Städten die Versammlungen umstellten, während die Proteste weitgehend friedlich verliefen.
Die jugendliche Unzufriedenheit entlädt sich vor einem demografischen Hintergrund, der die Bedeutung jedes einzelnen Bildungsabschlusses zusätzlich steigert. Nach Angaben der iranischen Statistikbehörde hat sich die jährliche Geburtenrate von einst über zwei Millionen auf rund 892.000 Neugeborene mehr als halbiert, das natürliche Bevölkerungswachstum sank erstmals unter 500.000. Trotz staatlicher Förderprogramme wie Ehe- und Geburtsdarlehen, Baulandvergaben und erheblichen Budgetmitteln für das „Gesetz zur Verjüngung der Bevölkerung“ setzt sich der Trend fort. In Familien mit weniger Kindern werden die Erwartungen an den schulischen und beruflichen Erfolg des Nachwuchses unweigerlich größer – und die Enttäuschung über ein als unfair empfundenes Auswahlsystem umso schärfer.
Rund 5.000 Kilometer westlich, in Marokko, beobachtet man eine andere Manifestation des Bildungsdrucks. Vor den Toren der Baccalauréat-Prüfungszentren harren Mütter stundenlang in der Sonne aus, um ihren Kindern emotionale Unterstützung zu signalisieren. Was als Ausdruck familiärer Zuwendung gedacht ist, schlägt nach Ansicht von Pädagogen in eine zusätzliche psychische Belastung um. Der Bildungsexperte Jamal Shafiq warnte in der Zeitung Hespress, diese „negative Erscheinung“ greife im ganzen Land um sich und übertrage die elterliche Unruhe durch die Schultore hindurch direkt auf die Prüflinge, deren Konzentration so unterminiert werde.
Die Szenen aus Teheran und Rabat illustrieren ein gemeinsames Muster: Bildung gilt in beiden Gesellschaften als nahezu einziger sozialer Aufstiegskanal, was die Austragung von familiären und kollektiven Ängsten auf dem Rücken der Jugend begünstigt. Während in Iran die Straße zum Ort des politischen Protests wird, verlagert sich der Druck in Marokko in die zwar private, aber öffentlich sichtbare Geste der wartenden Mütter. Die psychische Belastung der Heranwachsenden ist in beiden Fällen erheblich und wird durch demografische Umbrüche noch intensiviert.
Die langfristigen Folgen sind schwer abzusehen. In Iran könnte der anhaltende Protest der jungen Generation zu einer Rücknahme der strikten Zulassungsregeln führen, doch die schrumpfende Bevölkerung stellt das gesamte Bildungs- und Rentensystem vor grundlegende Probleme. In Marokko mahnen Experten Sensibilisierungskampagnen an, um die Eltern von der kontraproduktiven Prüfungsbegleitung abzubringen. Unabhängig vom Ausgang zeigt sich: Der Druck auf die Jüngsten, die Zukunft der Gesellschaft zu sichern, hat in der gesamten Region ein kritisches Niveau erreicht.
| Atlantische / angloamerikanische Presse | −0.40 | critical |
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| Iranische & verwandte Presse | +0.30 | aligned |
Hunderte von Schülern in mehreren iranischen Städten protestierten gegen die definitive Gewichtung von Notendurchschnitten bei der Universitätszulassung. Sie argumentierten, die Regelung gefährde fairen Wettbewerb und riefen Parolen wie 'Keine Gerechtigkeit gesehen, viele Versprechen gehört'.
In mehreren iranischen Städten demonstrierten Schülergruppen gegen die geänderten Prüfungsbestimmungen und verwiesen auf kriegsbedingte Unsicherheit und Zeitmangel. Inoffizielle Berichte deuten auf Sicherheitskräfte vor den Versammlungen in Mashhad hin, was die Spannungen verschärft.
Ein Abgeordneter des Bildungsausschusses erklärte, der Oberste Rat der Kulturrevolution überprüfe die Regelung zur definitiven Notengewichtung bei der Hochschulzulassung wohlwollend; eine Entscheidung werde in Kürze bekannt gegeben. In mehreren Provinzen forderten Schüler die Aufhebung dieser Gewichtung und die digitale Abwicklung der Abschlussprüfungen.
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