
Taiwans Präsident trotzt chinesischer Blockade mit Besuch in letztem afrikanischen Bündnispartner
Der taiwanische Präsident Lai Ching-te ist am Samstag überraschend im südafrikanischen Königreich Eswatini eingetroffen, dem einzigen verbliebenen diplomatischen Partner Taipeis auf dem Kontinent. Die Reise galt als politisches Signal, nachdem die ursprünglich für Ende April geplante Visite in letzter Minute hatte verschoben werden müssen – weil die Seychellen, Mauritius und Madagaskar unter dem Druck Pekings ihre Überfluggenehmigungen zurückgezogen hatten. Lai sprach von einer „sorgfältigen Neuplanung“ durch seine Sicherheits- und Außenpolitikexperten und ließ offen, auf welcher Route er das Land erreichte. In einer Botschaft an seine Landsleute bekräftigte er, Taiwan lasse sich durch „äußeren Druck nicht einschüchtern“.
Aus Pekinger Sicht handelt es sich bei dem Besuch um eine politische Farce. Das chinesische Außenministerium bezeichnete Lais Anreise als „heimlichen Ausflug in einem fremden Flugzeug“ und warf ihm vor, die Bevölkerung im Stich zu lassen, während kurz zuvor ein Erdbeben die Insel erschüttert habe. Die Nachrichtenagentur Xinhua sprach von einer „stowaway-artigen Flucht“ und einer internationalen Lächerlichkeit. Peking sieht Taiwan als untrennbaren Teil seines Hoheitsgebiets und lehnt jede Form von Staat-zu-Staat-Beziehungen ab. Die Revokation der Überflugrechte ist Teil einer seit Jahren systematisch ausgebauten Strategie, Taiwans internationalen Handlungsspielraum zu begrenzen.
Aus taiwanischer Perspektive unterstreicht der Besuch dagegen den Willen, die diplomatischen Beziehungen trotz zunehmender Isolation aufrechtzuerhalten. Eswatini, einer der letzten absoluten Monarchien Afrikas, empfing Lai mit militärischen Ehren. Der Präsident kündigte eine vertiefte Zusammenarbeit in Wirtschaft, Landwirtschaft, Kultur und Bildung an. Die Visite fällt in eine Zeit, in der Taipeh nach dem Verlust weiterer Bündnispartner in Lateinamerika und Ozeanien immer mehr auf symbolische Gesten angewiesen ist. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz, die offiziell der Ein-China-Politik folgen, bedeutet dies ein heikles Gleichgewicht: Wirtschaftsbeziehungen mit dem chinesischen Festland stehen im Vordergrund, doch die demokratischen Werte und die engen Handelsverflechtungen mit Taiwan erfordern eine behutsame, oft widersprüchliche Balance.
Die Reaktionen in Washington und Brüssel fallen verhalten aus. Beobachter in US-amerikanischen Sicherheitskreisen sehen in Lais erfolgreicher Ankunft einen taktischen Erfolg für Taipeh, der jedoch die grundsätzliche Verwundbarkeit nicht kaschiere. Aus europäischer Perspektive wird die Frage immer drängender, wie weit man Pekings Forderungen nach diplomatischer Isolation Taiwans nachgeben will, ohne die eigenen Interessen zu beschädigen. Die kommenden Monate dürften zeigen, ob China seine Strategie der Überflug- und Reiseverweigerungen ausweitet – und ob Taiwans Verbündete bereit sind, solidarische Alternativen zu bieten, bevor das Insel die letzte diplomatische Brücke nach Übersee verliert.
Erweitere deinen Horizont
Washington entzieht brasilianischer Botschafterin das Visum
3 Sprachen · 43 Quellen
Aus Economy & MarketsSteigende Kreditvorsorgen belasten Bankbilanzen in Schwellenländern
2 Sprachen · 6 Quellen
Aus TechnologyWeißes Haus schließt offene KI-Modelle von Sicherheitstests aus
3 Sprachen · 11 Quellen