
Tesla rüstet auf, SpaceX an die Börse: Musks Milliardenstrategie unter der Lupe
Elon Musk treibt seine Vision von künstlicher Intelligenz und autonomen Systemen mit einer beispiellosen Investitionsoffensive voran. Der Elektroautohersteller Tesla hat seine Kapitalausgaben für das laufende Jahr auf über 25 Milliarden Dollar angehoben – mehr als das Dreifache des Vorjahreswerts. Aus der Perspektive von Finanzanalysten in New York ist dies ein riskanter Schritt: Der Barmittelbestand des Unternehmens wird damit zu mehr als der Hälfte aufgezehrt, während der operative Cashflow im ersten Quartal zwar positiv blieb, aber die Spanne schrumpft. Die Quartalszahlen selbst übertrafen die Erwartungen: Der Gewinn stieg um 17 Prozent auf 477 Millionen Dollar, der Umsatz um 16 Prozent auf 22,4 Milliarden Dollar. Dennoch bleibt die Börse skeptisch – die Tesla-Aktie hat seit Jahresbeginn elf Prozent verloren.
Hintergrund der gigantischen Investitionssumme ist ein Wettlauf um die nächste Stufe des autonomen Fahrens. Musk stellte auf einer Investorenkonferenz die neue Hardwaregeneration AI4 Plus vor – mit 64 Gigabyte Gesamtspeicher, doppelt so viel wie der Vorgänger, und einer Rechenleistung, die direkt auf Nvidias Konkurrenzprodukte zielt. Aus Pekinger Sicht zeigt sich, dass Tesla auch in diesem Bereich den Anschluss an chinesische Anbieter wie Baidu oder Huawei sucht, die bei Level-4-Systemen bereits weiter sind. Doch die Hardwareoffensive wirft ein altes Problem auf: Musk hatte seit 2019 versprochen, dass die bestehende HW3-Generation für vollautonomes Fahren reiche. Nun räumt er ein, dass selbst AI4 für „unbeaufsichtigtes FSD“ nicht ausreicht und AI4 Plus erst 2027 in Serie gehen wird. Die rund vier Millionen Fahrzeuge mit HW3 müssten entweder teuer nachgerüstet oder durch hohe Rabatte ersetzt werden – eine finanzielle Altlast, die den Geldfluss weiter belasten könnte.
Parallel dazu verschiebt Tesla die Einführung seines Robotaxi-Dienstes. In den USA hatten für das erste Halbjahr 2026 fünf Städte angekündigt werden sollen; im aktuellen Quartalsbericht ist nur noch von „Vorbereitungen“ die Rede, ohne festen Zeitplan. Beobachter in Washington deuten dies als Eingeständnis, dass die behördlichen Genehmigungen in Texas und Kalifornien frühestens 2026 erteilt werden. Für Europa, insbesondere Deutschland und die Schweiz, wo die rechtlichen Hürden noch höher sind, zeichnet sich ab, dass autonome Taxis von Tesla dort auf absehbare Zeit nicht rollen werden.
Während Tesla um seine Glaubwürdigkeit kämpft, bereitet Musks Raumfahrtfirma SpaceX den spektakulärsten Börsengang der Geschichte vor. Der IPO, der mit einer Bewertung von 1,75 Billionen Dollar noch in diesem Sommer erwartet wird, würde SpaceX zum wertvollsten Unternehmen der Welt machen – noch vor Apple und Nvidia. Aus Sicht von Investmentbanken in London und Zürich setzt dieser Schritt neue Maßstäbe: SpaceX strebt den Status einer „kontrollierten Gesellschaft“ an, bei dem Musk und verbundene Investoren durch Aktien mit Mehrfachstimmrecht die volle Kontrolle behalten. Das ist eine deutliche Abkehr von den üblichen Corporate-Governance-Standards und könnte bei institutionellen Anlegern auf Widerstand stoßen. Zudem verhandelt SpaceX laut dem Bericht eines marokkanischen Portals über eine Übernahme des KI-Start-ups Cursor für 60 Milliarden Dollar oder eine Partnerschaft im Wert von 10 Milliarden Dollar. Zusammen mit Gesprächen über eine Dreier-Allianz zwischen Musks KI-Firma xAI, dem französischen Start-up Mistral und Cursor entsteht das Bild einer konzertierten Aktion, um im Wettlauf mit OpenAI und Anthropic nicht ins Hintertreffen zu geraten.
Analysten warnen jedoch vor einem gefährlichen Trend: SpaceX, OpenAI und Anthropic – die drei prominentesten Kandidaten für den größten IPO-Zyklus aller Zeiten – arbeiten alle defizitär. LPL Financial schätzt ihren kombinierten Marktwert auf drei Billionen Dollar, obwohl sie keine Gewinne erzielen. Sollte die Euphorie nach dem Börsengang verfliegen, müssten die Unternehmen rasch rentable Geschäftsmodelle vorweisen – eine Aufgabe, die bei SpaceX durch das etablierte Starlink-Geschäft zumindest greifbarer erscheint als bei Teslas Zukunftsvisionen. Die Geschichte lehrt, dass kapitalintensive Strategien ohne belastbare Erträge schnell in eine Vertrauenskrise münden können. Für Musk, der mit Tesla, SpaceX und xAI drei Pfeiler seiner Vision gleichzeitig hochrüstet, wird die kommende Bilanzsaison zur Nagelprobe: Gelingt ihm der Spagat zwischen Investitionsrausch und Ergebnisverantwortung, oder überdehnt er seine finanziellen Spielräume? Die Blicke aus Frankfurt, Wien und Genf ruhen derzeit weniger auf den spektakulären Ankündigungen als auf den nüchternen Cashflow-Zahlen, die im nächsten Quartal über Sieg oder Niederlage entscheiden werden.
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