
Trotz Iran-Krieg: Spaniens und Deutschlands Wirtschaft trotzen den Erwartungen
Die Konjunktur in der Eurozone zeigt sich widerstandsfähiger als viele Prognosen vermuten ließen. Sowohl Spanien als auch Deutschland haben im ersten Quartal dieses Jahres ein Wachstum erzielt, das über den vorab veröffentlichten Schätzungen der meisten Institute lag – und das in einem geopolitischen Umfeld, das durch die Eskalation des Iran-Krieges und dessen Auswirkungen auf Lieferketten und Rohstoffpreise geprägt ist. Aus Madrider Sicht ist das Plus von 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorquartal ein Zeichen von Stabilität, obwohl es zwei Zehntel unter dem Wert des Schlussquartals 2025 liegt. Die spanische Volkswirtschaft profitiert weiterhin von einer robusten Produktivitätsentwicklung, während der private Konsum und der Arbeitsmarkt erste Anzeichen einer Abschwächung zeigen. Sorgen bereitet insbesondere der Einbruch der Investitionstätigkeit, den Beobachter als Ausdruck der Verunsicherung der Unternehmen in dem international schwierigen Umfeld deuten.
In Berlin hingegen blickt man auf ein überraschend stabiles erstes Quartal: Das Bruttoinlandsprodukt legte um 0,3 Prozent zu und übertraf damit die durchschnittliche Erwartung von 0,2 Prozent. Treiber waren vor allem der private und der staatliche Konsum, aber auch die Exporte zogen leicht an. Dass die deutsche Wirtschaft trotz der Belastungen durch den Iran-Krieg und der gedämpften globalen Nachfrage wächst, werten Ökonomen als ermutigendes Signal, allerdings bleibt die Unsicherheit über die weitere Entwicklung groß. Die steigenden Verbraucherpreise und die ungelösten strukturellen Probleme – von der Energieabhängigkeit bis zur Digitalisierung – lasten auf den Aussichten für die zweite Jahreshälfte.
Für die deutschsprachigen Länder, insbesondere Österreich und die Schweiz, ergeben sich aus den beiden größten Volkswirtschaften des Kontinents wichtige Orientierungspunkte. Einerseits zeigt die relative Stabilität, dass die Binnenkonjunktur kurzfristig stärker ist als von Pessimisten befürchtet. Andererseits warnen Experten davor, die geopolitischen Risiken zu unterschätzen: Sollte der Iran-Konflikt weiter eskalieren, könnten die Handelsströme und die Energiepreise in ganz Europa deutlich stärker beeinträchtigt werden als bisher. Die aktuelle Entwicklung ist daher eher ein Ausdruck von Resilience als von nachhaltiger Dynamik. Die nächsten Monate werden zeigen, ob die europäischen Volkswirtschaften den domestischen Konsum und die Exporte stabilisieren können, während die Unsicherheiten von außen zunehmen.
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