
Trump gegen Kimmel: FCC erzwingt vorzeitige Lizenzprüfung für ABC-Sender
Der neue Vorsitzende der US-amerikanischen Federal Communications Commission (FCC), Brendan Carr, hat einen beispiellosen Schritt unternommen: Er ordnete eine vorzeitige Überprüfung aller acht Sendelizenzen von ABC an, die dem Disney-Konzern gehören. Aus Washingtoner Sicht ist dies eine direkte Eskalation im persönlichen Feldzug von Präsident Donald Trump gegen den Late-Night-Moderator Jimmy Kimmel. Kimmel hatte die First Lady Melania Trump vor wenigen Tagen als „erwartungsfrohe Witwe“ bezeichnet – ein Scherz, der nach einem vereitelten Mordanschlag auf Trump beim Korrespondenten-Dinner in besonders schlechtem Licht stand. Trump und Melania verlangten umgehend Kimmels Entlassung; die FCC folgte mit der ungewöhnlichen Anordnung, die Lizenzen binnen 30 Tagen zur Verlängerung einzureichen – Jahre vor dem regulären Termin.
Diese aggressive Regulierungsmaßnahme ist nicht ohne Vorgeschichte. Bereits im vergangenen September hatte Carr ABC aufgefordert, gegen Kimmel vorzugehen, nachdem dieser einen weiteren Witz über Trumps Tod gemacht hatte. Der Sender gab damals nach, setzte die Show kurzzeitig ab und lenkte wieder ein – ein Vorgang, den Trump triumphierend kommentierte. Nun greift die Behörde tiefer in die Senderstruktur ein, was Beobachter in den USA als politisch motivierten Einschüchterungsversuch werten. Die demokratische FCC-Kommissarin Anna Gomez nannte die Aktion „beispiellos, rechtswidrig und ein politisches Manöver“. Sie sehe die Kommission nicht unabhängig handeln, sondern als verlängerten Arm des Weißen Hauses. Aus europäischer Warte, insbesondere in Deutschland, Österreich und der Schweiz, wird dieser Fall mit Sorge verfolgt, da er die Unabhängigkeit der Medienaufsicht und die Pressefreiheit unterminiert.
Gleichzeitig zeigt der Vergleich mit historischen Momenten, wie sehr sich das Verhältnis zwischen Komik und Politik verschoben hat. Nach dem Attentat auf Ronald Reagan 1981 hatte Johnny Carson die Oscar-Verleihung verschoben und auf jeden Scherz verzichtet. Kimmel hingegen setzt seine satirischen Angriffe fort – und die Regierung reagiert mit regulatorischem Druck, nicht nur mit öffentlicher Kritik. Die juristische Zukunft der FCC-Anordnung ist ungewiss: Disney hat bereits angekündigt, sich zu wehren und auf die lange Tradition gemeinnütziger Programmgestaltung zu verweisen. Experten rechnen mit einer Klage, die sich über Jahre hinziehen könnte. Doch selbst wenn die FCC vor Gericht scheitert, hat die Einschüchterung ihre Wirkung nicht verfehlt: Der neue Disney-Chef Josh D’Amaro steht unter Druck, während Kimmel trotzig weitermacht. Der Fall wird zum Lackmustest dafür, wie weit ein US-Präsident gehen kann, um kritische Berichterstattung über die Regulierungshebel des Staates zu disziplinieren.
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