
Trump verlängert fragile Waffenruhe am Libanon – Durchbruch oder Zeitgewinn?
Im Oval Office des Weißen Hauses hat Donald Trump am Donnerstagabend eine Verlängerung der Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon um drei Wochen verkündet. Es war die zweite Gesprächsrunde auf Botschafterebene binnen weniger Tage, und der amerikanische Präsident wertete sie als historischen Schritt: Erstmals seit Jahrzehnten verhandelten Vertreter zweier Staaten, die sich offiziell noch immer im Kriegszustand befinden, direkt miteinander. Trump sprach von einer «sehr guten» Zusammenkunft und stellte baldige Besuche des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu sowie des libanesischen Staatspräsidenten Joseph Aoun in Washington in Aussicht – ein Gipfeltreffen, das es in dieser Form noch nie gegeben hat. Zuvor war die am 17. April in Kraft getretene, auf zehn Tage befristete Feuerpause einziger Fixpunkt der diplomatischen Bemühungen; mit der nun gewährten Frist bis weit in den Mai hinein gewinnen die Vermittler wertvolle Zeit.
Aus Washingtoner Sicht ist die Verlängerung mehr als eine technische Fristverlängerung. Sie fügt sich in eine umfassendere Strategie ein, den Druck auf die proiranische Hisbollah im Libanon zu erhöhen und zugleich den Stillstand in den Verhandlungen mit Teheran zu überspielen. Trumps Formulierung, die Vereinigten Staaten würden Beirut helfen, «sich selbst vor der Hisbollah zu schützen», deutet auf eine gezielte Schwächung der Miliz hin, die von der libanesischen Regierung zwar offiziell an den Verhandlungstisch gebeten, von Washington und Jerusalem jedoch als Haupthindernis für einen dauerhaften Frieden betrachtet wird. Beobachter in europäischen Hauptstädten, namentlich in Berlin, Wien und Bern, betrachten diese Entwicklung mit verhaltener Zuversicht: Einerseits entspricht die Stabilisierung der israelisch-libanesischen Front dem dringenden Wunsch nach regionaler Deeskalation, andererseits birgt die offene Konfrontation mit der Hisbollah das Potenzial, den fragilen Zedernstaat erneut in einen Stellvertreterkonflikt zu stürzen.
Die Lage vor Ort bleibt widersprüchlich. Während im Weißen Haus die Botschafter konferierten, meldeten libanesische Behörden neue israelische Angriffe im Süden des Landes, bei denen mindestens zwei Menschen getötet wurden. Auch die Hisbollah feuerte ihrerseits Raketen auf israelisches Gebiet ab – ein Indiz dafür, dass die diplomatische Dynamik und die militärische Realität vorerst auseinanderklaffen. Aus Tel Aviver Perspektive betonte der israelische Botschafter Yechiel Leiter denn auch das Ziel, den Frieden zwischen beiden Ländern in «sehr naher Zukunft» zu formalisieren, während die libanesische Botschafterin Nada Hamadeh Moawad Trump für dessen Vermittlungsbemühungen dankte. Das libanesische Staatsoberhaupt Aoun weiß indes nur zu gut, dass ein Friedensschluss mit Israel innenpolitisch kaum durchsetzbar erscheint, solange die Hisbollah im Süden des Landes de facto als Parallelarmee agiert. Trumps beiläufige Bemerkung, das libanesische Gesetz, das Kontakte mit Israelis unter Strafe stellt, werde schon abgeschafft werden, offenbarte eine für europäische Diplomaten typische Mischung aus Unkenntnis und brachialem Optimismus.
Für Deutschland, Österreich und die Schweiz, die sich traditionell sowohl als humanitäre Akteure als auch als Fürsprecher diplomatischer Lösungen im Nahen Osten positionieren, eröffnet die verlängerte Waffenruhe ein begrenztes Zeitfenster. Die Reichweite eines möglichen Friedensschlusses, den Trump noch für dieses Jahr in Aussicht stellte, würde weit über die libanesisch-israelische Grenze hinausstrahlen: Sie könnte den diplomatischen Druck auf das iranische Regime erhöhen, die Straße von Hormus befrieden und den europäischen Volkswirtschaften eine Verschnaufpause in der Sorge vor explodierenden Energiepreisen verschaffen. Skeptiker erinnern freilich daran, dass die Vorgeschichte dieses Konflikts – von der Staatsgründung Israels 1948 bis zu den Verwüstungen des jüngsten Krieges – keinen raschen Friedensschluss nahelegt. Die kommenden drei Wochen werden zeigen, ob die Gespräche im Weißen Haus den Kern des Konflikts erreichen oder lediglich eine weitere Episode im Zyklus von Gewalt und Waffenstillstand darstellen.
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