
Türkei als Feindstaat: Israels Parlamentarier verschärfen Ton gegenüber Ankara
Während ein israelischer Abgeordneter die Türkei zum Feindstaat erklärt und Erdogan als Gefahr bezeichnet, wächst in Ankara und Riad die Sorge vor einem expansionistischen „Großisrael“.
Die Spannungen zwischen Israel und der Türkei haben eine neue Eskalationsstufe erreicht. Der israelische Parlamentarier Ariel Kellner bezeichnete die Türkei in einem Radiointerview als „Feindstaat in jeder Hinsicht“ und nannte Präsident Recep Tayyip Erdogan einen „gefährlichen Diktator“, der das islamische Kalifat wiederherstellen wolle und Israel zutiefst hasse. Zuvor hatte bereits Kultur- und Sportminister Miki Zohar gefordert, Ankara als Feindstaat zu behandeln, und mit Vergeltung gedroht, sollte die Türkei einen militärischen Konflikt wählen. Auslöser der jüngsten Verbalattacken war eine Rede Erdogans, in der er die israelischen Angriffe auf Syrien und den Libanon als Bedrohung für die Türkei und die gesamte Weltordnung bezeichnete und ein Ende der „Aggression“ forderte. Ministerpräsident Netanjahu konterte umgehend und nannte Erdogan einen „antisemitischen Diktator“.
Die rhetorische Zuspitzung ist Ausdruck einer seit Monaten eskalierenden Entfremdung. Ankara hatte im Mai 2024 die Handelsbeziehungen zu Israel vollständig abgebrochen und sich dem Völkermord-Verfahren gegen Israel vor dem Internationalen Gerichtshof angeschlossen. Erdogan positioniert sich seither als einer der schärfsten Kritiker der israelischen Militäroperationen nicht nur in Gaza, sondern auch im Libanon, in Syrien und gegen den Iran. Die türkische Führung sieht in der Ausweitung der israelischen Schläge eine unmittelbare Gefahr für die eigene Sicherheit und die Stabilität der Region.
Parallel dazu wächst in arabischen Hauptstädten die Besorgnis über ein von Beobachtern als „Großisrael“ bezeichnetes Szenario. Saudi-Arabien verurteilte jüngst Äußerungen Netanjahus, die auf eine territoriale Expansion hindeuten, und verfolgt die militärische Dynamik mit besonderer Aufmerksamkeit. Die Vorstellung eines Israels, das seine Kontrollzonen über die anerkannten Grenzen hinaus ausdehnt und grenzüberschreitende Schläge normalisiert, alarmiert nicht nur Ankara, sondern auch Riad und andere arabische Hauptstädte. Die Diskussion hat sich damit von der üblichen Kritik an der Siedlungspolitik im Westjordanland hin zu einer grundsätzlichen Debatte über die strategischen Ambitionen Israels verschoben.
Für die europäischen Partner, insbesondere Deutschland, Österreich und die Schweiz, birgt diese Entwicklung erhebliches Konfliktpotenzial. Die Türkei ist NATO-Mitglied und unterhält enge wirtschaftliche Beziehungen zur EU; Israel ist ein zentraler Partner im Nahen Osten. Eine offene Feindstaaten-Rhetorik zwischen beiden Ländern könnte die ohnehin fragile Kohäsion des Bündnisses weiter belasten und die Vermittlungsbemühungen europäischer Diplomatie erschweren. Zudem droht die türkische Beteiligung am Völkermordverfahren die internationale Rechtsdebatte zu politisieren und die Glaubwürdigkeit des Gerichtshofs in Den Haag zu untergraben.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob die verbale Konfrontation in handfeste politische oder gar militärische Maßnahmen mündet. Während Israel die Türkei als feindlichen Akteur einstuft, sucht Erdogan die Führungsrolle in der sunnitischen Opposition gegen Jerusalem. Die Gefahr von Fehlkalkulationen wächst, insbesondere an der syrisch-türkischen Grenze, wo israelische Luftschläge und türkische Sicherheitsinteressen direkt aufeinandertreffen. Für Berlin, Wien und Bern bleibt die Aufgabe, auf Deeskalation zu drängen und zugleich die eigenen sicherheitspolitischen und menschenrechtlichen Prinzipien zu wahren – ein Balanceakt, der angesichts der verhärteten Fronten kaum gelingen dürfte.
| Iranische & verwandte Presse | −0.30 | critical |
|---|---|---|
| Arabische Levante-Maghreb-Presse | −0.70 | critical |
| Südostasiatische Presse | 0.00 | neutral |
Die Spannungen zwischen Israel und der Türkei haben sich dramatisch verschärft. Ein israelischer Abgeordneter erklärte die Türkei zum Feindstaat, nachdem Präsident Erdoğan gewarnt hatte, dass israelische Angriffe in Syrien und im Libanon nun eine direkte Bedrohung für die Türkei und die globale Sicherheit darstellen. Die Rhetorik aus Tel Aviv wird zunehmend konfrontativ und stellt Ankara als feindliche Kraft dar.
Das Gespenst eines 'Großisraels' alarmiert sowohl Riad als auch Ankara. Über die Kriege in Gaza und im Libanon hinaus nehmen arabische Hauptstädte ein israelisches Expansionsprojekt wahr, das militärische Überlegenheit nutzt, um seine Kontrolle auszuweiten und grenzüberschreitende Angriffe zu normalisieren. Dieses Narrativ verwandelt regionale Reibungen in eine breitere strategische Konfrontation.
Ein israelischer Parlamentarier hat die Türkei als Feindstaat bezeichnet und Präsident Erdoğan einen gefährlichen Diktator genannt, der ein islamisches Kalifat wiederherstellen wolle. Die in einem Radiointerview gemachten Äußerungen werden als sachlicher Bericht über die jüngste verbale Eskalation zwischen beiden Ländern wiedergegeben.
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