
Kürzungen der US-Entwicklungshilfe gefährden Gesundheitssysteme in Schwellenländern
Die USA streichen zwei Drittel ihrer Auslandshilfe für Gesundheit – die OECD rechnet mit einem Rückgang der globalen Gesundheitsfinanzierung um 60 Prozent vom Höchststand 2022.
Die globale Gesundheitsfinanzierung gerät unter massiven Druck. Die Vereinigten Staaten, die historisch mehr als ein Drittel aller öffentlichen Entwicklungshilfen für Gesundheit (Development Assistance for Health, DAH) bereitstellten, kürzten ihre entsprechenden Ausgaben Anfang 2025 um 67 Prozent. Auch Großbritannien, Frankreich und Deutschland reduzierten ihre Beiträge um 39, 35 beziehungsweise 12 Prozent. Nach Berechnungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) könnte die gesamte Gesundheitshilfe damit um bis zu 60 Prozent unter das Niveau des Jahres 2022 fallen.
Dieser Einbruch trifft auf eine ohnehin prekäre Lage in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen (LMICs). Nach Daten der Weltbank beträgt die öffentliche Pro-Kopf-Ausgabe für die allgemeine Gesundheitsversorgung in diesen Ländern – einschließlich staatlicher Mittel und außerbudgetärer Entwicklungshilfe – nur etwa die Hälfte des international als Minimum geltenden Referenzwerts. Der Abstand zu den Pro-Kopf-Ausgaben der Industrieländer hat sich laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit 2000 mehr als verdreifacht.
Hinzu kommt eine dramatische Verschuldung. Die globale öffentliche Verschuldung erreichte 2024 einen Rekordwert von 102 Billionen US-Dollar, wobei 31 Billionen auf Entwicklungsländer entfielen. Deren Schulden wachsen seit 2010 doppelt so schnell wie die der Industrieländer. Nach Angaben der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) zahlten Entwicklungsländer 2024 netto 921 Milliarden US-Dollar allein für Zinszahlungen – Mittel, die für Gesundheit, Bildung oder Infrastruktur fehlen.
Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage an Bedeutung, wie die verfügbaren öffentlichen Gelder effizienter eingesetzt werden können. Ein erstes Problem ist die unzureichende Mittelabrufung: Die Weltbank beziffert die Ausführungsquote der Gesundheitsbudgets in LMICs auf 85 bis 90 Prozent – niedriger als im allgemeinen Staatshaushalt und im Bildungssektor. In Indien etwa wurden laut einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss im Haushaltsjahr 2024/25 nur zwei Drittel der Mittel für die zentrale Gesundheitsinfrastrukturmission tatsächlich ausgegeben; im Nationalen Gesundheitsprogramm lag die Quote für die Bekämpfung übertragbarer und nichtübertragbarer Krankheiten sogar bei nur 26 Prozent.
Ein zweites Problem betrifft die Verteilung auf die richtigen Leistungen. Während Löhne und Gehälter meist vollständig ausgezahlt werden, bleibt die Finanzierung von Gütern und Dienstleistungen zurück – das Personal arbeitet ohne ausreichende Ausstattung. Zudem fließt ein Großteil der öffentlichen Mittel in kurative Versorgung auf sekundärer und tertiärer Ebene. In Indien, so Schätzungen der London School of Hygiene & Tropical Medicine, werden weniger als ein Viertel der öffentlichen Gesundheitsgelder für Prävention ausgegeben – obwohl öffentliche Güter wie Seuchenkontrolle und Hygiene aus gesundheitsökonomischer Sicht prioritär wären.
| Lateinamerikanische Presse | −0.70 | critical |
|---|---|---|
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.30 | critical |
| Atlantische / angloamerikanische Presse | +0.20 | neutral |
| Indische & südasiatische Presse | −0.50 | critical |
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