
USA und Iran eskalieren Kampf um Hormus – Waffenruhe in Gefahr
Nach erneuten Luftangriffen auf Iran attackiert Teheran US-Stützpunkte in Kuwait und Bahrain; das vorläufige Friedensabkommen steht vor dem Scheitern.
Am frühen Morgen des 28. Juni feuerte Irans Revolutionsgarde ballistische Raketen und Drohnen auf amerikanische Militäreinrichtungen in Kuwait und Bahrain ab. Die Angriffe galten der Ali-al-Salem-Luftwaffenbasis sowie der Basis der Fünften US-Flotte in Manama und waren nach Angaben Teherans eine unmittelbare Vergeltung für amerikanische Luftschläge vom Vortag. Diese hatten ihrerseits iranische Überwachungs-, Kommunikations- und Drohneninfrastruktur nahe der Straße von Hormus getroffen, nachdem ein panamaischer Öltanker, die „M/T Kiku“, durch eine iranische Drohne beschädigt worden war. Kuwait fing nach Militärangaben zwei anfliegende Raketen ab, in Bahrain wurde ein mehrgeschossiges Wohngebäude nahe dem internationalen Flughafen getroffen; Menschen kamen nicht zu Schaden.
Washington begründet seine Einsätze mit wiederholten Verstößen Irans gegen das seit dem 17. Juni geltende Waffenstillstandsabkommen. Präsident Donald Trump erklärte auf seiner Plattform Truth Social, man könne an einen Punkt gelangen, „an dem wir nicht mehr vernünftig sein können und gezwungen sind, die Arbeit militärisch zu beenden“; dann werde die Islamische Republik Iran „aufhören zu existieren“. Teheran wiederum wirft den USA vor, die Feuerpause gebrochen zu haben, und drohte mit einem „vollständigen Abbruch“ aller diplomatischen Gespräche. Der Kommandeur der Revolutionsgarden kündigte an, amerikanische Stützpunkte in der Region würden in den nächsten Tagen die „Hölle“ erleben. Irans Außenminister Abbas Araghchi bekräftigte bei einem Besuch in Bagdad, die Verwaltung der Straße von Hormus liege ausschließlich bei Iran; jegliche „Einmischung“ werde die Spannungen erhöhen und die Wiedereröffnung des Seewegs verzögern.
Hintergrund des Schlagabtauschs ist der Streit über die Schifffahrtsrouten in der strategisch zentralen Meerenge, durch die vor dem Krieg etwa ein Fünftel des globalen Erdöls und Erdgases transportiert wurde. Iran beansprucht die alleinige Kontrolle über die Passage und hat seit der vorläufigen Einigung bereits zwei Frachtschiffe attackiert, die eine von westlichen Marinen empfohlene südliche Route entlang der omanischen Küste nutzten. Ein multinationales maritimes Gremium unter Führung der US-Navy erweiterte diese Route am 27. Juni und verschärfte damit den Konflikt. Die arabischen Golfanrainer, die amerikanische Truppen beherbergen, verurteilten die iranischen Angriffe als „systematische Aggression“. Bahrain rief den UN-Sicherheitsrat auf, in einer Dringlichkeitssitzung über Gegenmaßnahmen zu beraten.
Das Islamabader Memorandum of Understanding vom 17. Juni hatte eine 60-tägige Verhandlungsfrist vorgesehen, in der über die endgültige Öffnung der Straße, die Aufhebung von US-Sanktionen und das iranische Atomprogramm gesprochen werden sollte. Diese Frist droht nun zu verstreichen, ohne dass eine dauerhafte Einigung in Sicht wäre. Parallel eskalieren die Kämpfe an der israelisch-libanesischen Front, wo Israels Militär am 27. Juni erneut Hisbollah-Stellungen angriff, obwohl tags zuvor ein separates vorläufiges Waffenruheabkommen mit Beirut unterzeichnet worden war. Für die europäische und insbesondere die deutsche Wirtschaft, die in hohem Maße von Energieimporten abhängig ist, wächst das Risiko neuer Preisschocks. Ob die Vermittler aus der Golfregion und Pakistan die Parteien zu einer Deeskalation bewegen können, ist offen; der Sicherheitsrat dürfte sich auf Antrag Bahrains mit der Lage befassen.
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.30 | critical |
|---|---|---|
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| Indische & südasiatische Presse | +0.50 | aligned |
Der Waffenstillstand steht kurz vor dem Zusammenbruch: Jede neue Vergeltung macht ihn zerbrechlicher. Sowohl Washington als auch Teheran treiben die Spirale an.
Indem die Angriffe als symmetrisch und wechselseitig dargestellt werden, entsteht der Eindruck einer unvermeidlichen und endlosen Eskalation.
Die spätere Vereinbarung zwischen den USA und dem Iran, die Angriffe einzustellen und sich in Katar zu treffen, wird nicht erwähnt, was eine Deeskalation nahelegen würde.
Die USA haben das Recht, auf iranische Verstöße entschlossen zu reagieren. Trumps Warnung ist klar: Weitere Angriffe werden zu einer größeren Eskalation führen.
Durch die Betonung der US-Drohungen und Eskalationsfähigkeiten wird eine Hierarchie aufgebaut, in der die USA der dominante Akteur sind, der die Regeln vorgibt.
Es wird weder auf das Waffenstillstandsabkommen noch auf die bevorstehenden Verhandlungen Bezug genommen, die einen diplomatischen Weg aufzeigen würden.
Diplomatie siegt: Die USA und der Iran haben sich entschieden, die Angriffe einzustellen und an den Verhandlungstisch zu setzen. Katar wird die Gespräche zur Lösung der Krise ausrichten.
Durch die Konzentration auf die Vereinbarung und die Verhandlungen wird die Krise als durch Diplomatie lösbar dargestellt, wobei die Schwere der jüngsten Angriffe heruntergespielt wird.
Die spezifischen Angriffe und Trumps Drohungen werden nicht detailliert, was die Zerbrechlichkeit des Waffenstillstands hervorheben würde.
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