
Verdächtiger nach Rattengift in Babynahrung in Österreich festgenommen
Die österreichischen Ermittler haben einen entscheidenden Durchbruch erzielt: Ein 39-jähriger Mann wurde im Burgenland festgenommen, der im Verdacht steht, in mehreren Supermärkten Gläschen mit Babynahrung der Marke HiPP mit Rattengift versetzt zu haben. Die Staatsanwaltschaft Eisenstadt bestätigte die Festnahme, machte aber aus ermittlungstaktischen Gründen keine näheren Angaben zur Identität des Beschuldigten. Nach Angaben der Polizei handle es sich um einen Einzeltäter, der die manipulierten Produkte bewusst in den Verkehr gebracht haben soll, um den Hersteller zu erpressen.
Der Fall hatte in den vergangenen Wochen für erhebliche Unruhe gesorgt, da die vergifteten Gläschen nicht nur in Österreich, sondern auch in Tschechien und der Slowakei aufgetaucht waren. Insgesamt fünf Behälter konnten sichergestellt werden, bevor sie von Säuglingen konsumiert wurden. Ein sechstes, vermutlich noch in Österreich befindliches Glas wird weiterhin gesucht; die Behörden appellieren an die Bevölkerung, beschädigte Verschlüsse, fehlende Siegel oder einen ungewöhnlichen Geruch zu melden.
Aus Wiener Sicht ist die Festnahme ein erster Erfolg, doch die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Die zuständigen Stellen prüfen derzeit, ob die verwendete Dosis Rattengift für Kinder tödlich gewesen wäre – eine Frage, die über die rechtliche Einordnung als versuchte schwere Körperverletzung oder gar versuchten Mord entscheiden könnte. Die deutsche Bundespolizei war von Beginn an in die Ermittlungen eingebunden, da die betroffene Produktionsstätte von HiPP in Deutschland liegt.
In Berlin und München verfolgt man das Verfahren mit besonderer Aufmerksamkeit, könnte es doch weitreichende Konsequenzen für die Lebensmittelsicherheit und das Zutrauen in industriell gefertigte Babykost haben. Die Firma HiPP selbst zog umgehend alle Gläschen aus dem österreichischen Handel zurück und warnte Verbraucher vor dem Verzehr bereits gekaufter Ware. Aus Prager und Bratislavaer Perspektive ist die schnelle grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Strafverfolgungsbehörden lobenswert, denn auch dort waren die vergifteten Produkte aufgetaucht – ein Hinweis darauf, dass der Täter bewusst Lieferketten mehrerer Länder ins Visier genommen hatte.
Die Entdeckung des Erpressungsversuchs gelang letztlich durch Überwachungskameras und den Hinweis eines aufmerksamen Verbrauchers. Der Beschuldigte hatte offenbar eine E-Mail an die falsche Adresse geschickt und so die Ermittler auf seine Spur gebracht. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Verwundbarkeit moderner Lebensmittelversorgungsketten: Selbst ein Einzeltäter kann mit vergleichsweise geringem Aufwand Panik auslösen und enormen wirtschaftlichen Schaden anrichten.
Experten fordern daher eine Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen in den Supermarktregalen, etwa durch manipulationssichere Verpackungen oder eine engmaschigere Überwachung der Rückverfolgbarkeit von Produkten. Die nächsten Tage werden zeigen, ob der Festgenommene ein umfassendes Geständnis ablegt und ob sich die Spur des sechsten Gläschens verfolgen lässt. Sollte die Justiz den Vorwurf der versuchten Erpressung und der gemeingefährlichen Handlung bestätigen, droht dem Mann eine langjährige Haftstrafe.
Für die Hersteller von Babynahrung bedeutet der Vorfall einen Weckruf, das Vertrauen der Eltern nicht als selbstverständlich zu betrachten.
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