
Verletzungssorgen vor dem Clásico: Real Madrids Aufholjagd und Barcelonas Personalkrise
Der Kampf um die spanische Meisterschaft erhält nur wenige Tage vor dem prestigeträchtigen Clásico eine dramatische Wendung: Während der FC Barcelona mit neun Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze thront, müssen beide Topklubs schwere personelle Rückschläge verkraften. Aus Madrider Sicht wiegt der Ausfall von Eder Militão besonders schwer. Der brasilianische Innenverteidiger, der sich erst im April nach einer mehrmonatigen Muskelverletzung zurückkämpfte, zog sich beim Sieg gegen Alavés erneut eine Blessur im linken Oberschenkel zu. Die spanische Sportpresse hält eine Teilnahme an der Weltmeisterschaft für fraglich – Brasilien startet Mitte Juni gegen Marokko. Auch Mittelfeldtalent Arda Güler fällt mit einer ähnlichen Verletzung bis Saisonende aus, wie der Verein am Donnerstag bestätigte. Damit verliert Trainer Carlo Ancelotti zwei Optionen für die verbleibenden sechs Ligaspiele, in denen seine Mannschaft jeden Punkt braucht, um den Rückstand auf Barcelona noch zu verkürzen.
In Barcelona hingegen richtet sich der Blick auf Lamine Yamal. Der 17-jährige Flügelstürmer, der beim Sieg gegen Celta Vigo einen Elfmeter verwandelte und dabei die Verletzung erlitt, fällt voraussichtlich sechs Wochen aus. Nach Informationen der Madrider Zeitung „El Mundo“ unterzieht er sich einer konservativen Behandlung mit plättchenreichem Plasma, Laser- und Radiofrequenztherapie. Ziel ist es, ihn rechtzeitig für die Weltmeisterschaft fit zu bekommen, die für Spanien am 15. Juni gegen Kap Verde beginnt. Bundestrainer Luis de la Fuente atmet auf, während Hansi Flick, der deutsche Coach der Katalanen, sich mit dem Verlust seines stärksten Angreifers arrangieren muss. Die Blaugrana treten am Samstag bei Getafe an – ohne Yamal und den ebenfalls verletzten Raphinha – und wollen die Führung vor dem Direktduell am 10. Mai im Camp Nou wahren.
Doch nicht nur die Personalsorgen prägen die Lage: Real Madrid gastiert am Samstag bei Betis Sevilla im Estadio de La Cartuja, das als neutraler Austragungsort dient. Die Andalusier stehen auf Rang fünf und kämpfen um die europäischen Plätze, wenngleich ihre Form zuletzt schwankte. Aus Sicht der Madrilenen ist dies ein Pflichtspiel, um den Druck auf Barcelona hochzuhalten. Die verbleibenden Begegnungen bis zum Clásico – darunter gegen Getafe und Osasuna – bieten dem Tabellenführer Gelegenheit, seinen Vorsprung zu zementieren. Sollte Flicks Team dort nicht stolpern, könnte das Aufeinandertreffen mit Real am 10. Mai zur Vorentscheidung werden. Die Verletzungsmisere beider Vereine wirft indes ein Schlaglicht auf die Belastungssteuerung im modernen Fußball: Aus nationaler und internationaler Perspektive – auch mit Blick auf die WM in knapp zwei Monaten – wird die Frage nach dem Umgang mit überlasteten Spielern immer drängender. Für den deutschen Fußball, der mit Hansi Flick einen prominenten Trainer in Barcelona stellt, ist die Entwicklung doppelt interessant: Sein taktisches Geschick wird in den kommenden Wochen auf eine harte Probe gestellt.
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