
Russland und Saudi-Arabien schaffen Visumspflicht ab: Neues Kapitel der Reisefreiheit
Ab Montag reisen Bürger beider Staaten visumfrei – Moskau treibt zugleich Verhandlungen mit Malaysia, Kuwait und Bahrain voran. Auch Brasilien und China öffnen sich.
Ein bedeutender Schritt in der bilateralen Annäherung zwischen Riad und Moskau ist vollzogen: Seit dem 11. Mai 2026 gilt die gegenseitige Visumsbefreiung für Inhaber aller Passkategorien, einschließlich gewöhnlicher Reisepässe. Aus saudischer Sicht ist es die erste Vereinbarung dieser Art, die auch Touristen und Geschäftsreisenden ohne Diplomatenstatus offensteht, wie die saudische Nachrichtenagentur SPA mitteilte. Die Regelung erlaubt Aufenthalte von bis zu 90 Tagen – ein Signal für den wachsenden Austausch zwischen dem Königreich und der Russischen Föderation, die in diesem Jahr das hundertjährige Bestehen ihrer diplomatischen Beziehungen begehen. Von der Regelung ausgenommen bleiben allerdings Arbeits-, Studien- und Pilgerreisen sowie die Hadsch-Visa; hierfür sind weiterhin gesonderte Anträge nötig.
Parallel dazu treibt Moskau seine Öffnungspolitik im Nahen Osten und in Asien weiter voran. Wie das russische Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung mitteilte, stehen Verhandlungen über visumfreie Abkommen mit Malaysia, Kuwait und Bahrain unmittelbar vor dem Abschluss. Bereits jetzt können russische Staatsbürger in 86 Länder ohne Visum reisen, weitere 38 Staaten bieten erleichterte Einreiseverfahren. Beobachter in Peking registrieren diese Entwicklung mit Aufmerksamkeit, da sie das globale Muster der Reiseerleichterungen verändert: Auch Brasilien und China haben am selben Montag ein Abkommen unterzeichnet, das Bürgern beider Länder einen visumfreien Aufenthalt von bis zu 30 Tagen für Tourismus, Geschäfte und kulturelle Aktivitäten ermöglicht. Die brasilianische Regierung erhofft sich davon einen weiteren Schub für den Tourismus, nachdem das Land 2025 mit über neun Millionen ausländischen Gästen einen Rekord verzeichnete.
Ein ganz anderes Bild bietet hingegen der pakistanische Pass: Im jüngsten Henley-Pass-Index fiel er auf den 100. Rang zurück, nachdem er kurzzeitig auf Platz 97 gestiegen war. Pakistani stehen damit nur noch 30 Länder für visumfreie Einreise oder Visum bei Ankunft offen – ein Kontrast zu den Expansionsbewegungen Russlands und Saudi-Arabiens. Aus Washingtoner Perspektive zeigt sich hier die wachsende Kluft zwischen Staaten, die geopolitische Partnerschaften durch Reiseerleichterungen untermauern, und solchen, deren Passmobilität unter innenpolitischen und sicherheitspolitischen Faktoren leidet.
Die jüngsten Abkommen sind nicht nur tourismuspolitischer Natur, sondern auch Ausdruck einer Neuordnung der globalen Mobilitätslandschaft. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz stellen sich Fragen: Wenn Russland und Saudi-Arabien – trotz aller geopolitischen Spannungen – auf pragmatische Zusammenarbeit setzen, könnte dies den Druck auf die Europäische Union erhöhen, ihre eigenen Visapolitiken gegenüber diesen Ländern zu überdenken. Auch die Verknüpfung mit der chinesisch-brasilianischen Öffnung zeigt, dass bilaterale Abkommen zunehmend als Instrument der Außenwirtschaftspolitik genutzt werden. In den kommenden Monaten wird sich weisen, ob sich dieser Trend fortsetzt – oder ob sicherheitspolitische Bedenken die Liberalisierungswelle bremsen.
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