
Washington läutet mit Handelsrat neue Ära im Zollstreit mit China ein
US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer kündigt einen bilateralen Handelsrat an, der über Zollsenkungen auf nicht-strategische Waren im Wert von 30 Milliarden Dollar entscheiden soll. Parallel verschärfen sich die Spannungen mit Kanada und Taiwan.
In einer bemerkenswerten Kehrtwende im sino-amerikanischen Handelskonflikt hat der Handelsbeauftragte der Vereinigten Staaten, Jamieson Greer, am Dienstag die baldige Einrichtung eines gemeinsamen „Board of Trade“ mit China angekündigt. Vor dem Council on Foreign Relations in Washington erklärte Greer, seine Behörde werde in Kürze im Bundesregister eine öffentliche Kommentierungsphase einleiten, um zu ermitteln, für welche chinesischen Waren niedrigere Zölle gelten könnten. Die Initiative geht zurück auf das Gipfeltreffen zwischen Präsident Trump und Staatschef Xi Jinping im Mai 2026 in Peking, bei dem neben dem Verkauf von 200 Boeing-Flugzeugen und Agrarzusagen über 17 Milliarden Dollar ein Übergang zu „geplantem Handel“ vereinbart wurde. Greer räumte ein, Washington habe sich mit der Tatsache abgefunden, dass China sein politisch-ökonomisches Modell nicht grundlegend ändern werde. Stattdessen setze man auf ein kontrolliertes Management der Wirtschaftsbeziehungen, das für etwa 30 Milliarden Dollar nicht-strategischer Güter Zollermäßigungen bis hin zur Aufhebung prüft.
Aus Washingtoner Sicht bleibt die neue Flexibilität jedoch in ein robustes Zollregime eingebettet. Greer betonte, die USA würden weiterhin flächendeckende Importabgaben erheben, solange das gewaltige Handelsdefizit bestehe, und die Zölle auf chinesische Waren lägen dauerhaft über jenen für andere Staaten. Diese Haltung trifft auch die Nachbarn im nordamerikanischen Freihandelsabkommen CUSMA. Gegenüber Kanada, so Greer, gebe es erhebliche Differenzen; Ottawa weigere sich anders als Mexiko, gewisse Zölle zähneknirschend zu akzeptieren. Während Mexiko bereits in Verhandlungen eingetreten ist, sei bei Kanada „schwer abzusehen, wohin das führt“. Die Drohung, handelspolitische Verpflichtungen aus dem Abkommen mit protektionistischen Maßnahmen zu überlagern, sorgt in europäischen Hauptstädten für Unruhe, da ähnliche Logiken auch die transatlantischen Beziehungen belasten könnten.
Die Neuausrichtung gegenüber Peking hat zudem sicherheitspolitische Schlaglichter auf Taiwan geworfen. Beobachter in Taipeh registrieren mit Besorgnis, dass Washington parallel Rüstungslieferungen im Umfang von 14 Milliarden Dollar auf Eis gelegt hat und Trump bei seinem Besuch in China die „Sechs Zusicherungen“ von 1982 als längst überholt bezeichnete. Der frühere Vize-Sicherheitsberater Stephen Yates deutete dies in der taiwanesischen Hauptstadt als Ausdruck einer gewandelten geopolitischen Realität, in der alte sicherheitspolitische Rahmen kaum noch trügen. Für Berlin, Wien und Zürich unterstreichen diese Signale, wie sehr die Trump-Administration bereit ist, strategische Verpflichtungen dem Primat bilateraler Handelsdeals unterzuordnen.
Der avisierte Handelsrat markiert dennoch einen möglichen Ausweg aus der jahrelangen Eskalationsspirale, indem er chinesisch-amerikanische Wirtschaftsfragen in ein institutionalisiertes Konsultationsformat überführt. Allerdings bleibt das Instrument vorerst auf ein begrenztes Warensegment beschränkt, während bei Hochtechnologie und sensiblen Lieferketten – etwa bei Seltenen Erden, deren Bezug Washington weiterhin sichert – die Abschottung fortbesteht. Europäische Exportnationen werden genau beobachten, ob sich aus dem Präzedenzfall eine Blaupause für den Umgang mit dem eigenen Handelskonflikt mit den USA ergibt. Die kommenden Wochen der öffentlichen Anhörung könnten zeigen, wie ernst es Washington mit einer selektiven Öffnung ist – und ob Peking den partizipativen Ansatz seinerseits honoriert.
| Lateinamerikanische Presse | −0.40 | critical |
|---|---|---|
| Chinesische Presse | +0.20 | neutral |
| Atlantische / angloamerikanische Presse | −0.50 | critical |
Die USA planen, Zölle auf ihre USMCA-Partner zu erheben und richten gleichzeitig einen Handelsrat mit China ein, wobei sie sich auf ein riesiges Handelsdefizit berufen. Dieser protektionistische Kurs löst bei lateinamerikanischen Beobachtern Besorgnis über die Auswirkungen auf die regionale Handelsdynamik aus.
Washington formalisiert einen bilateralen Handelsrat mit China und wird bald öffentliche Stellungnahmen dazu einholen, welche chinesischen Waren niedrigere Zölle verdienen. Der US-Handelsbeauftragte räumte ein, dass die Regierung akzeptiert hat, dass sich Chinas politisch-ökonomisches Modell nicht grundlegend ändern wird – ein pragmatischer Kurswechsel.
Kanada widersetzt sich den Zöllen der Trump-Regierung, während andere Nationen sie widerwillig akzeptiert haben; der US-Handelsbeauftragte stellte fest, dass Ottawa noch keine Einigung erzielt hat. Der Streit überschattet die Zukunft des kontinentalen Handelspakts und verdeutlicht die wachsende Kluft zwischen den beiden Nachbarn.
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