
Welterfolg des ‚Teufels‘: ‚Prada 2‘ spielt global 115 Millionen Dollar ein – und spaltet die Kritik
Die Kinokassen dieser Woche haben eine überraschende Botschaft gesandt: Das Sequel ‚Der Teufel trägt Prada 2‘, das vor knapp zwei Wochen in die Kinos kam, hat sich mit einem geschätzten weltweiten Einspielergebnis von 115 Millionen Dollar an die Spitze der Charts gesetzt. In Nordamerika allein verbuchte der Film 77 Millionen Dollar am Eröffnungswochenende und verdrängte damit das Michael-Jackson-Biopic ‚Michael‘ auf den zweiten Platz. Aus Washingtoner Sicht ist dies ein bemerkenswerter Erfolg für ein Mid-Budget-Projekt ohne Superhelden-Franchise – ein Zeichen, dass das Kinopublikum nach wie vor hungrig ist nach starken, starzentrierten Erzählungen. Die Saison der Sommer-Blockbuster hat damit ihren ersten Überraschungserfolg gefeiert.
Aus europäischer Perspektive bestätigt sich der Trend. In Italien spielte der Film allein an den ersten drei Tagen 8,2 Millionen Euro ein, wie die Nachrichtenagentur ANSA meldet, und übertraf damit die Erwartungen deutlich. Beobachter in Madrid und Berlin heben jedoch nicht nur die finanziellen Zahlen hervor, sondern auch die kulturelle Resonanz: Die spanische ‚La Gaceta‘ diagnostiziert dem Sequel eine gewisse Nostalgie – es verhandle die Krise des Journalismus in Zeiten knapper Budgets, verliere aber gegenüber dem Original jene visuelle Subtilität, die die Kostüme von Patricia Field einst auszeichnete. Die deutsche ‚Bild‘-Zeitung widmet sich dafür umso ausführlicher den neuen Looks, die Kostümdesignerin Molly Rogers entworfen hat: von strenger Businesskleidung bis zu verspielten Mode-Momenten, die den Charakteren Macht und Status verleihen.
In Japan, wo die erste ‚Prada‘-Verfilmung ebenfalls Kultstatus genießt, fokussiert die Berichterstattung auf die Hauptdarstellerin Anne Hathaway. Die ‚Mainichi Shimbun‘ zeichnet ihren Weg von der Prinzessinnen-Rolle in ‚Plötzlich Prinzessin‘ bis zum Oscar-Gewinn nach und sieht in ihrer Darstellung der erwachsenen Andy Sachs das Herz des Films. Die Fähigkeit der Schauspielerin, Emotionen unmittelbar zu transportieren, mache den Sequel zu einem ermutigenden Plädoyer für die Rückkehr zu den eigenen Wurzeln. Zugleich bleibt die Frage nach der Authentizität des Mode-Milieus virulent: Der australische ‚Sydney Morning Herald‘ erinnert an die anfängliche Eisigkeit von Vogue-Chefin Anna Winfour gegenüber dem ersten Film – eine Haltung, die sich inzwischen zu einer verhaltenen Anerkennung gewandelt habe, wie ein aktueller Podcast des Blattes belege.
Die russische Kritik, vertreten durch das Medium Meduza, fällt ein nüchternes Urteil: Der Sequel sei „sehr schön und völlig sinnlos“ – ein treuer Spiegel des Originals, der aber keine ernsthaften Einblicke in die Krise des Printjournalismus biete. Die Frage, ob der Film dieselbe kulturelle Wucht entfalten kann wie der Vorgänger aus dem Jahr 2006, bleibt offen. Während Meryl Streep in einem Nebeninterview über einen alten ‚Beef‘ mit Goldie Hawn plauderte, scheint das eigentliche Drama hinter den Kulissen – der Wandel von Mode und Medien – das Publikum dennoch zu fesseln. Für den deutschsprachigen Raum, wo das Kino weiterhin von amerikanischen Produktionen dominiert wird, könnte dies ein Signal sein: Die Lust an stilvoller, starzentrierter Unterhaltung ist ungebrochen, und der Teufel trägt nicht nur Prada, sondern auch den Erfolg.
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