
Weltstillwoche: Stillraten sinken, Unterstützung für Mütter bleibt lückenhaft
Während der Weltstillwoche zeigen Daten aus Indien einen Rückgang des ausschließlichen Stillens, und Experten aus mehreren Ländern verweisen auf fehlende Beratung, Fehlinformationen und unzureichende Arbeitsplatzbedingungen.
Die vom 1. bis 7. August begangene Weltstillwoche rückt erneut die Diskrepanz zwischen medizinischer Empfehlung und Versorgungsrealität in den Fokus. In Indien etwa sank der Anteil der in den ersten sechs Monaten ausschließlich gestillten Säuglinge von 63,7 Prozent in der nationalen Familiengesundheitserhebung NFHS-5 auf 55,8 Prozent in der Folgebefragung NFHS-6. Als mögliche Ursachen nennen die Autoren der Analyse unter anderem die Zunahme von Kaiserschnitten, die mit einem verzögerten Stillbeginn einhergehen, sowie eine unzureichende Unterstützung der Mütter – von der Geburtsklinik über das Zuhause bis zum Arbeitsplatz.
Ein zentrales Hindernis ist der Mangel an qualifizierter Stillberatung. Der iranische Kinderarzt und Experte der Gesellschaft zur Förderung des Stillens, Khalil Farivar, kritisiert die unzureichende Ausbildung des medizinischen Personals und fordert mehr ganztägig tätige Laktationsfachkräfte in Kinderkliniken und Beratungsstellen. Auch in Indonesien betont die Kinderärztin und Laktationsberaterin Revina Tranggana, dass Mütter nicht voreilig zu sogenannten Stillboostern greifen sollten. In den ersten drei Tagen nach der Geburt verfüge das Neugeborene über ausreichende Zucker- und Fettreserven; erst wenn danach keine Milchproduktion einsetze, sei die Einnahme von Präparaten zu erwägen. Entscheidend sei jedoch das regelmäßige Entleeren der Brust alle zwei bis drei Stunden, da sonst Milchstau und Mastitis drohten.
Dass Stillen nicht schmerzhaft sein muss, unterstreichen brasilianische Fachärzte. Der Gynäkologe und Geburtshelfer Wagner Hernandez sowie der Mastologe Alexandre Pupo Nogueira vom Hospital Sírio-Libanês in São Paulo sehen die häufigste Ursache für schmerzhafte Rhagaden in einer fehlerhaften Anlegetechnik, bei der das Kind nur die Brustwarze statt des Warzenhofs erfasst. Ein korrektes Anlegen – weiter Mund, nach außen gestülpte Lippen, die das Brustwarzenumfeld umschließen – sowie das Unterbrechen des Vakuums vor dem Abnehmen des Säuglings können dem vorbeugen. Persistierende Schmerzen, Rötungen oder Fieber erfordern eine ärztliche Abklärung, da eine Mastitis zwar nicht immer antibiotikapflichtig ist, aber stets beurteilt werden sollte.
Neben der klinischen Betreuung fehlt es vielerorts an strukturellen Voraussetzungen. In Australien weist die Kolumnistin Kirstin Ferguson auf die rechtlichen Verpflichtungen von Arbeitgebern hin, stillenden Müttern einen privaten Raum mit bequemer Sitzgelegenheit, Kühlschrank und Aufbewahrungsmöglichkeit für die Milchpumpe bereitzustellen. Die Verweigerung solcher Einrichtungen könne als Diskriminierung und Verstoß gegen Arbeitsschutzgesetze gewertet werden. Farivar verweist zudem auf das Beispiel Saudi-Arabiens, wo Müttern eine zwei- bis zweieinhalbjährige Freistellung gewährt wird, und auf die Verbreitung von Fehlinformationen in sozialen Medien, die Mütter verunsicherten und vom Stillen abbrächten.
Die nächste Wegmarke ist die Umsetzung flächendeckender Unterstützungsangebote. Die indische Analyse fordert bessere Begleitung vom Krankenhaus bis zum Arbeitsplatz, und Farivar plädiert für eine deutliche Aufstockung evidenzbasiert arbeitender Stillberaterinnen und -berater. Ob und wie Gesundheitssysteme diese Forderungen aufgreifen, wird sich in den kommenden Erhebungen und politischen Initiativen zeigen.
| Subsaharisch-afrikanische Presse | +0.30 | aligned |
|---|---|---|
| Lateinamerikanische Presse | −0.20 | neutral |
| Iranische & verwandte Presse | +0.10 | neutral |
| Atlantische / angloamerikanische Presse | −0.40 | critical |
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