
Zack Polanski und die Antisemitismus-Debatte: Britische Lokalwahlen als Test für den grünen Aufschwung
Der Aufstieg des grünen Spitzenkandidaten Zack Polanski wird von Antisemitismus-Vorwürfen überschattet. Die britischen Lokalwahlen könnten eine Richtungsentscheidung werden.
Die britischen Lokalwahlen am Donnerstag stehen im Zeichen eines ungewöhnlichen Wahlkampfthemas. Nicht Fragen der lokalen Infrastruktur oder der Abfallentsorgung beherrschen die Debatte, sondern der Vorwurf des Antisemitismus – und die Frage, wie bereit die Wähler sind, über solche Anschuldigungen hinwegzusehen. Im Zentrum steht Zack Polanski, der 43-jährige Vorsitzende der Grünen, der als Jude und selbsternannter „Nicht-Zionist“ eine neue politische Strömung verkörpert: den Ökopopulismus. Mit einer Rhetorik, die Einwanderungsnarrative der Rechten aufgreift und gegen die Eliten wendet – „Die Bedrohung kommt nicht in Schlauchbooten, sie kommt im Privatjet“ – spricht Polanski gezielt junge, muslimische und von der Labour-Partei enttäuschte Wähler an.
Aus Londoner Sicht ist Polanski ein Phänomen, das Premierminister Keir Starmer und den Brexit-Vordenker Nigel Farage gleichermaßen herausfordert. Während Labour und Reform UK in einer jüngsten YouGov-Umfrage mit je 33 Prozent als die Parteien gelten, die am stärksten mit Antisemitismus assoziiert werden, sehen nur 25 Prozent der Befragten ein entsprechendes Problem bei den Grünen. Doch die Kontroversen um Polanski reißen nicht ab. In einem Interview mit ITV erklärte er, kein Staat habe ein Existenzrecht – eine Aussage, die in jüdischen Kreisen Empörung auslöste und seine Popularität in Umfragen schrumpfen ließ. Zuvor hatte er bereits die Behandlung eines Tatverdächtigen durch die Polizei nach einem Messerangriff auf zwei Juden in Golders Green kritisiert.
Aus Washingtoner und Jerusalemer Perspektive wird die Lage mit Sorge beobachtet. Der britische Botschafter in Israel, Simon Walters, betonte in einer Pressekonferenz, die Regierung ergreife „mehr als nur Worte“ zum Schutz der jüdischen Gemeinden – ein Hinweis auf die gestiegene Zahl antisemitischer Vorfälle, die zuletzt auch in den USA und Australien tödliche Folgen hatten. Beobachter in Peking und anderen Hauptstädten verfolgen indes die Entwicklung eher am Rande, sehen aber in Polanski einen möglichen Prototyp für eine neue, populistischere Form grüner Politik in Europa. Französische Medien wie Le Temps und Le Figaro porträtieren ihn als „Anti-Starmer“ und „Ökopopulisten“, der die Umweltpolitik zugunsten von sozialer Gerechtigkeit und identitätspolitischen Positionen zurückstellt.
Die Wahl am Donnerstag wird zeigen, ob Polanskis Strategie aufgeht. Sollten die Grünen wie erwartet zulegen, wäre dies ein Signal für eine europäische Neuausrichtung der grünen Bewegung – hin zu mehr Populismus und einer schärferen Haltung gegenüber Israel. Für die Labour-Partei wäre es ein weiteres Warnzeichen, dass die traditionelle Linke ihre Wählerbasis nicht mehr als selbstverständlich betrachten kann. Auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz, wo grüne Parteien mit ähnlichen Spannungen zwischen Realpolitik und Fundamentalopposition kämpfen, wird der Ausgang genau verfolgt: Der Erfolg eines grünen Antizionisten könnte die Debatte über Nahost und Antisemitismus in ganz Europa nachhaltig verändern.
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