
Zwischen Energiekrise und Militärmacht: Asiens neue Ordnung formiert sich
ASEAN-Staaten ringen um Energiesicherheit, Japan rüstet auf – und eine Mitte-Mächte-Koalition zeichnet sich ab. Ein Lagebericht aus dem Indopazifik.
Während sich die Staats- und Regierungschefs der ASEAN-Staaten auf der philippinischen Insel Cebu zu ihrem Gipfeltreffen versammeln, steht die Region vor einer doppelten Belastungsprobe. Einerseits zwingt die Energiekrise, die durch die Nahostkonflikte weiter angeheizt wird, die stark von Treibstoffimporten abhängigen Volkswirtschaften zu dringenden Abstimmungen über die Versorgungssicherheit. Andererseits wächst das Bewusstsein, dass die traditionelle Sicherheitsarchitektur im Indopazifik bröckelt – und neue Allianzen jenseits der alten Blocklogik nötig sind.
Aus Sicht der südostasiatischen Staaten ist die Lage prekär: Der Krieg im Nahen Osten hat die Preise für Flüssiggas und Rohöl in die Höhe getrieben und trifft Länder wie die Philippinen, Thailand oder Vietnam direkt in ihrer wirtschaftlichen Lebensader. Die philippinische Außenministerin Maria Theresa Lazaro betonte, dass die Sicherung von Energie und Nahrungsmitteln die höchste Priorität habe. Zugleich, so der Entwurf einer Abschlusserklärung, die der Nachrichtenagentur Associated Press vorliegt, wollen die ASEAN-Länder ihre Bekenntnis zu Völkerrecht, Souveränität und Navigationsfreiheit erneuern – ein indirekter, aber deutlicher Verweis auf die Interventionen der USA, Israels und des Irans in der Region.
Es ist ein Balanceakt zwischen realer Abhängigkeit und strategischer Autonomie. In Tokio verfolgt man diese Entwicklungen mit großer Aufmerksamkeit, aber auch mit eigenen Ambitionen. Japan, das mit seiner pazifistischen Nachkriegsverfassung jahrzehntelang Zurückhaltung bei Rüstungsexporten übte, hat kürzlich die Regeln gelockert und den Weg für den Export hochwertiger Militärtechnik freigemacht.
Gleichzeitig stellte die Marine mit einem neuen U-Boot der Taigei-Klasse die modernste Einheit ihrer Flotte in Dienst. Das leise, hochautomatisierte Jagd-U-Boot soll die japanische Präsenz im Ost- und Südchinesischen Meer verstärken – Gewässer, die auch für den globalen Handel von zentraler Bedeutung sind. Beobachter in Peking werten den Schritt als Teil einer umfassenden Modernisierung, die auf eine Abschreckung gegenüber Chinas wachsender Seemacht abzielt.
Was sich abzeichnet, ist eine Neuordnung der strategischen Landschaft jenseits der etablierten Bündnisse. Vom Washingtoner Standpunkt aus betrachtet sind die USA zwar nach wie vor der wichtigste Sicherheitsgarant, doch die zunehmende Unberechenbarkeit der amerikanischen Außenpolitik treibt gerade kleinere und mittlere Mächte dazu, eigene Netzwerke zu knüpfen. Die Philippinen, aber auch Australien und Südkorea forcieren sogenannte „Middle-Power-Koalitionen“ – flexible, themenbezogene Partnerschaften, die nicht mehr allein auf die alte Zweierkonstellation USA–China angewiesen sind.
Für Deutschland, Österreich und die Schweiz, deren wirtschaftliche Verflechtung mit der Region weiter zunimmt, ist diese Entwicklung von doppelter Bedeutung. Einerseits eröffnen sich neue Optionen für Handels- und Technologiekooperationen jenseits der traditionellen Achsen. Andererseits steigt das Risiko von Friktionen, falls sich die Konflikte im Indopazifik weiter zuspitzen.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob die ASEAN-Gipfel lediglich Absichtserklärungen produzieren oder ob die Region tatsächlich fähig ist, aus der Krise eine neue, resilientere Ordnung zu schmieden.
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