
Sibirische Hyperschallforscher zu zwölfeinhalb Jahren Haft wegen Landesverrats verurteilt
Ein Gericht in Nowosibirsk verurteilte zwei Physiker, 82 und 71 Jahre alt, zu langen Haftstrafen. Der Vorwurf: Landesverrat durch eine wissenschaftliche Publikation im Ausland. Der Prozess fand hinter verschlossenen Türen statt.
Ein Gericht im sibirischen Nowosibirsk hat zwei führende Physiker wegen Landesverrats zu jeweils zwölfeinhalb Jahren Haft in einer Strafkolonie mit strengem Regime verurteilt. Der 82-jährige Valeri Swerginzew, Gründungsdirektor des Labors für Aerogasdynamik hoher Geschwindigkeiten am Institut für Theoretische und Angewandte Mechanik der Sibirischen Abteilung der Russischen Akademie der Wissenschaften, und der 71-jährige Wladislaw Galkin, Dozent an der Polytechnischen Universität Tomsk, wurden am Dienstag für schuldig befunden. Das Strafmaß umfasst zudem eine anderthalbjährige Freiheitsbeschränkung nach Verbüßung der Haft. Bis zur Rechtskraft des Urteils bleiben die Wissenschaftler unter Hausarrest.
Die genauen Anklagepunkte sind offiziell nie bekanntgegeben worden; das Verfahren fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Nach Informationen unabhängiger russischer Medien könnte eine in einer ausländischen Fachzeitschrift veröffentlichte Arbeit zur Gasdynamik den Stein ins Rollen gebracht haben. Berichten zufolge war es ein Text in einem iranischen Journal, der die Sicherheitsbehörden auf den Plan rief. Beide Männer hatten in der Hyperschallforschung zusammengearbeitet und gelten als ausgewiesene Experten ihres Fachs. Kollegen hatten nach Swerginzews Festnahme im April 2023 in einem offenen Brief dessen Freilassung gefordert und die Vorwürfe als haltlos bezeichnet.
Aus Moskauer Sicht fügt sich der Fall in ein immer dichter werdendes Netz von Strafverfahren gegen Wissenschaftler, die in sicherheitsrelevanten Bereichen forschen. Der Staat sieht in der unkontrollierten Weitergabe von Erkenntnissen, selbst in Form rein akademischer Publikationen, eine Gefahr für die nationale Sicherheit. Die Behörden betonen, der Schutz militärisch nutzbarer Technologien habe Vorrang vor der Forschungsfreiheit – eine Doktrin, die in den vergangenen Jahren zu einer Reihe ähnlicher Prozesse geführt hat.
Beobachter im Westen bewerten das Urteil als weiteren Schritt der Abschottung Russlands und als Signal an die eigene wissenschaftliche Gemeinschaft. Die systematische Kriminalisierung von Grundlagenforschung, die internationale Kooperation voraussetzt, droht die ohnehin geschwächte russische Wissenschaft zu lähmen. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz, deren Hochschulen und Forschungsinstitute traditionell enge Austauschbeziehungen mit sibirischen Einrichtungen pflegen, verschärft sich die Frage, wie mit Partnern in einem zunehmend repressiven Umfeld zusammengearbeitet werden kann. Manche Kooperationen sind bereits ausgesetzt, andere werden von Sanktionen und Misstrauen überschattet.
Blickt man voraus, so dürfte der Fall Swerginzew und Galkin nicht der letzte seiner Art sein. Das russische Justizsystem hat in den letzten Jahren eine Reihe von Verfahren gegen Wissenschaftler wegen Landesverrats oder Spionage eröffnet, die oft auf der Weitergabe von Informationen über das bloße Veröffentlichen einer Arbeit hinausgehen. Die Spitzenforschung im Land droht so in eine Isolation zu geraten, die ihren Niedergang beschleunigt. Eine Berufung gegen das Urteil ist zwar möglich; ob sie in einem Umfeld, das jede internationale wissenschaftliche Betätigung unter Generalverdacht stellt, Aussicht auf Erfolg hat, bleibt fraglich.
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.40 | critical |
|---|---|---|
| Russische & GUS-Presse | 0.00 | neutral |
Zwei Hyperschallforscher wurden in einem nichtöffentlichen Verfahren in Nowosibirsk wegen Landesverrats zu 12,5 Jahren Haft verurteilt. Die Anklagepunkte bleiben geheim, doch der Fall könnte mit der Veröffentlichung eines Fachartikels in einer ausländischen Zeitschrift zusammenhängen. Die harte Strafe und die mangelnde Transparenz werfen Fragen zur Behandlung von Wissenschaftlern in Russland auf.
Ein Gericht in Nowosibirsk hat zwei Physiker des Hochverrats schuldig gesprochen und zu je 12,5 Jahren Strafkolonie mit strengem Regime verurteilt. Der Prozess fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, die genauen Vorwürfe sind unbekannt. Kollegen hatten zuvor einen offenen Brief zur Unterstützung der Forscher verfasst.
Erweitere deinen Horizont
US-Senat verabschiedet Sanktionspaket mit Zolldrohung gegen Russland-Energiekäufer
2 Sprachen · 40 Quellen
Aus Economy & MarketsSteigende Kreditvorsorgen belasten Bankbilanzen in Schwellenländern
2 Sprachen · 6 Quellen
Aus TechnologyAmazon finanziert privates Gaskraftwerk in Texas – droht größte Einzelemissionsquelle der USA
2 Sprachen · 8 Quellen