
Abschied vom „Prinzen des arabischen Gesangs“: Hany Shaker ist tot
Der ägyptische Sänger Hany Shaker, den die arabische Welt über Jahrzehnte als „Prinzen des Gesangs“ feierte, ist im Alter von 73 Jahren in Paris gestorben. Sein Tod markiert das Ende einer Ära: Shaker galt als letzter Vertreter jener Generation von Sängern, die den klassischen arabischen Tarb stilprägend mit modernen Elementen verbanden. Staatspräsident Abd al-Fattah as-Sisi sprach der Familie und dem ägyptischen Volk sein Beileid aus und würdigte Shaker als Künstler, der mit seiner unverwechselbaren Stimme nationale und soziale Anlässe bereichert habe.
Aus Kairoer Sicht war Shaker mehr als ein Entertainer. Er begann seine Karriere als Kinderdarsteller in der Rolle des legendären Sayyid Darwish, bevor er in den siebziger Jahren mit Liedern wie „Helwa ya Dunya“ bekannt wurde. Musikerkollegen sahen in ihm nach dem Tod von Abdel Halim Hafez den designierten Erben. Shaker selbst pflegte zeitlebens den romantischen, orchestralen Gesang, während sich die Musikszene rasant veränderte. Er stand zweimal dem Syndikat der Musikberufe vor und verteidigte die Rechte etablierter Künstler gegen den Einfluss digitaler Plattformen.
In Paris, wo er sich seit März wegen einer schweren Darmerkrankung in Behandlung befand, verschlechterte sich sein Zustand trotz einer Operation dramatisch. Sein Sohn Sharif schrieb auf Facebook, er habe nicht nur einen Vater, sondern seine Seele verloren. Die Beisetzung soll am Mittwoch in einem Vorort Kairos stattfinden, nachdem die Familie den Ort kurzfristig geändert hatte – eine Entscheidung, die die flexible Handhabung von Trauerzeremonien in Ägypten widerspiegelt.
Beobachter in Beirut erinnern an Shakers besondere Verbundenheit mit dem Libanon. Während der israelischen Angriffe 2024 verschob er eine US-Tournee aus Solidarität. In einem Interview nannte er Beirut seine „erste Liebe“. Diese Geste festigte sein Ansehen über die Grenzen Ägyptens hinaus. Die Zukunft der arabischen Musik wird ohne Shaker ärmer sein – sein Tod hinterlässt eine Lücke, die nur schwer zu schließen ist, denn die nächste Generation sucht noch nach eigenen Wegen zwischen Tradition und Streaming-Ära.
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