
Chinesischer Öltanker in der Straße von Hormus attackiert: Peking schaltet sich ein
Ein unter der Flagge der Marshallinseln fahrender Tanker mit chinesischer Besatzung ist in der Straße von Hormus angegriffen worden. Peking zeigt sich tief besorgt und fordert von allen Seiten Deeskalation.
Der Angriff auf einen chinesischen Öltanker in der Straße von Hormus markiert eine neue Eskalationsstufe in dem seit Wochen schwelenden Konflikt zwischen den USA und Iran. Das Außenministerium in Peking bestätigte am Freitag, dass ein unter der Flagge der Marshallinseln fahrendes Schiff mit chinesischer Besatzung am Montag in der Nähe der strategischen Meerenge attackiert wurde. Es sei ein reines Glück, dass bislang keine Verletzten gemeldet wurden, erklärte Sprecher Lin Jian.
Man sei in Kontakt mit allen Seiten, auch mit Iran, um die Lage zu beruhigen. Der Vorfall ereignete sich nur einen Tag, nachdem die US-Regierung ein Programm zur Begleitung von Handelsschiffen in der Region gestartet hatte. Aus Washingtoner Sicht dient dies dem Schutz freier Seefahrt, stößt in Teheran jedoch auf scharfe Ablehnung.
Die iranischen Revolutionsgarden haben in den vergangenen Tagen mehrfach Vergeltungsschläge gegen Konvois angekündigt und bereits mehrere Frachter beschädigt, darunter einen Containertransporter der französischen Reederei CMA CGM. Die fragile Waffenruhe, die vor einem Monat zwischen beiden Seiten vereinbart wurde, ist damit faktisch hinfällig. Beobachter in Peking betonen, dass die Wasserstraße als Nadelöhr für etwa ein Drittel des weltweiten Öltransports für die Volksrepublik von existentieller Bedeutung ist.
China bezieht einen erheblichen Teil seiner Rohölimporte aus dem Nahen Osten; ein längerer Stopp der Durchfahrt wäre für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt verheerend. Gleichzeitig meidet Peking eine direkte Parteinahme. Lin Jian appellierte an alle Konfliktparteien, „konkrete Maßnahmen zur Verhinderung einer weiteren Verschärfung“ zu ergreifen.
Auch Südkorea ist betroffen: In der Straße von Hormus ereignete sich ein Brand auf einem unter koreanischer Flagge fahrenden Tanker; Seoul hat Ermittler entsandt. Die Häufung von Zwischenfällen verdeutlicht, dass die Anrainerstaaten des Persischen Golfs längst in einen regionalen Flächenbrand geraten sind. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz, deren Energieversorgung ebenfalls von einer stabilen Durchfahrt abhängt, steigen die Risiken.
Noch weichen die Versorger auf alternative Routen aus, doch die Kosten für Transport und Versicherung sind bereits deutlich gestiegen. Sollte die Krise anhalten, könnte Europa schon im kommenden Winter mit Versorgungsengpässen rechnen. China hingegen versucht sich als Vermittler zu profilieren: In den letzten Wochen hat Peking mehrfach seine Bereitschaft erklärt, mit dem Iran und anderen Partnern an einer diplomatischen Lösung mitzuwirken.
Ob die Attacke auf den eigenen Tanker diesen Kurs stützt oder erschüttert, wird sich weisen. Klar ist, dass niemand an einer dauerhaften Blockade der Straße von Hormus interessiert ist – die Eskalation aber zeigt, wie schnell dieses Szenario Wirklichkeit werden kann.
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