
Antisemitismus-Kommission in Australien hört erschütternde Zeugenaussagen
Jüdische Australier berichten von Messerangriffen, Hakenkreuzen an Schulen und einer zunehmend feindseligen Gesellschaft – die Untersuchungskommission beginnt ihre Arbeit.
In Sydney haben diese Woche die öffentlichen Anhörungen der königlichen Untersuchungskommission zu Antisemitismus und sozialem Zusammenhalt begonnen – und bereits die ersten Zeugenaussagen zeichnen ein düsteres Bild. Ein jüdischer Sanitäter aus Victoria berichtete, wie ihn ein Feuerwehrmann bei einem Musikfestival mit einem Jagdmesser bedrohte und ihm drohte, ihn „zu häuten“. Joshua Gomperts, der als Teenager in einer Kippa mit einem Bierglas attackiert worden war, erlebte die jüngste Eskalation am eigenen Leib. Er ist nicht der Einzige: Natalie Levy, eine Jüdin, die in Bondi Beach eine unbeschwerte Kindheit verbrachte, schilderte der Kommission, ihre Tochter sehe heute überall Hakenkreuze auf dem Schulgelände, die Sicherheitsvorkehrungen seien verdreifacht worden. „Sie hat Angst“, sagte Levy. Es sind Geschichten, die ein Land erschüttern, das sich lange eine multikulturelle Idylle zugutehielt.
Der Anlass für die Einsetzung der Kommission war der Terroranschlag auf eine Chanukka-Feier am Bondi Beach im Dezember 2025, bei dem fünfzehn Menschen starben. Doch die Aussagen der ersten zwölf Zeugen machen deutlich, dass die Gewalt nicht aus dem Nichts kam. Bereits seit dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 hat sich die antisemitische Stimmung in Australien – wie in vielen westlichen Ländern – drastisch verschärft. Die frühere Richterin Virginia Bell, die die Kommission leitet, stellte den Zusammenhang mit den Ereignissen im Nahen Osten ausdrücklich her. Der ehemalige Vorstand des Jewish Board of Deputies, Vic Alhadeff, sprach von einer „Zerfaserung des sozialen Gefüges“: Antisemitismus sei von den Rändern ins Zentrum der Gesellschaft gerückt, in Schulen, Universitäten und am Arbeitsplatz.
Aus der Perspektive der australischen Politik ist die Kommission ein Versuch, die Wunde zu heilen, bevor sie tiefer reißt. Bereits mehr als 7.400 schriftliche Eingaben sind eingegangen; weitere Anhörungsblöcke sind für die kommenden Monate geplant. Beobachter in Jerusalem verfolgen die Entwicklung mit Sorge, denn die Anschläge auf jüdische Einrichtungen in Australien reihen sich ein in eine globale Welle des Hasses, die auch durch Europa geht. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz ist der Fall lehrreich: Auch hierzulande haben antisemitische Vorfälle nach dem 7. Oktober stark zugenommen, und die Frage, wie weit die staatliche Gegenwehr reichen darf, wird immer drängender. Die australische Kommission könnte als Modell dienen – oder als Mahnung, wie schnell das Zusammenleben brüchig wird.
Der Überlebende des Bondi-Anschlags, der anonym vor der Kommission aussagte, brachte die Gefühle vieler auf den Punkt: „Was hier gehört wird, ist nicht abstrakt. Es ist gelebte Erfahrung.“ Die Anhörungen, die noch Monate dauern werden, müssen mehr sein als eine bloße Bestandsaufnahme. Sie müssen politische Konsequenzen haben – in Australien und darüber hinaus.
Erweitere deinen Horizont
Washington entzieht brasilianischer Botschafterin das Visum
3 Sprachen · 43 Quellen
Aus Economy & MarketsÖlkonzerne melden sprudelnde Gewinne im zweiten Quartal – Trump rügt „zu viel Geld“
2 Sprachen · 21 Quellen
Aus TechnologySpaceX-Raketenstufe schlägt unkontrolliert auf dem Mond ein
5 Sprachen · 29 Quellen