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Mittwoch, 29. April 2026

Canberra plant Digitalsteuer für Journalismus – Washington spricht von „Erpressung“

Die australische Regierung hat einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der die großen Digitalplattformen bis an den Verhandlungstisch zwingen soll. Meta, Google und TikTok droht eine Abgabe von 2,25 Prozent ihrer australischen Einnahmen, sofern sie nicht freiwillig Vereinbarungen mit einheimischen Medienhäusern zur Vergütung journalistischer Inhalte schließen. Premierminister Anthony Albanese erklärte dazu, die Arbeit der Presse habe einen finanziellen Wert, den sich multinationale Konzerne nicht einfach aneignen dürften. Das Echo aus dem Weißen Haus fiel scharf aus: Die Regierung Trump bezeichnete den Vorstoß als „ausländische Erpressung“, ein großer amerikanischer Technologieverband forderte unverzüglich handelspolitische Gegenmaßnahmen.

Mit dem sogenannten Media Bargaining Incentive knüpft Canberra an ein Gesetz aus dem Jahr 2021 an, das erstmals Zahlungspflichten für Nachrichteninhalte festschrieb. Damals lenkten Google und Facebook ein und schlossen millionenschwere Deals, doch Meta kündigte die Vereinbarungen später wieder auf und zog sich aus dem australischen Nachrichtenmarkt zurück. Nun soll die fiskalische Drohkulisse den fehlenden guten Willen ersetzen. Aus Washingtoner Sicht handelt es sich jedoch um eine verkappte Strafsteuer auf überwiegend amerikanische Unternehmen, die den Wandel der Werbebranche verkenne und keineswegs automatisch zu einem tragfähigen Journalismus führe. Ein Sprecher des US-Handelsbeauftragten erklärte, man werde derlei „diskriminierende Praktiken“ nicht hinnehmen. Beobachter in Peking, wo staatliche Kontrolle das Nachrichtenökosystem ohnehin anders formt, sehen in dem australischen Alleingang vor allem einen Versuch, die Machtbalance zwischen Staat und privatwirtschaftlichen Plattformen neu zu justieren.

Aus europäischer Perspektive entfaltet der Vorgang besondere Relevanz. Die EU hat mit der Urheberrechtsreform und dem Leistungsschutzrecht für Presseverleger einen eigenen Weg eingeschlagen, doch ein steuerlicher Anreiz nach australischem Muster existiert bislang nicht. In Berlin, Wien und Bern dürfte die Entwicklung daher genau beobachtet werden. Deutsche Verlagshäuser wie die FAZ-Gruppe oder kleinere österreichische und Schweizer Medienhäuser klagen seit Jahren über die ungleiche Verteilung der Werbeerlöse, die zunehmend zu den Plattformen abfließen. Ein Steuermechanismus böte einen direkteren Hebel als langwierige Lizenzverhandlungen – sofern er handels- und verfassungsrechtlich standhält. In Moskau wiederum, wo Meta als extremistisch eingestuft und gesperrt ist, quittiert man die Debatte mit der süffisanten Note, dass westliche Demokratien nun mit eigenen Waffen gegen ihre einstigen Vorzeigeunternehmen vorgehen müssten.

Der Ausgang des australischen Experiments ist offen. Während die konservative Opposition und die Grünen das Vorhaben im Parlament vermutlich mittragen werden, droht ein transatlantischer Handelskonflikt, sollte die Abgabe tatsächlich erhoben werden. Zugleich könnte das Modell weltweit Nachahmer finden und die Architektur der digitalen Öffentlichkeit verändern. Die entscheidende Frage lautet, ob sich die Plattformen beugen oder ob der politische Druck aus Washington ausreicht, um das Vorhaben noch vor der geplanten Einbringung ins Parlament im Juli zum Einsturz zu bringen. Für den deutschsprachigen Raum liegt darin mehr als eine ferne politische Auseinandersetzung: Es geht um die Blaupause für eine nachhaltige Finanzierung des Qualitätsjournalismus in einer zunehmend platformabhängigen Informationsordnung.

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Canberra plant Digitalsteuer für Journalismus – Washington spricht von „Erpressung“

Die australische Regierung hat einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der die großen Digitalplattformen bis an den Verhandlungstisch zwingen soll. Meta, Google und TikTok droht eine Abgabe von 2,25 Prozent ihrer australischen Einnahmen, sofern sie nicht freiwillig Vereinbarungen mit einheimischen Medienhäusern zur Vergütung journalistischer Inhalte schließen. Premierminister Anthony Albanese erklärte dazu, die Arbeit der Presse habe einen finanziellen Wert, den sich multinationale Konzerne nicht einfach aneignen dürften. Das Echo aus dem Weißen Haus fiel scharf aus: Die Regierung Trump bezeichnete den Vorstoß als „ausländische Erpressung“, ein großer amerikanischer Technologieverband forderte unverzüglich handelspolitische Gegenmaßnahmen.

Mit dem sogenannten Media Bargaining Incentive knüpft Canberra an ein Gesetz aus dem Jahr 2021 an, das erstmals Zahlungspflichten für Nachrichteninhalte festschrieb. Damals lenkten Google und Facebook ein und schlossen millionenschwere Deals, doch Meta kündigte die Vereinbarungen später wieder auf und zog sich aus dem australischen Nachrichtenmarkt zurück. Nun soll die fiskalische Drohkulisse den fehlenden guten Willen ersetzen. Aus Washingtoner Sicht handelt es sich jedoch um eine verkappte Strafsteuer auf überwiegend amerikanische Unternehmen, die den Wandel der Werbebranche verkenne und keineswegs automatisch zu einem tragfähigen Journalismus führe. Ein Sprecher des US-Handelsbeauftragten erklärte, man werde derlei „diskriminierende Praktiken“ nicht hinnehmen. Beobachter in Peking, wo staatliche Kontrolle das Nachrichtenökosystem ohnehin anders formt, sehen in dem australischen Alleingang vor allem einen Versuch, die Machtbalance zwischen Staat und privatwirtschaftlichen Plattformen neu zu justieren.

Aus europäischer Perspektive entfaltet der Vorgang besondere Relevanz. Die EU hat mit der Urheberrechtsreform und dem Leistungsschutzrecht für Presseverleger einen eigenen Weg eingeschlagen, doch ein steuerlicher Anreiz nach australischem Muster existiert bislang nicht. In Berlin, Wien und Bern dürfte die Entwicklung daher genau beobachtet werden. Deutsche Verlagshäuser wie die FAZ-Gruppe oder kleinere österreichische und Schweizer Medienhäuser klagen seit Jahren über die ungleiche Verteilung der Werbeerlöse, die zunehmend zu den Plattformen abfließen. Ein Steuermechanismus böte einen direkteren Hebel als langwierige Lizenzverhandlungen – sofern er handels- und verfassungsrechtlich standhält. In Moskau wiederum, wo Meta als extremistisch eingestuft und gesperrt ist, quittiert man die Debatte mit der süffisanten Note, dass westliche Demokratien nun mit eigenen Waffen gegen ihre einstigen Vorzeigeunternehmen vorgehen müssten.

Der Ausgang des australischen Experiments ist offen. Während die konservative Opposition und die Grünen das Vorhaben im Parlament vermutlich mittragen werden, droht ein transatlantischer Handelskonflikt, sollte die Abgabe tatsächlich erhoben werden. Zugleich könnte das Modell weltweit Nachahmer finden und die Architektur der digitalen Öffentlichkeit verändern. Die entscheidende Frage lautet, ob sich die Plattformen beugen oder ob der politische Druck aus Washington ausreicht, um das Vorhaben noch vor der geplanten Einbringung ins Parlament im Juli zum Einsturz zu bringen. Für den deutschsprachigen Raum liegt darin mehr als eine ferne politische Auseinandersetzung: Es geht um die Blaupause für eine nachhaltige Finanzierung des Qualitätsjournalismus in einer zunehmend platformabhängigen Informationsordnung.

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