
FCC-Überprüfung von ABC-Lizenzen: Trumps Kimmel-Kampf wird zur Staatsaffäre
Die amerikanische Telekommunikationsbehörde FCC hat am Dienstag eine vorzeitige Lizenzüberprüfung aller ABC-Sender angeordnet – ein beispielloser Schritt, der die persönliche Fehde zwischen Präsident Donald Trump und dem Late-Night-Komiker Jimmy Kimmel endgültig auf die Ebene staatlicher Regulierung hebt. Disney, der Mutterkonzern von ABC, muss binnen dreißig Tagen für acht Fernsehstationen Neuanträge einreichen, obwohl die Lizenzen noch Jahre gültig wären. Aus Washingtoner Sicht ist dies die bislang schärfste Konsequenz aus einer Kaskade gegenseitiger Provokationen: Kimmel hatte am Donnerstag in seiner Sendung über die First Lady gesagt, sie strahle «wie eine werdende Witwe» – eine zugespitzte Anspielung auf Trumps Alter, die kurz vor dem Attentatsversuch beim Galadinner der Hauptstadtkorrespondenten für Empörung im Weißen Haus sorgte.
Präsident und First Lady forderten daraufhin vereint Kimmels Entlassung, wobei Melania Trump von «hasserfüllter Rhetorik» sprach. Kimmel selbst wies in seiner Replik jede Gewaltverherrlichung zurück und bestand auf der Lesart, es handle sich um einen simplen Alterswitz. In Los Angeles und New York formierte sich umgehend prominente Solidarität, etwa von George Clooney, der vor Doppelmoral warnte, während Trump nahestehende Verbände wie die National Religious Broadcasters offiziell Beschwerde bei der FCC einreichten. Für Disneys neuen Konzernchef Josh D’Amaro wird die Affäre so zur ersten großen Bewährungsprobe: Der Druck von rechts trifft auf einen Medienriesen, der um seine Lizenzen fürchtet.
Auffällig ist, dass die FCC ihre Verfügung nicht mit dem Kimmel-Sketch, sondern mit einer seit März laufenden Untersuchung zu Diversitätsrichtlinien bei Disney begründet. Beobachter in europäischen Hauptstädten, gerade in Berlin und Wien, sehen darin ein vertrautes Muster autoritärer Staatsführung: Ein unliebsamer Satiriker wird nicht durch direkte Zensur, sondern durch regulatorische Hebel unter Druck gesetzt. In Russland, wo staatliche Kontrolle über Rundfunklizenzen Alltag ist, wird der Vorgang mit ironischem Wiedererkennen quittiert; chinesische Staatsmedien wiederum nutzen den Fall, um die Verletzlichkeit amerikanischer Pressefreiheit vorzuführen.
Für deutsche und schweizerische Beobachter ist das Vorgehen nicht nur ein amerikanisches Kuriosum, sondern ein Präzedenzfall, der die globale Medienwirtschaft alarmiert. Disney-Aktien reagierten verhalten, Juristen rechnen mit einer langen gerichtlichen Auseinandersetzung um den Ersten Verfassungszusatz. Die eigentliche Botschaft jedoch sendet die politische Inszenierung selbst: Wenn die Exekutive per Aufsichtsbehörde Rundfunklizenzen an Satire zu knüpfen versucht, dann verschieben sich die Koordinaten der Meinungsfreiheit – mit Auswirkungen, die über Amerika hinaus auf die Transatlantische Wertegemeinschaft abstrahlen. In diesem Sinne ist der Streit um Kimmel kein bloßes Boulevardstück, sondern ein Gradmesser dafür, wie robust demokratische Institutionen gegen populistische Vergeltungspanik bestehen.
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