
Bangladeschs Haushalt 2026/27: Steuerentlastungen und schärfere Kontrollen
Mit der Anhebung des steuerfreien Grundfreibetrags und der Abschaffung der SIM-Karten-Steuer will die Regierung in Dhaka die Bevölkerung entlasten, während die Einführung der Steuer-ID-Pflicht für Bankkonten die Steuerbasis verbreitern soll.
Die bangladeschische Regierung hat mit der Vorlage ihres ersten Haushalts unter der Führung der BNP ehrgeizige Akzente gesetzt: Finanzminister Amir Khosru Mahmud Chowdhury kündigte im Parlament in Dhaka eine Mischung aus steuerlichen Entlastungen für Bürger und schärferen Kontrollmechanismen zur Ausweitung der Steuerbasis an. Im Mittelpunkt stand die Erhöhung des steuerfreien Grundfreibetrags von 3,5 auf 3,75 Lakh Taka (rund 3.100 Euro), was insbesondere Haushalten mit mittlerem und geringem Einkommen zugutekommen soll. Gleichzeitig entfällt künftig die umstrittene SIM-Karten-Steuer von 300 Taka, wodurch Mobilfunkdienste für breite Bevölkerungsschichten erschwinglicher werden.
Aus Sicht der Regierung ist dies Teil einer Strategie, die überhöhte Steuerlast im Telekommunikationssektor – derzeit bei etwa 50 Prozent – schrittweise auf ein international üblicheres Niveau zu senken. Die Maßnahmen werden von Beobachtern in Dhaka als Signal gewertet, dass die neue Administration wirtschaftliche Impulse setzen und die Kaufkraft der Bürger stärken will. Allerdings stehen den Entlastungen auch verschärfte Regelungen gegenüber: So wird die Angabe einer Steueridentifikationsnummer (TIN) bei der Eröffnung von Bankkonten künftig verpflichtend – ein Schritt, der darauf abzielt, Steuerhinterziehung einzudämmen und die formelle Wirtschaft zu stärken. Ausnahmen gelten für Studenten, Geringverdiener mit speziellen No-Frills-Konten sowie Rentner und Empfänger staatlicher Sozialleistungen.
Internationale Entwicklungsökonomen sehen in diesem Vorgehen einen konsequenten, wenn auch risikobehafteten Ansatz. Während die TIN-Pflicht das Potenzial hat, das chronische Problem der schmalen Steuerbasis in einem Land mit über 17 Millionen existierenden Konten anzugehen, könnten administrative Hürden für die ländliche Bevölkerung und kleinere Unternehmen zu Friktionen führen. Der Finanzminister betonte, dass derartige Maßnahmen notwendig seien, um die Steuerquote zu erhöhen und langfristig mehr Mittel für öffentliche Investitionen freizusetzen.
Neben den steuerpolitischen Weichenstellungen enthält der Haushalt auch Anpassungen bei Verbrauchssteuern, die direkte Auswirkungen auf die Lebenshaltungskosten haben: So wurden die Mindestverkaufspreise für Zigaretten drastisch erhöht – je nach Preissegment nun auf 62, 92, 160 oder 210 Taka pro 10er-Packung –, während andere Güter und Dienstleistungen von Zollsenkungen profitieren und damit günstiger werden könnten. Beobachter in Dhaka werteten dies als Versuch einer austarierten Fiskalpolitik, bei der gesundheitspolitisch motivierte Steuererhöhungen durch Entlastungen an anderer Stelle aufgewogen werden. Für deutsche und europäische Unternehmen, die in Bangladesch etwa im Textilsektor engagiert sind, dürften die Änderungen bei Produktions- und Importkosten aufmerksam verfolgt werden, auch wenn unmittelbare Auswirkungen begrenzt bleiben.
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