
Bezos als Sponsor und Beyoncé als Gastgeberin: Die Met Gala 2026 zwischen Glamour und Protest
Die diesjährige Met Gala, die am Montag im New Yorker Metropolitan Museum of Art über die Bühne geht, steht unter einem doppelten Spannungsfeld. Während das Costume Institute mit der Ausstellung „Costume Art“ einen ambitionierten kunsthistorischen Brückenschlag wagt – das kuratierte Narrativ will Körperbilder zurückerobern, die die abendländische Tradition lange ignoriert hat –, brodelt bereits vor dem ersten Schritt auf der berühmten Treppe der öffentliche Unmut. Anlass ist die Entscheidung, Amazon-Gründer Jeff Bezos und seine Frau Lauren Sanchez nicht nur als Hauptsponsoren, sondern auch als Ehrenvorsitzende zu benennen. Aktivisten haben eine Plakatkampagne gestartet, die mit Bildern von Urinflaschen auf rotem Teppich auf die prekären Arbeitsbedingungen in den Logistikzentren des Konzerns hinweist – ein Boykottaufruf, der in sozialen Netzwerken weite Kreise zieht.
Aus Sicht der Modebranche wiegt der Eklat schwer, denn die Met Gala gilt als das wichtigste Fundraising-Ereignis des Jahres; allein 2025 brachte es rekordverdächtige 31 Millionen Dollar ein. Die Tickets kosten bis zu 300.000 Dollar, und die Gästeliste, von Anna Wintour persönlich kuratiert, bleibt bis zur letzten Minute ein gehütetes Geheimnis. Dass in diesem Jahr Beyoncé als eine der Gastgeberinnen fungiert – ihr erster Auftritt seit einem Jahrzehnt –, verleiht dem Abend zusätzliche Strahlkraft. Das Motto der Ausstellung hingegen verfolgt einen betont inklusiven Ansatz: Statt antiker Schönheitsideale, wie das von Dolce & Gabbana gewählte Aphrodite-Motiv, sollen vielfältige, von der Kunstgeschichte übersehene Körperbilder in den Fokus rücken.
In Washingtoner Kreisen wird derweil die Frage aufgeworfen, inwieweit sich philanthropische Großspenden und ethische Bedenken überhaupt noch vereinbaren lassen. Beobachter in europäischen Modehauptstädten wie Paris oder Mailand verfolgen die Debatte mit Sorge, denn die Met Gala setzt oft Trends, die bis in die Kollektionen deutscher, österreichischer und Schweizer Luxushäuser ausstrahlen. Die Kontroverse um Bezos könnte das Image des Events nachhaltig beschädigen, zumal die Modebranche selbst zunehmend unter Druck gerät, ihre Lieferketten zu reformieren. Ein Blick nach vorne zeigt: Sollte der Boykottaufruf am Montagabend tatsächlich zu sichtbaren Demonstrationen führen, stünde das Museum vor der schwierigen Aufgabe, zwischen dem künstlerischen Anspruch der Ausstellung und der politischen Symbolkraft seiner Sponsoren zu vermitteln. Die Kunst der Inszenierung wird hier auf eine harte Probe gestellt.
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