
Brasilianischer Einzelhandel uneinheitlich – Argentinien verzeichnet weiter Rückgang
Widersprüchliche Daten aus Brasilien: Ein Index zeigt Wachstum, ein anderer Rückgang. In Argentinien fallen die Konsumausgaben weiter, während die Zahlungsausfälle steigen.
Die Lage des Einzelhandels in Südamerikas größten Volkswirtschaften gibt ein gespaltenes Bild ab. Aus brasilianischer Sicht weisen die jüngsten Zahlen für April in entgegengesetzte Richtungen: Während die Stone-Tochtergesellschaft einen Umsatzanstieg von 5,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat vermeldete, errechnete der konkurrierende Index Cielo einen Rückgang von drei Prozent – der stärkste Einbruch seit März des Vorjahres. Dieser statistische Widerspruch erklärt sich durch unterschiedliche Erhebungsmethoden und Abdeckungsgrade, doch die Analysten in São Paulo deuten ihn als Symptom einer konjunkturellen Verunsicherung: Die Inflation frisst Kaufkraft, die Haushalte sparen gezielter, und der Basiseffekt verzerrt die Vorjahresvergleiche. Beide Indizes stimmen immerhin darin überein, dass die monatliche Veränderung gegenüber März leicht negativ ausfiel, was auf eine nachlassende Dynamik hindeutet.
Ganz anders, aber kaum weniger besorgniserregend, präsentiert sich die Lage in Argentinien. Nach Angaben der Unternehmervereinigung CAME brachen die Einzelhandelsumsätze im April real um 3,2 Prozent zum Vorjahresmonat ein, gefolgt von einem Minus von 1,3 Prozent gegenüber März. In den ersten vier Monaten summiert sich das Minus auf 3,5 Prozent. Beobachter in Buenos Aires betonen, dass der Konsum sich auf das Nötigste konzentriere: Einzig der Apothekenbereich wuchs um 6,1 Prozent, während alle anderen Sparten – von Dekorationsartikel bis hin zu Baumaterialien – Verluste hinnehmen mussten. Zugleich steigen die Zahlungsausfälle privater Haushalte auf den höchsten Stand seit zwanzig Jahren, was die Hoffnung auf eine baldige wirtschaftliche Erholung unter Präsident Javier Milei weiter dämpft.
Die Ursachen sind in beiden Ländern ähnlich gelagert, wenngleich mit unterschiedlicher Intensität. In Brasilien belasten die anhaltend hohen Leitzinsen den Konsum, und die Teuerung bei Lebensmitteln zwingt die Verbraucher zum Sparen. In Argentinien verschärft die chronische Inflation – kombiniert mit einer abrupten Austeritätspolitik – die Einkommensverluste der Mittelschicht. Aus der Perspektive deutscher, österreichischer und schweizerischer Exporteure sind diese Entwicklungen unmittelbar relevant: Maschinenbau, Pharmazie und Luxusgüter zählen zu den klassischen europäischen Lieferungen in die Region. Sinkende Konsumausgaben in Brasilien und Argentinien bedeuten zugleich weniger Nachfrage nach importierten Waren.
Wie geht es weiter? Die brasilianische Notenbank zeigt sich vorerst entschlossen, den Zins trotz der Wachstumsschwäche hochzuhalten, um die Inflationserwartungen zu verankern. In Argentinien hofft die Regierung auf einen Inflationsrückgang im zweiten Halbjahr, doch die Verschuldung der Haushalte und die Rezession lassen eine schnelle Belebung unwahrscheinlich erscheinen. Vor allem der anhaltende Kaufkraftverlust in beiden Ländern könnte die konjunkturelle Erholung noch Monate verzögern – eine Entwicklung, die auch die Handelsbeziehungen zu Europa belasten dürfte.
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