
Milei verschärft Angriffe auf Lula und wünscht Brasilien eine „blaue Wende“
Der argentinische Präsident bezeichnet seinen brasilianischen Amtskollegen erneut als Dieb und Korrupten und unterstützt den rechtskonservativen Herausforderer Flávio Bolsonaro.
Der argentinische Präsident Javier Milei hat seine Attacken auf Brasiliens Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva erneuert und sich offen für einen Regierungswechsel in dem Nachbarland ausgesprochen. In einer Interviewäußerung, die von CNN Brasil und Ámbito Financiero übereinstimmend wiedergegeben wird, bezeichnete Milei Lula als „Ladrón“ und „Korrupten“ und fragte rhetorisch, ob er gelogen habe, als er Lula einen „Presidiário“ nannte. Zugleich äußerte der argentinische Präsident die Hoffnung, dass Brasilien sich „blau male“ – eine Anspielung auf die Farbe der konservativen Opposition – und dass das Land „die Korrupten und Diebe loswerde“. Milei bekräftigte seine Unterstützung für den Präsidentschaftskandidaten Flávio Bolsonaro, den Sohn des ehemaligen, wegen Putschversuchs verurteilten Präsidenten Jair Bolsonaro.
Lula selbst hat seine Kandidatur für eine vierte Amtszeit offiziell vorgestellt. Nach übereinstimmenden Berichten von Il Post und Prothom Alo setzt der 80-jährige Amtsinhaber seine Kampagne auf das Thema nationale Souveränität: Er kündigte ein Gesetz an, das ausländische Kontrolle über brasilianische Rohstoffe – namentlich seltene Erden – verbieten soll, sowie substanzielle Investitionen in die Verteidigung. In Umfragen liegt Lula vor Flávio Bolsonaro, der Vorsprung ist jedoch knapp. Eine Telefonbefragung des Instituts BTG Pactual/Nexus ergab im August für eine Stichwahl lediglich einen Vorsprung von einem Prozentpunkt (46 zu 45 Prozent), wie das argentinische Nachrichtenportal Perfil berichtet.
Die diplomatischen Verwerfungen zwischen Buenos Aires und Brasília haben sich verschärft. Die brasilianische Regierung hatte ihren Botschafter aus Argentinien zu Konsultationen zurückgerufen. Der uruguayische Außenminister Mario Lubetkin warnte, jede Anspannung im Mercosur schade dem Block, der sich in entscheidenden Verhandlungen mit der Europäischen Union und der EFTA befinde. Parallel dazu führte die brasilianische Bundespolizei eine Razzia gegen acht Verdächtige durch, die im Verdacht stehen, für die Wahlperiode Anschläge in Brasília geplant zu haben. Nach Angaben der Polizei tauschten die Beschuldigten Anleitungen zur Herstellung von Sprengsätzen aus und diskutierten die Erstürmung von Gebäuden.
Mileis fortgesetzte Polemik ist nach Einschätzung des argentinischen Portals Perfil in Brasilien bereits teilweise wirkungslos geworden und könnte Lula sogar nützen, der sich als Verteidiger der brasilianischen Autonomie gegen ausländische Einmischung präsentiert. Aus US-amerikanischer Sicht, so die Analyse von Il Post, habe Präsident Donald Trump mit seinen Zöllen auf brasilianische Exporte Lula unfreiwillig geholfen, sich als Hüter der nationalen Unabhängigkeit zu profilieren. Die Präsidentschaftswahl in Brasilien ist für den 4. Oktober angesetzt; eine Stichwahl drei Wochen später gilt als wahrscheinlich.
| Lateinamerikanische Presse | −0.50 | critical |
|---|---|---|
| Indische & südasiatische Presse | +0.20 | neutral |
| Kontinentaleuropäische Presse | 0.00 | neutral |
| Arabische Levante-Maghreb-Presse | 0.00 | neutral |
Fortschrittliche Lateinamerikaner verurteilen Mileis Angriffe auf Lula und verteidigen die Legitimität des brasilianischen Präsidenten.
Lulas Glaubwürdigkeit wird gestärkt, indem seine Verurteilung als rechtlich gültig in Erinnerung gerufen wird, während seine Freilassung als Verfahrenslücke dargestellt wird; dies kriminalisiert Milei, weil er eine verurteilte Person angreift.
Ausgelassen wird die Tatsache, dass Lulas Verurteilung später vom Obersten Gerichtshof mangels Beweisen und wegen Befangenheit des Richters aufgehoben wurde und Lula politisch rehabilitiert wurde.
Lula präsentiert sich als Verteidiger der brasilianischen Souveränität gegen ausländische Einmischung und mobilisiert den Nationalstolz.
Lulas Wahlkampf wird plausibel, indem die Aufmerksamkeit von innenpolitischen Wirtschaftsfragen auf den Schutz natürlicher Ressourcen verlagert wird, wodurch eine externe Bedrohung heraufbeschworen wird, die die Wählerschaft eint.
Ausgelassen wird die Tatsache, dass Lula wegen Korruption inhaftiert war und sein Bild in Brasilien nach wie vor umstritten ist; auch Mileis Angriffe, die andere Narrative dominieren, werden nicht erwähnt.
Ein europäischer Beobachter zeichnet Lulas lange Karriere nach und betont seine Widerstandsfähigkeit und historische Bedeutung, ohne in den laufenden Angriffen Partei zu ergreifen.
Die Erzählung konzentriert sich auf Lulas persönliche Biografie und sein Alter, humanisiert ihn und schafft ein Gefühl historischer Kontinuität, was seine Kandidatur zu einer beruhigenden und unkontroversen Wahl macht.
Der Kontext der brasilianischen politischen Polarisierung und Mileis scharfe Kritik, die in anderen Blöcken im Mittelpunkt der Geschichte stehen, werden ausgelassen.
Die brasilianischen Sicherheitsbehörden warnen vor einem gewalttätigen Komplott zur Destabilisierung der Wahlen und fordern Wachsamkeit und vorbeugende Maßnahmen.
Die Bedrohung wird durch operative Details (Alter der Verdächtigen, Diskussionen über Sprengstoff) und wiederholte Verweise auf Brasília konkretisiert, was ein Gefühl der Dringlichkeit erzeugt und die Polizeiaktion legitimiert.
Jeglicher Bezug zu bestimmten politischen Kandidaten oder früheren Episoden politischer Gewalt, wie dem Sturm auf den Kongress am 8. Januar 2023, wird weggelassen, was auf ein politisches Motiv hätte hindeuten können.
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