
Brasiliens Staatsverschuldung erreicht mit 81,9 Prozent des BIP den höchsten Stand seit der Pandemie
Das nominale Defizit nähert sich der Zehn-Prozent-Marke, getrieben von rekordhohen Zinsausgaben. Investoren fordern steigende Risikoprämien.
Die Bruttoschuld der brasilianischen Zentralregierung ist im Juni auf 81,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gestiegen – den höchsten Wert seit April 2021, wie aus den Fiskalstatistiken der Notenbank hervorgeht. Das nominale Defizit erreichte in den zwölf Monaten bis Juni 9,99 Prozent des BIP, getrieben von Zinsausgaben in Höhe von 8,8 Prozent des BIP. Ohne die Gewinne aus Währungsswaps hätte der Fehlbetrag sogar 10,55 Prozent betragen, wie Fernando Montero, Chefvolkswirt der Maklerfirma Tullett Prebon, anmerkt. Die Zinslast summiert sich auf 1,160 Billionen Real (rund 8,8 Prozent des BIP), wovon drei Viertel an den Leitzins Selic von 14,25 Prozent gebunden sind.
Die mangelnde Glaubwürdigkeit der Fiskalregel treibt die Risikoprämien in die Höhe: Inflationsindexierte Anleihen (NTN-B) werfen eine reale Rendite von acht Prozent ab, wie Lucinda Pinto, Wirtschaftsanalystin und Redakteurin bei CNN Money, erläutert. Dies erschwere Unternehmen die Refinanzierung und den Zugang zum Kapitalmarkt. Besonders betroffen seien Firmen, die stark von der Binnenkonjunktur abhängen. Zugleich weitet die Regierung unter Präsident Luiz Inácio Lula da Silva die Kreditprogramme aus – mit einem Volumen von mindestens 332,8 Milliarden Real im Jahr 2026, wie eine Aufstellung des Nachrichtenportals Poder360 zeigt. Diese Maßnahmen stehen im Gegensatz zur straffen Geldpolitik der Notenbank, die mit der hohen Selic die Nachfrage bremsen will. Der Ökonom Lucas Buffon von der Vermögensverwaltung GT Capital warnt, die Kreditexpansion könne den Spielraum für weitere Zinssenkungen verkleinern, falls die Inflation hoch bleibe.
Analysten von Valor Econômico und Band rechnen für das Jahresende 2026 mit einer Schuldenquote von 83 Prozent, mittelfristig mit einem Anstieg auf 100 Prozent, sollte das Wirtschaftswachstum schwach bleiben. Der De-facto-Ausfall der Fiskalregel zwinge zu strukturellen Einschnitten: Eine Entkoppelung der Renten vom Mindestlohn sowie eine Abschaffung der automatischen Ausgabensteigerungen für Gesundheit und Bildung gelten als unausweichlich, um den Primärüberschuss zu verbessern und den Leitzins zu senken. Der nächste fiskalische Test wird die Vorlage des Haushaltsentwurfs für 2027 im zweiten Halbjahr sein, wenn über die Verlängerung der Ausnahmen von der Schuldenbremse entschieden wird.
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