
CBS entlässt '60 Minutes'-Korrespondent Scott Pelley nach harscher Kritik an Chefredakteurin
Nach einer konfrontativen Mitarbeiterversammlung feuerte CBS den langjährigen Korrespondenten Scott Pelley. Er hatte der neuen Chefredakteurin Bari Weiss vorgeworfen, das Magazin zu »ermorden«.
Der abrupte Rauswurf von Scott Pelley, einem der profiliertesten Gesichter der CBS-Urgesteine, markiert den vorläufigen Höhepunkt einer tektonischen Verschiebung im US-Fernsehjournalismus. Am Dienstagabend teilte ihm Nick Bilton, der erst wenige Tage zuvor als neuer Executive Producer von »60 Minutes« installiert worden war, die fristlose Kündigung mit – »aus wichtigem Grund, mit sofortiger Wirkung«, wie es in dem von mehreren Quellen zitierten Schreiben hieß. Offiziell begründete Bilton den Schritt mit Pelley’s »performativer Feindseligkeit« während einer Mitarbeiterversammlung, die dieser genutzt habe, um den Produzenten und seine Qualifikation öffentlich herabzuwürdigen.
Der Eklat hatte sich am Montag bei einer ersten Belegschaftsversammlung unter Biltons Leitung ereignet. Pelley ergriff dort nach übereinstimmenden Berichten das Wort und attackierte nicht nur Bilton persönlich, sondern vor allem die neue Chefredakteurin Bari Weiss. Er warf ihr vor, die seit 1968 ausgestrahlte Institution zu »ermorden«, und kritisierte die Entlassung langjähriger Produzenten und Korrespondenten. Eine von NBC News veröffentlichte Tonaufnahme dokumentiert seine Worte: »Sie liebt diesen Ort nicht. Sie wurde hereingeholt, um ihn zu zerstören.« Das arabischsprachige Blatt An-Nahar und die Los Angeles Times berichteten zudem, dass in den Tagen zuvor bereits zwei On-Air-Reporter – Sharyn Alfonsi und Cecilia Vega – sowie die bisherige Executive Producer Tanya Simon entlassen worden waren.
Internationale Beobachter verfolgen die Vorgänge mit wachsendem Interesse. Aus Madrider Sicht (El País) ist Weiss eine konservative, Trump-nahe Journalistin, deren Berufung im vergangenen Oktober Paramount-Skydance-Chef David Ellison forcierte, um CBS News politisch in die Mitte zu rücken. In Hongkong (South China Morning Post) verweist man auf den Exodus von mehr als einem halben Dutzend Journalisten und zitiert Netzwerkquellen, die eine strategische Neuausrichtung unter dem Druck Trumpscher Regulierungsbehörden befürchten. Für das deutschsprachige Publikum wirken solche direkten politischen Eingriffe in eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt befremdlich; hierzulande hätte ein vergleichbarer Umbau vermutlich breiten publizistischen und politischen Aufschrei provoziert.
Der Fall Pelley wirft ein Schlaglicht auf die Fragilität redaktioneller Unabhängigkeit in den USA, sobald wirtschaftliche und regulatorische Interessen ins Spiel kommen. Der von Weiss verordnete Kurswechsel zielt offenbar darauf, republikanische Kritik an angeblicher Linkslastigkeit zu entkräften – ein Kalkül, das in Peking oder Moskau als Beleg für die Instrumentalisierung westlicher Medien gewertet werden dürfte. Wie es bei »60 Minutes« ohne seine erfahrensten Köpfe weitergehen soll, ist offen; Bilton setzt nun auf Einzelgespräche mit den verbliebenen Mitarbeitern, während die öffentliche Glaubwürdigkeit des Senders auch außerhalb der USA zu erodieren droht.
| Atlantische / angloamerikanische Presse | −0.30 | critical |
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| Kontinentaleuropäische Presse | −0.80 | critical |
| Chinesische Presse | 0.00 | neutral |
Der Sender entließ den Korrespondenten, nachdem er die neue Führung öffentlich beschuldigt hatte, die Sendung zu 'ermorden'. Der neue Produzent sprach von 'performativer Feindseligkeit' und gescheiterten Dialogversuchen. Der Vorfall vertieft die Erschütterung innerhalb des Flaggschiff-Nachrichtenmagazins.
Die Ernennung einer konservativen Chefredakteurin mit Nähe zu Trump hat einen immer heftigeren Sturm entfacht. Die Entlassung des Veteranen ist nur die jüngste Episode eines internen Krieges, in dem Verteidiger des Programmerbes zum Schweigen gebracht werden. Ein ideologisches Management zerstört eine journalistische Institution.
Der Korrespondent wurde nach einem Zusammenstoß mit neuen Chefs vor dem Hintergrund mehrerer Abgänge entlassen. Der Vorfall wird als Signal der Turbulenzen in den amerikanischen Medien dargestellt. Ohne offenen Kommentar konzentriert sich die Darstellung auf eine reine Chronik der Fakten.
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