
Der Fall Hanania Travel: Wie indonesische Promi-Influencer in einen Pilgerreisebetrug verwickelt wurden
Die Polizei in Jakarta hat mehrere prominente Influencer vorgeladen, die für die umstrittene Pilgerreiseagentur Hanania Travel warben – einige erhielten kostenlose Reisen und Bargeld.
In den Ermittlungen gegen den indonesischen Pilgerreiseanbieter Hanania Travel hat die Polizei in Jakarta ein Netzwerk von Influencern und Prominenten durchleuchtet, das nicht nur mit Gratisreisen, sondern auch mit teils erheblichen Geldzuwendungen geködert wurde. Am Donnerstag wurden die Model- und TV-Persönlichkeit Paula Verhoeven sowie der Komiker Praz Teguh von der Kriminalpolizei als Zeugen vernommen. Sie sind zwei von insgesamt sechs bisher befragten Social-Media-Größen, die für die umstrittene Agentur geworben hatten.
Aus Sicht der indonesischen Behörden steht der Vorwurf im Raum, dass die Influencer durch ihre Reichweite Vertrauen bei potenziellen Pilgern aufbauten, während das Unternehmen mutmaßlich Spendengelder veruntreute. Ersten Erkenntnissen zufolge erhielten einige von ihnen neben einer kostenlosen Umrah-Reise auch ein individuell verhandeltes Taschengeld. Ein Zeuge hat bereits freiwillig Geld zurückgezahlt. Die Polizei betont, dass sich die Befragungen auf die Vertragsbeziehungen und die Rolle Dritter konzentrieren, da mehrere Prominente nicht direkt mit Hanania Travel, sondern über Vermittler oder TV-Sender verhandelt hatten.
Die prominenten Zeugen selbst kooperieren nach eigenen Angaben vorbehaltlos. Paula Verhoeven erklärte nach ihrer knapp dreistündigen Befragung, sie sei über eine Fernsehsendung zur Reise eingeladen worden und habe rund 30 Fragen beantwortet. Praz Teguh übergab Dokumente zu seiner Reise im Februar 2026 und drückte sein Mitgefühl für die Geschädigten aus. Beide betonten, sie seien nicht Beschuldigte, sondern sähen sich als Unterstützer der Aufklärung.
Für Reisende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wirft der Fall ein Schlaglicht auf die zunehmende Verflechtung von Influencer-Marketing und Reiserecht. Gerade im boomenden Segment muslimischer Pilgerreisen könnte die unkritische Empfehlung durch Online-Persönlichkeiten fatale finanzielle Folgen haben. Die indonesischen Ermittlungen, die noch weitere Ladungen erwarten lassen, könnten als Musterbeispiel für eine dringend notwendige Regulierung solcher Werbekooperationen dienen – ein Thema, das auch in Europa an Relevanz gewinnt.
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