
Die Strasse von Hormus drosselt den globalen Flugverkehr – steigende Kerosinpreise und erste Annullationen
Die plötzliche militärische Blockade der Strasse von Hormus hat eine Schockwelle durch die internationale Luftfahrtbranche gesandt, deren Tragweite sich erst allmählich abzeichnet. Seit Anfang März der Konflikt zwischen dem Iran, Israel und den Vereinigten Staaten eskalierte und zeitweise Raketen auf US-Militärbasen am Golf niedergingen, ist die wichtigste Lebensader des globalen Öltransports unterbrochen. Für die zivile Luftfahrt bedeutet dies nicht nur sprunghaft gestiegene Kerosinpreise, sondern auch eine fundamentale Unsicherheit über die Versorgungssicherheit – mit unmittelbaren Folgen für Ticketpreise und Flugpläne auf mehreren Kontinenten.
Aus der Perspektive europäischer Fluggesellschaften kündigte die International Airlines Group, zu der British Airways, Iberia und Aer Lingus zählen, offen Preisanpassungen an. Obwohl der Konzern seine Treibstoffbestände durch langfristige Sicherungsgeschäfte abgesichert hat, sei man gegenüber dem Preisumfeld nicht immun, hiess es. Doch nicht alle Anbieter gehen diesen Weg: Der britische Ferienflieger Jet2 strich die eigentlich vorgesehene Treibstoffzuschlags-Klausel sogar aus seinen Beförderungsbedingungen und brach damit demonstrativ mit der Branchenlogik. Der Vorstandsvorsitzende der Fährreederei Brittany Ferries kritisierte derweil jene Transportunternehmen, die ohne ausreichende Absicherung der Treibstoffkosten operierten, und nannte deren Preismanöver ein Zeichen mangelnder Risikovorsorge.
In der kanadischen Reisebranche werden die Kunden mit den Konsequenzen unmittelbar konfrontiert: Air Transat und Air Canada haben bereits erste Flüge gestrichen. Beobachter in Montréal warnen, dass die Welle von Annullationen noch zunehmen dürfte, denn das Problem reiche tiefer als nur der gestiegene Treibstoffpreis – es gehe um die Verlässlichkeit der gesamten Lieferkette, wie Mehran Ebrahimi von der Université du Québec à Montréal betont. Reiseexperten empfehlen kanadischen Touristen, die einen Sommerurlaub in Europa planen, den Abschluss einer umfassenden Reiseversicherung und die vorherige Prüfung der lokalen Fluggastrechte, deren Schutzniveau von Land zu Land stark variiert.
In der Schweiz zeichnet sich unterdessen eine bemerkenswerte Anpassungsbewegung ab. Zwar halten die Bürger laut dem Schweizer Reise-Verband an ihren Ferienplänen fest, doch die Nachfrage verschiebt sich merklich: Destinationen im westlichen Mittelmeerraum, die Kanaren und die Karibik gewinnen gegenüber den risikoreicheren Fernrouten nach Asien an Beliebtheit. Diese Umorientierung spiegelt das Kalkül wider, mit kürzeren Flugdistanzen sowohl das Annullationsrisiko als auch die Treibstoffkosten zu minimieren.
Wie tief die Verwerfungen reichen, zeigt ein strategisches Detail aus dem pazifischen Raum. Aus Washingtoner Sicht wird der Nachschub an Militärtreibstoff für die eigenen Stützpunkte in Japan und auf den Philippinen nun über aussergewöhnliche Routen organisiert. Tanker, die vom Bundesstaat Washington aus quer über den Pazifik navigieren, ersetzen kurzfristig die Lieferungen aus dem Nahen Osten. Diese Lieferungen sind ein deutliches Signal, dass selbst die bestens abgesicherten Logistikketten der Streitkräfte durch die Hormus-Blockade ins Wanken geraten – ein Vorgeschmack darauf, welcher Belastungsprobe die zivile Luftfahrt im anlaufenden Sommerverkehr ausgesetzt sein wird.
Für die Reisesaison stehen die Vorzeichen auf Sturm. Mit der Fussball-Weltmeisterschaft und den traditionellen Sommer-Peakzeiten kollidieren steigende Kosten, eingeschränkte Flugkapazitäten und ein Flickenteppich nationaler Passagierrechte. Branchenbeobachter erwarten, dass Fluggesellschaften, die nicht konsequent auf langfristige Treibstoffsicherung gesetzt haben, in die Verlustzone geraten könnten. Die Krise dürfte zudem jenen Anbietern Auftrieb geben, die – wie Jet2 – mit stabilen Preisen und kulanten Umbuchungsregeln Vertrauen schaffen. Reisende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz müssen sich in jedem Fall auf ein Jahr einstellen, in dem die gewohnte Selbstverständlichkeit des Fliegens einer neuen Kalkulation von Risiko und Kosten gewichen ist.
Erweitere deinen Horizont
Trump setzt geplante Großangriffe auf Iran aus und knüpft Bedingungen an rasche Einigung
2 Sprachen · 74 Quellen
Aus Economy & MarketsWachstumsprognosen für Indonesien im zweiten Quartal 2026: Regierung und private Institute uneins
3 Sprachen · 11 Quellen
Aus TechnologyVereinigte Arabische Emirate führen nationale Zahlungslösungen für Bundesgebühren ein
1 Sprache · 8 Quellen