
»Ein Geschenk an die Welt«: Hegseth zementiert globale Blockade gegen Iran
Die amerikanische Marinemission vor der iranischen Küste wird nicht nur fortgesetzt, sondern in ihrem Anspruch radikal ausgeweitet. Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte am Freitag im Pentagon, die Seeblockade gegen iranische Schiffe und Häfen werde „so lange es dauert“ aufrechterhalten; zugleich wachse sie „und wird global“. Vierunddreißig Schiffe seien bereits umgeleitet worden, kein Transit durch die Straße von Hormus erfolge noch ohne Genehmigung der United States Navy. Damit verleiht Washington der fast zwei Monate andauernden „Operation Epic Fury“ eine geostrategische Dimension, die weit über den ursprünglichen Konflikt hinausweist. Die von Präsident Trump unter der Woche verkündete Verlängerung der Waffenruhe ist de facto an eine Blockade gekoppelt, die Teheran als Bruch der Vereinbarung wertet. Aus Washingtoner Sicht hingegen diktiert allein das Weiße Haus den zeitlichen Horizont – ein Friedensabkommen mit Iran habe keine Eile, auch wenn der Krieg nicht „endlos“ sein solle, wie Hegseth versicherte.
Der Ton, den der Pentagon-Chef dabei anschlug, vertieft die transatlantische Verärgerung. Er bezeichnete den von den USA und Israel geführten Militäreinsatz als „Geschenk an die Welt“ und warf den europäischen wie asiatischen Verbündeten vor, sie betrieben „Trittbrettfahren“, weil sie keine eigenen Marinekontingente zur gewaltsamen Wiederöffnung der von Iran verminten Wasserstraße entsandt hätten. Tatsächlich hatte Teheran die Straße von Hormus als Reaktion auf die amerikanisch-israelischen Angriffe geschlossen und mit Seeminen blockiert – ein Schnitt, der die globale Ölversorgung empfindlich trifft. In Berlin, Wien und Bern beobachtet man die Entwicklung mit großer Sorge. Die Alpenrepubliken und die Bundesrepublik sind über den Energiemarkt, über Reedereien und Handelsrouten unmittelbar von der Stabilität dieser Passage abhängig. Aus Brüsseler Sicht wächst der Unmut angesichts eines Vorgehens, das das Prinzip der Freiheit der Schifffahrt mit unilateraler Seekontrolle überschreibt, ohne die Alliierten in die operative und politische Entscheidungsfindung einzubinden.
In Teheran ist die Sprachregelung eindeutig: Die Blockade sei ein flagranter Verstoß gegen die Waffenruhe und untergrabe jede Chance auf ernsthafte Verhandlungen. Beobachter in Peking und Moskau registrieren aufmerksam, wie die Vereinigten Staaten hier eine Doktrin der maritimen Genehmigungshoheit etablieren, die das Völkerrecht überdehnt. Für Länder wie Deutschland, das sich wirtschaftsdiplomatisch seit Monaten um Deeskalation bemüht, und für die neutrale Schweiz, deren Hochseeschifffahrt von gesicherten Handelswegen abhängt, ergibt sich ein doppeltes Dilemma: Einerseits teilt man das Ziel, Iran an der Entwicklung einer Nuklearwaffe zu hindern, andererseits hält man die Kombination aus rhetorischer Brüskierung und militärischem Druck für eine gefährliche Sackgasse. Die Vorstellung, der Konflikt sei ein selbstloses amerikanisches Geschenk, stößt in den Hauptstädten des alten Kontinents auf vernehmliche Skepsis.
Die Zukunftsperspektive bleibt prekär. Die Verminung der Straße von Hormus birgt jedes Mal ein Eskalationsrisiko, wenn ein Tanker oder ein Kriegsschiff auf eine der Sprengladungen trifft. Die Ankündigung einer „globalen“ Blockade legt zudem nahe, dass Washington künftig auch außerhalb der Golfregion verdächtige Ladungen auf hoher See abfangen will – ein Anspruch, der mit den maritimen Interessen Chinas und Russlands kollidieren könnte. Wirtschaftlich droht eine längerfristige Störung der Energielieferketten, die der ohnehin schwächelnden Konjunktur in Europa weiteren Schaden zufügen würde. Die wiederholte Beteuerung Hegseths, man sei „auf einen Deal erpicht“, steht in auffälligem Kontrast zu einer militärischen Logik, die Zeit zum strategischen Instrument erhebt. Sollte die Blockade tatsächlich ohne ein robustes multilaterales Mandat und ohne klare Exit-Strategie weiterwuchern, dürften die Risse im westlichen Bündnis tiefer werden – und der Iran-Konflikt sich von einem regionalen Brandherd in eine dauerhafte ordnungspolitische Herausforderung für den Welthandel verwandeln.
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