
London und Brüssel verhängen Sanktionen wegen Verschleppung ukrainischer Kinder
Die EU und Grossbritannien belegen russische Kinderlager und Militärschulen mit Sanktionen. Sie sollen an Zwangsdeportation und Indoktrination ukrainischer Kinder beteiligt sein.
Mit koordinierten Schritten haben die Europäische Union und Grossbritannien am Montag ihr Sanktionsregime gegen Russland ausgeweitet und dabei erstmals systematisch Einrichtungen ins Visier genommen, die an der Verschleppung und Umerziehung ukrainischer Kinder beteiligt sein sollen. Aus Brüsseler Sicht handelt es sich um eine Reaktion auf „schwerwiegende Verstösse gegen das humanitäre Völkerrecht“. Die britische Regierung verhängte gleichzeitig Massnahmen gegen 85 Personen und Organisationen, die nach Erkenntnissen des Foreign Office „pro-kremlnahe Narrative“ im Ausland verbreiten und an der Zwangsdeportation von mehr als 20.000 ukrainischen Kindern mitwirken. In London spricht man von einer systematischen „Militarisierung“ Minderjähriger, die in Russland und den besetzten Gebieten einer ideologischen Umerziehung unterzogen würden.
Die Sanktionsliste der EU umfasst 16 Personen und sieben Organisationen. Darunter befinden sich die bekannten Kinderferienlager „Orljonok“ an der Schwarzmeerküste, „Alje Parussa“ im annektierten Sewastopol sowie das Militärinternat Nachimow-Schule. Aus Moskauer Sicht sind die Vorwürfe haltlos. Der Direktor des Lagers „Smena“ in Anapa, Igor Schurawlew, bezeichnete die Sanktionen als Beleg für die Wirksamkeit der eigenen Arbeit: „Wenn europäische Bürokraten uns sanktionieren, machen wir offenbar alles richtig.“ Die Zentren, so die offizielle Lesart, betrieben lediglich patriotische Jugendarbeit. Die EU hingegen wirft ihnen vor, Kinder aus der Ukraine zwangsweise zu assimilieren, sie in paramilitärischen Programmen zu schulen und an Propagandaveranstaltungen teilnehmen zu lassen, die den russischen Angriffskrieg verherrlichen.
Die Sanktionswelle ist Teil einer breiter angelegten diplomatischen Offensive. In Brüssel tagte unter dem Vorsitz Kanadas, der Ukraine und der EU eine hochrangige Konferenz zum Schicksal der deportierten Kinder, an der 72 Delegationen teilnahmen – darunter erstmals auch die Schweiz als offizielles Mitglied der internationalen Koalition von 47 Staaten und Organisationen. Aus Berner Sicht unterstreicht der Beitritt die Bereitschaft, humanitäre Verantwortung über die übliche Neutralitätspraxis hinaus zu übernehmen. Zugleich haben die Aussenminister der EU nach Angaben von Diplomatiechefin Kaja Kallas die Verhandlungen über ein 21. Sanktionspaket aufgenommen, das in erster Linie den russischen Rüstungskomplex und die sogenannte Schattenflotte treffen soll. Statt auf grosse symbolträchtige Pakete zu setzen, wolle man künftig „im Arbeitsmodus“ kontinuierlich weitere Massnahmen verhängen. Die koordinierte Aktion zeigt: Der Druck auf Moskau soll nicht nachlassen, auch wenn die Durchsetzung des Rückkehrrechts der Kinder in absehbarer Zeit eine der grössten humanitären Herausforderungen bleiben wird.
Erweitere deinen Horizont
Massenansturm auf Ceuta: Zehntausende Migranten überwinden Grenze – Italien setzt Schengen aus
2 Sprachen · 112 Quellen
Aus Economy & MarketsMexikos Wirtschaft wächst im zweiten Quartal so stark wie seit über fünf Jahren nicht mehr
1 Sprache · 18 Quellen
Aus TechnologyChery Q erhält auf der GIIAS 2026 über 6.000 Vorbestellungen
1 Sprache · 15 Quellen