
Extreme Wetterkontraste weltweit: Polarwirbel trifft USA, Hitze-Rekorde in Australien
Während sich Millionen Amerikaner von Texas bis New York auf einen ungewöhnlich scharfen Kälteeinbruch zum Mai-Anfang einstellen müssen, erleben Teile Australiens die wärmsten Maitage seit über einem Jahrhundert – ein Beleg für die zunehmende Unberechenbarkeit der globalen Wetterdynamik. Aus Washingtoner Sicht bereitet vor allem die Geschwindigkeit des Temperatursturzes Sorge: Nach einem verhältnismäßig milden April dringt ein Ausläufer des Polarwirbels tief in die Vereinigten Staaten ein, begleitet von Frostwarnungen für die Südstaaten bis hinauf in den Nordosten. Der Nationale Wetterdienst warnt vor Ernteschäden, da die Vegetation bereits ausgetrieben ist. Die Ursache liegt in einer instabilen Arktis, die immer wieder Kaltluftmassen nach Süden schleudert – ein Phänomen, das Klimaforscher mit der Erwärmung der Polkappen in Verbindung bringen.
Auf der anderen Seite der Weltkugel herrscht vorerst noch Hochsommer: In Victoria, New South Wales und Tasmanien fielen am Freitag Dutzende Mai-Temperaturrekorde. So verzeichnete die Stadt Hobart mit 26,9 Grad einen neuen Höchstwert für diesen Monat, der 144 Jahre alt war. Ein blockierendes Hochdruckgebiet über der Tasmansee hat warme Nordwinde nach Südostaustralien gelenkt und tagelang stabile Hitze beschert. Beobachter in Canberra sehen darin eine typische Wetterlage der Übergangszeit, die jedoch immer häufiger extreme Ausschläge hervorbringt. Die Ruhe hat ein jähes Ende: Meteorologen des Bureau of Meteorology prognostizieren ab dem Wochenende eine Kaltfront mit Regen, Gewittern und stürmischem Wind, der in der kommenden Woche eine polare Kaltluftwelle mit Schnee bis in tiefe Lagen folgen soll.
Auch in Europa zeigt sich der Mai von seiner wechselhaften Seite. In Deutschland begann der Wonnemonat mit sommerlichen Temperaturen um 30 Grad, doch ab Samstagnachmittag ziehen von Nordrhein-Westfalen her Gewitter auf. Der Klimatologe Karsten Brandt spricht von einem abrupten Wetterumschwung: Ab Dienstag werde es kalt und bewölkt. Für das deutschsprachige Publikum ist dieser Kontrast nicht allein meteorologisch interessant, sondern auch wirtschaftlich relevant, etwa für die Landwirtschaft und den Tourismus, der am langen Wochenende auf stabiles Wetter hoffte. In Großbritannien trüben Regen und mitunter kräftige Gewitter den Bank Holiday: Nach 25 Grad im Osten Englands am Samstag fallen die Temperaturen bis Montag landesweit unter 20 Grad, wie der Met Office mitteilt. Die Wetterlage über Europa entspricht einem klassischen Frühlingsmuster, bei dem atlantische Tiefs die Hochdruckgebiete verdrängen, doch die Intensität der jüngsten Warmphasen gibt Anlass zur Diskussion über die Verstärkung solcher Sprünge durch die Klimaerwärmung.
Aus globaler Perspektive zeichnen sich zwei Trends ab: Die Arktis erwärmt sich rasant, was den Polarwirbel destabilisiert und zu häufigeren Kälteausbrüchen in mittleren Breiten führt, während blockierende Hochdruckzonen in anderen Regionen langanhaltende Hitzeperioden begünstigen. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz bedeutet dies, dass der Mai künftig noch stärker zwischen extremen Warm- und Kaltphasen pendeln könnte. Landwirte in Mitteleuropa sollten sich auf späte Fröste einstellen, obwohl die Klimamodelle insgesamt eine Erwärmung zeigen. Die nächsten Tage werden die Widerstandsfähigkeit der Infrastruktur und der Ökosysteme auf beiden Hemisphären auf die Probe stellen.
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