
Zinsentscheidungen in Washington, London und Bogotá vor dem Hintergrund des Nahostkonflikts
Während die US-Notenbank die Zinsen wohl unverändert lässt, mehren sich die Risse im Offenmarktausschuss; die Bank of England dürfte ebenfalls stillhalten, und in Kolumbien wird eine weitere Erhöhung erwartet – alles unter dem Eindruck steigender Ölpreise und geopolitischer Span...
Die Federal Reserve wird auf ihrer Sitzung am 29. Juli nach übereinstimmender Markterwartung die Leitzinsen unverändert lassen. Allerdings wächst laut Beobachtern die Gefahr einer Spaltung im Offenmarktausschuss: Einige Mitglieder plädierten für eine Anhebung, berichtet die brasilianische Zeitung Valor Econômico. Das CME FedWatch Tool zeigt, dass Terminhändler mit einer Wahrscheinlichkeit von fast 80 Prozent eine Zinserhöhung im September einpreisen. Die Entscheidung fällt in eine Woche, in der auch das US-BIP für das zweite Quartal und der PCE-Inflationsindex veröffentlicht werden.
Die Bank of England dürfte am 30. Juli den Leitzins zum wiederholten Mal bei 3,75 Prozent belassen. Ökonomen von Oxford Economics und Nomura rechnen mit einer Mehrheit von sieben zu zwei Stimmen für ein Stillhalten, wie The Independent berichtet. Die britische Inflationsrate war im Juni auf 2,6 Prozent gesunken, den niedrigsten Stand seit 15 Monaten, doch die Notenbank selbst erwartet einen Wiederanstieg auf 3,25 Prozent im späteren Jahresverlauf, getrieben von höheren Energiekosten. Der Preis für Rohöl der Sorte Brent war am Donnerstag erstmals seit Mai über 100 Dollar je Barrel gestiegen, nachdem das Ende der Waffenruhe zwischen den USA, Israel und dem Iran sowie Angriffe auf Schiffe im Roten Meer die Sorge vor Versorgungsengpässen geschürt hatten. Gouverneur Andrew Bailey werde sich voraussichtlich zu den Auswirkungen der erneuten Feindseligkeiten auf den Inflationsausblick äußern, heißt es. Thomas Pugh, Chefökonom von RSM UK, sagte, die Ölpreise würden den Zinspfad im kommenden Jahr maßgeblich bestimmen: Sollten sie im Sommer nahe 100 Dollar bleiben, werde eine Zinserhöhung im September wahrscheinlich.
Die Eskalation im Nahen Osten prägt auch die Edelmetallmärkte. Der Goldpreis stieg am Freitag um 0,6 Prozent auf 4.073,23 Dollar je Feinunze, nachdem er am Vortag unter Druck geraten war. Seit Beginn des von den USA unterstützten Krieges gegen den Iran Ende Februar hat das Edelmetall jedoch rund 23 Prozent an Wert verloren, belastet von der Aussicht auf längerfristig hohe Zinsen. Die chinesische Zentralbank stockte im Mai weiterhin ihre Goldreserven auf, was dem Preis zusätzlichen Halt gab. Analysten verweisen auf das schwierige Gleichgewicht: Gold gilt als Inflationsschutz, doch steigende Zinsen machen das zinslose Metall unattraktiv.
In Kolumbien, wo die Inflationsrate im Juni auf 6,14 Prozent kletterte und damit weit über dem Zielkorridor von zwei bis vier Prozent liegt, wird die Banco de la República auf ihrer nächsten Sitzung voraussichtlich den Leitzins um 50 Basispunkte auf 12,50 Prozent anheben. Eine Umfrage des Thinktanks Anif unter 21 Finanzinstituten ergab, dass zwei Drittel der Befragten diesen Schritt erwarten. Die Währungshüter in Bogotá reagieren damit auf einen anhaltenden Preisauftrieb, der vor allem von Dienstleistungen und Nahrungsmitteln getrieben wird. Die geldpolitischen Entscheidungen der großen Zentralbanken in dieser Woche werden zeigen, wie unterschiedlich die Notenbanken weltweit auf das Zusammenspiel von Konjunkturabkühlung, Inflationsrisiken und geopolitischen Verwerfungen reagieren.
| Atlantische / angloamerikanische Presse | −0.20 | neutral |
|---|---|---|
| Lateinamerikanische Presse | −0.50 | critical |
Central banks navigate between the anchor of the status quo and the need for tightening to contain inflation from oil shocks and geopolitical tensions. Markets remain on hold for clear signals, while the global economy shows signs of slowdown. The approach is cautious, with an eye on financial stability.
Central banks in developed countries, with their monetary tightening, aggravate the vulnerabilities of emerging economies. Higher rates and a strong dollar compress fiscal space and fuel instability. The global South suffers others' choices without being able to influence them.
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