
Geplünderte Heilige und vergessene Friedhöfe: Europas unterirdische Geschichte
Ein gestohlener Schädel, 317 Skelette unter einem Kaufhaus und ein möglicher Musketier – archäologische Entdeckungen in Tschechien, England und den Niederlanden.
In Tschechien hat die Polizei einen spektakulären Fall aufgeklärt: Ein 35-jähriger Mann gestand, den Schädel der heiligen Zdislava aus einer Basilika gestohlen zu haben. Wie Ermittler aus Prag mitteilten, hatte der Täter die Reliquie aus dem 13. Jahrhundert in Beton gegossen und wollte sie in einem Fluss versenken. Als Motiv gab er seinen Widerwillen gegen die öffentliche Zurschaustellung menschlicher Überreste an. Die Polizei fand den Block mithilfe spezieller Geräte, ohne den Knochen zu beschädigen; Restauratoren arbeiten nun an der Befreiung des Schädels. Der Fall wirft in der gesamten Region ein Schlaglicht auf den Spagat zwischen religiöser Verehrung und ethischen Bedenken im Umgang mit historischen Gebeinen.
Nicht weit entfernt, im englischen Gloucester, stießen Bauarbeiter auf eine noch weitaus größere Hinterlassenschaft des Mittelalters: Unter einem ehemaligen Kaufhaus, das zum neuen Campus der Universität umgebaut wird, legten Archäologen 317 menschliche Skelette sowie 83 gemauerte Gruften frei. Aus Londoner Sicht handelt es sich um einen der bedeutendsten Friedhöfe der Region, der teils noch aus der Zeit vor der normannischen Eroberung stammt. Der Fund zeigt, wie dicht die moderne Stadtentwicklung auf mittelalterlicher Bestattungskultur ruht – und dass selbst entweihte Handelsflächen zu unverhofften Geschichtsarchiven werden.
Eine dritte Entdeckung treibt derweil die Gemüter im niederländischen Maastricht um. In der Kirche Sankt Peter und Paul fanden Forscher ein Skelett, das nach Ansicht einiger Historiker dem Grafen Charles de Batz de Castelmore gehören könnte – jenem Adligen, der Alexandre Dumas als Vorlage für d'Artagnan in „Die drei Musketiere“ diente. Die DNA-Analyse läuft noch, doch die mediale Erregung ist bereits groß: Denn würde sich die These bestätigen, bekäme eine der berühmtesten literarischen Figuren der Welt ein reales historisches Gesicht. In den Niederlanden wie auch in Belgien wird nun über die Folgen für den Tourismus spekuliert.
Aus deutschsprachiger Perspektive sind diese Funde mehr als bloße Kuriosa. Sie erinnern daran, dass viele Kirchen und Altstädte in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf ähnlichen Schichten ruhen. Der Umgang mit Reliquien – ob gestohlen oder in Beton gegossen – wirft Fragen nach dem Verhältnis von Glaube, Wissenschaft und Pietät auf. Zugleich zeigen die drei Fälle, wie fragmentarisch unser Wissen über die Alltagswelt des Mittelalters bleibt: Jeder Bauaushub, jede Renovierung kann unerwartete Zeugnisse ans Licht bringen, die das Geschichtsbild verschieben. Die laufenden Restaurierungs- und Analyseverfahren – in Prag, Gloucester und Maastricht – werden nicht nur lokale Archive füllen, sondern helfen, ein gemeinsames europäisches Kulturerbe neu zu vermessen.
| Russische & GUS-Presse | −0.60 | critical |
|---|---|---|
| Chinesische Presse | 0.00 | neutral |
| Lateinamerikanische Presse | +0.10 | neutral |
| Kontinentaleuropäische Presse | +0.30 | aligned |
Ein Krimineller stahl den Schädel der heiligen Zdislava, goss ihn in Beton und plante, ihn aus Hass auf die öffentliche Zurschaustellung menschlicher Überreste in einen Fluss zu werfen. Die Polizei nahm ihn fest, und Spezialisten versuchen nun, die Reliquie unbeschädigt zu bergen. Die Tat wird als Entweihung dargestellt, die Alarm und Empörung auslöst.
Die tschechische Polizei hat den 800 Jahre alten Schädel einer mittelalterlichen Heiligen sichergestellt, nachdem ein Verdächtiger ihn in Beton eingeschlossen hatte. Der Mann gab zu, die Ausstellung menschlicher Überreste abzulehnen und die Reliquie in einen Fluss werfen zu wollen. Ermittler bestätigten mit Spezialgerät den Schädel im Betonblock, ohne ihn zu beschädigen, und Kunstrestauratoren arbeiten an seiner Freilegung. Der Bericht ist sachlich und distanziert.
Bei der Renovierung eines ehemaligen Debenhams-Kaufhauses in Gloucester, England, legten Archäologen 317 menschliche Skelette und 83 Grabgewölbe frei, die mittelalterliche und nachmittelalterliche Friedhöfe offenbarten. Die Entdeckung verwandelte einen modernen Geschäftsraum in eine unerwartete antike Begräbnisstätte und verdeutlicht die verborgenen Schichten europäischer Geschichte unter unseren Füßen.
Im Maastrichter Stadtteil Wolder sorgt ein in einer Kirche gefundenes Skelett für Aufregung, weil einige Experten glauben, es könnte dem französischen Grafen gehören, der Alexandre Dumas zu d'Artagnan inspirierte. Es ist jedoch noch zu früh für eine Bestätigung, und die Entdeckung bleibt ein faszinierendes historisches Rätsel mit einem Hauch literarischer Romantik.
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